Museu da Agua (Wassermuseum)

Besuch am Donnerstag, 21.4.2016, ca. 1,5 Std. Das 1987 eröffnete Museu da Agua des Wasserversorgers EPAL zeigt zusammen mit drei weiteren dezentralen Einrichtungen – dem 1748 fertiggestellten Aquädukt von Aguas Livres sowie zwei Wasserspeichern von 1834 und 1864 – die Geschichte der Wasserversorgung Lissabons. Die Abteilung des Wassermuseums in Barbadinhos befindet sich am Ort einer alten Pumpstation. Mit Hilfe von Dampfmaschinen wurde ab 1880 vom neu gebauten Aquädukt Alviela Wasser in zwei Speicher in die höher gelegenen Stadtteile gepumpt. Die erhaltenen vier Dampfmaschinen der Firma E.W. Windsor aus Rouen bilden den Kern des Museums.

Zur Verdeutlichung an der Wand: ein 'Prinzip-Schaltbild' Foto: Gerd Walther

Zur Verdeutlichung an der Wand: Darstellung einer Einheit von Pumpanlage unten und Dampfaggregat
Foto: Gerd Walther

Am Anfang gibt eine 2013 erneuerte Ausstellung dort, wo sich früher das Kohlenlager und das Kesselhaus befanden, einen Überblick über die Geschichte der Wasserversorgung Lissabons. Schon die Römer bauten nach 138 v. Chr. Brunnen, später Aquädukte. Die Araber holten das Wasser wohl durch artesische Brunnen aus der Tiefe, also Brunnen, aus denen das Wasser mittels Eigendruck ohne zu pumpen in die Höhe sprudelt. Um 1741 gab es bei ca. 150.000 Einwohnern 5- 6 solcher Brunnen in Lissabon. Nicht nur in den höher gelegenen Stadtteilen war Wasserknappheit ein Alltagsproblem. Dabei geht es nicht nur um Technik. Wasser, die Verfügbarkeit darüber, war immer auch ein Machtfaktor und spiegelt die Sozialstruktur der Gesellschaft. Bis ins frühe 20. Jh. versorgte eine nach Herkunft und Geschlecht gegliederte Zunft von Wasserträgern mit einem engmaschigen Netz die Stadt mit Wasser. Während frühere Systeme mit dem Gefälle des Wassers arbeiteten, die Speicher in Lissabon also tief oder außerhalb lagen, wurde 1880 eine 2. Wasserzufuhr mit dem Aquädukt von Alviela eröffnet und einer Pumpstation, die jetzt das Wasser mittels Dampfkraft in Speicher höher gelegener Stadtteile pumpte: Barbadinhos. Das frühere Kesselhaus, das die Energie für die Dampferzeugung in 5 Kesseln lieferte, wird auf dem Gang zum Maschinenhaus durch 2 wandgroße Fotos vorgestellt.

Aber das ist nur das Vorspiel. Kern der Präsentation ist das alte Maschinenhaus mit der Pumpstation im Erdgeschoss und wohl auch darunter: mächtige schwarze Rohre zwischen massivem Gemäuer, durch das man mittig geht. Jeweils ganz an den Wänden erkennt man die untere Hälfte der riesigen Schwungräder zu den vier Dampfmaschinen darüber. Man riecht ihn auch, diesen typischen Geruch aus Maschinen, Metall, Öl, altem Gemäuer. Ein weitgehend historischer Duft. Bis 1928 war die Anlage in Betrieb.

Blick in die Maschinenhalle Foto: Gerd Walther

Blick in die Maschinenhalle
Foto: Gerd Walther

In den oberen Geschossen, die man über eine Eisentreppe erreicht, befindet sich das eigentliche Maschinenhaus mit seinen 4 identischen Dampfmaschinen, gebaut 1877 von der französichen Firma Windsor & Fils in Rouen, 1880 eingeweiht. Sie erheben sich am alten, ursprünglichen Ort über mehrere Etagen in die Höhe. Da läuft man nun in diese geordnete Welt einer veralteten Technik hinein, geht zwischen riesigen Eisenmonstern hindurch, links zwei, rechts zwei. Die vertikalen Kolben mit je zwei Zylindern erstrecken sich etagenübergreifend, dazu die enormen Antriebsräder, alles geschützt zur Sicherheit durch Eisengitter in neugotischer Facon. Das ist nicht nur zweckmäßig gebaut, man hat sich auch für die Ausgestaltung viel Mühe gegeben. Dampfmaschinenhallenneugotik.

Dazu die vielen Anzeigegeräte, Manometer, Pleuelstangen, Fliehkraftregler mit Gewichten wie Kanonenkugeln, Dampfaggregate, liebevoll gestaltet bis ins letzte Detail. Die Dampfhalle ist ein einzigartiges Industriedenkmal aus dem späten 19. Jahrhundert. Man wagt sich gar nicht vorzustellen, wie es ist, wenn sich diese Monster in Bewegung setzen, lt Baedeker finden regelmäßig Vorführungen statt. Zumindest bei einer Maschine sind die Teile geölt und geschmiert. Ein Höllenlärm, dazu wohl eine immense Hitze, dazwischen Arbeiter, verschwitzt, kohle-, ruß- und ölverschmiert. Ein Moloch von erstaunlicher Ästhetik, um die Bevölkerung Lissabons mit Wasser zu versorgen.

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