Museum of London

Besuch am Donnerstag, 29.10.2015, ca 4 Std. Das Londoner Stadtmuseum befindet sich seit 1970 in einem neuen Gebäude, das – umgeben von Bürohausgiganten – an einem Teil der hier sichtbaren römischen Stadtmauer liegt. Dies umreißt zzgl. einer Abteilung zur Frühgeschichte das breite Themenfeld der Präsentation. Der Eintritt ist frei.

Die didaktisch modern aufbereitete Ausstellung stellt die Exponate in den Mittelpunkt und erläutert an ihnen die reiche Geschichte Londons. Das ist leider nicht selbstverständlich. In vielen Museen sind Begleittexte zu den Exponaten auf Äußerlichkeiten wie Alter, Größe, Materialien reduziert, dazu ein oft erstaunlich banales Beisätzchen. Damit wird diese Art Museum auf eine Art Schaudepot reduziert. Der historische Background wird durch Begleittexte hergestellt, zu dem die Exponate eher die zeittypische Staffage bilden.

Römermauer mit Zugang zur Wohnpassage, links hinter Fenstern sind Reste der alten Römermauer. Foto: Gerd Walther

Römermauer mit Zugang zur Wohnpassage, links hinter Fenstern sind Reste der alten Römermauer.
Foto: Gerd Walther

Im Museum of London wird, um ein Beispiel zu geben, bei einer Schüssel mit Holzlöffel auch kurz aber prägnant auf die Essgewohnheiten der Zeit eingegangen, was man gegessen hat, wie man gegessen hat. Dadurch wird nicht nur die Zeit veranschaulicht, es wird auch das Exponat vertieft. Und man hat hier viele Exponate von sehr hoher Qualität. Meist gibt ein kurzer Beitrag eine Einordnung der in einer Vitrine ausgestellten Gegenstände, die dann auf genannte Art zusätzlich erläutert werden. Auch optisch stehen so die Exponate im Mittelpunkt. Indem man durch das Museum geht, entsteht Londons Geschichte von den großen Ereignissen bis zum Alltagsleben plastisch und eindrucksvoll.

Die Präsentation der Exponate wird ergänzt durch Rauminstallationen, etwa einer römischen Stadtbefestigung, deren Reste vor dem Museum man zugleich durch ein Fenster betrachten kann. Hinzu kommen Läden, Wohnräume, Tempelfragmente mit Gegenständen, die man in London gefunden hat. Unaufdringlich finden weitere Vertiefungen durch Videos, interaktive Programme, Audioinstallationen etc. statt, abwechslungsreich, aber immer so, dass sie die Exponate nicht verdrängen. Die Eingangsetage führt so über ‚London vor London‘ bis zu den beiden Großereignissen der frühen Neuzeit mit ihrer Zäsur: Die Große Pest von 1665, bei der etwa 20% der 500.000 Einwohner starben, dem Großen Feuer von 1666, bei dem 80% der Stadt zerstört wurden.

Kino mit alten Filmen zu London Foto: Gerd Walther

Kino mit alten Filmen zu London
Foto: Gerd Walther

Dem Museum gelingt es, die vielfältige Geschichte der (Welt-) Hauptstadt differenziert und anschaulich darzustellen, von Konflikten mit der Krone bis hin zum Alltagsleben. Sie tut das anschaulich mit Produkten ‚Made in London‘ und ganzen Ladenpassagen der viktorianischen Zeit. Auch das London der Industrialisierung mit den Elendsvierteln nicht nur im East End entsteht mit Hilfe des Armuts-Stadtplans von Booth 1889, Fotos, Aufrufen, Plakaten. Oder der Kampf um das Frauenstimmrecht durch die ‚Suffragettes‘ vor dem 1. Weltkrieg. Natürlich spielen auch die beiden Weltkriege eine große Rolle, v.a. die Zerstörungen durch den ‚Blitz‘. Sehr erfreulich ist, dass das Museum bis in die Gegenwart reicht, Rassenunruhen wie im Stadtteil Brixton 1981 oder Auseinandersetzungen um Thatchers Steuerpolitik 1990 thematisiert werden. Es wird nicht beschönigt, nichts unter den Teppich gekehrt, da werden sachlich-anschaulich vorhandene Probleme dargestellt.

Wohl auch, weil der Eintritt frei ist, ist das Museum sehr gut besucht, Betonung auf ’sehr‘. Zudem setzt man ganz konsequent auch auf eine kindgerechte Präsentation. Es sind also sehr viele Eltern mit kleinen Kindern im Museum (obendrein waren Herbstferien). So begrüßenswert das ist, so ist es doch nicht unproblematisch. Am Anfang sind Kinder noch durch die kindgerechte Präsentation gut eingebunden. Aber irgendwann geht – wie bei Erwachsenen auch – die Konzentrationsfähigkeit zur Neige. Erwachsene gehen dann ins Museumscafé. Kinder drehen zumindest teilweise dann richtig auf. Hier sollte man sich etwas einfallen lassen, etwa die Regulierung über einen Eintrittspreis statt einer Spende.

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