Handwerksmuseum Markt Erlbach

Besuch am Sonntag, 15.8.2021, knappe 1,5 Std. Das ‚Museum Geschichte und Handwerk‘ in Markt Erlbach wurde 1976 als ‚Rangau-Handwerker-Museum‘ gegründet. Nach einem langwierigen Umbau mit grundlegender Gebäudesanierung wurde es 2019 wieder eröffnet. Träger ist der Heimatverein Markt Erlbach im Zusammenwirken mit der Gemeinde.

Das Museum ist im stattlichen Pfarrhaus von 1443 untergebracht, das der Heimatverein durch seine Museumsplanungen wohl vor dem Abriss bewahrte. Dort erstreckt es sich jetzt über 3 Etagen. Im Erdgeschoss befindet sich im früheren Wohnzimmer des Pfarrers ein Raum für Trauungen. Daneben verweist ein Raum auf das im Ort 1869-1958 befindliche Krankenhaus, bei dem der ortsansässige Arzt von Hebammen und Diakonissen unterstützt wurde. Die Niederlassung eines Apothekers 1815 zeugt von der Mittelpunktfunktion des Ortes. Der Bader war für die ‚kleine Chirurgie‘ inkl. dem Zähneziehen zuständig. Ein weiterer Raum enthält die Utensilien einer Schmiede mitsamt dazugehörigem Werkzeug.

Gerätschaften eines Büttners;
Foto: Gerd Walther

In der 2.Etage werden v.a. ländliche Handwerke vorgestellt: Bäcker, Metzger, Schuster, Schneider, Büttner, Wagner, Schreiner, dazu ein Uhrmacher und unter dem Dach eine 1948 gegründete Fabrik von Blechblasinstrumenten. Die ordentlich und aufgeräumt wirkenden Räume sind durchweg weiß gehalten. Das macht beim Krankenhaus noch Sinn, aber wirkt schnell steril und eintönig – und nicht nur bei der Schmiede irritierend. Dazu werden die zum jeweiligen Handwerk gehörenden Werkzeuge akkurat ausgestellt, etwa 13 auf einer Platte befestigte Hobel, zu denen sich daneben 6 weitere gesellen. Beschriftet sind sie jeweils knapp mit Namen und Materialbeschaffenheit, bei Hobeln Holz und Eisen. Oder nehmen wir die 17 ausgestellten Werkzeuge der Büttnerei, oder die 26 Werkzeuge beim Schuster, oder… Hier haben wir es eher mit einem Schaudepot als mit einem Museum zu tun. Was bringt es, wenn ich die ca 20 im Museum ausgestellten Hobel dem Namen nach kenne? Dabei hat man schöne Fotos, man müsste nur jeweils eines davon von jetzt DIN A4 so vergrößern, dass man als Besucher darin auf Entdeckungsreise gehen kann. Dazu könnte man mit einem alten Plan auf den Standort der jeweiligen Werkstätten und Läden verweisen, wie man es ähnlich oben bei den Häusern von Juden macht. Die Geschichte von Handwerken geht doch über das Ausstellen einer Vielzahl von Werkzeugen hinaus, hat mit Menschen zu tun, die herstellen oder kaufen, ist Ortsgeschichte. Wieso man die hübschen Elemente des Krämer- oder Kolonialwarenladens als Tante-Emma-Laden bezeichnet, habe ich nicht begriffen. Denn dieser Begriff taucht erst auf, nachdem Discounter und andere große Filialisten die alte lebendige ‚Geschäftigkeit‘ im Ort zerstört haben. Auch Markt Erlbach mit seinen Leerständen ist ein anschauliches Beispiel. Zudem hätte sich angeboten, die (wenigen) Daten zur Ortsgeschichte mit den Menschen zu verbinden, statt sie im Treppenhaus zu isolieren.

Waren- und ggfls Preisverzeichnis wohl aus den 1950er Jahren;
Foto: Gerd Walther

43 Pfarrer werden vorgestellt, jeweils aufzuschlagen wie bei einem Buch, als ob sie etwas zu verbergen haben. Interessant, dass sich auch hier im Bauernkrieg die Untertanen gegen die Obrigkeit auflehnten und dem Pfarrer 4 Messkühe und ein Pferd klauten. Oder dass es um 1700 zwischen der Pfarrersfrau und einem Kollegen des Ehemanns heftig menschelte. Aber wieso versteckt man das fast, ebenso wie die Sprüche zum Patendank.

Im Dachgeschoss werden 7 Personen vorgestellt. Vom Pfarrer, der die ‚reiche Pfarrei Markt Erlbach‘ erhält, ist die Rede, vom armen Schuhmachersohn aus Linden, der Künstler wird, vom unehelichen Sohn einer Weberstochter und eines Zimmerergesellen, der Löhe’scher Missionar in Neu-Guinea wird. Der Apotheker Ignatz Schneider sorgte 1902 für die Verlängerung der Eisenbahn bis Markt Erlbach. Knapp erwähnt wird, dass der Ort 1908 eine Stromversorgung und 1958 eine Wasserleitung bekam, dass Salzburger Exulanten nach dem 30jährigen Krieg in den fast entvölkerten Ort geholt wurden, dass im 19.Jh. Erlbacher nicht selten nach Amerika auswanderten. Bei der ebenfalls sehr knapp gehaltenen Geschichte der Juden mit dem Modell der Synagoge zeigt man ansatzweise eine Verknüpfung von Erwerb, Einwohnern und Ortsgeschichte, die man sich im gesamten Museum wünscht. Eine Geschichte des Handwerks kann spannend sein, man sollte sie aber mit den dazugehörigen Menschen im Ort verknüpfen.