Kirchenburgmuseum

Besuch am Mittwoch, 15.7.2015, ca 4 Std. Träger des 1981 eröffneten und seitdem sukzessive erweiterten Museums ist ein Kirchenburgverein in engem Zusammenwirken mit der Stadt Iphofen, dem Landkreis Kitzingen und dem Bezirk Unterfranken.

Das ‚Mainfränkische Dorfmuseum‘ setzt sich aus mehreren alten Gebäuden im Dorfkern von Mönchsondheim um die alte Kirchenburg und den Dorfplatz zusammen. Es ist die alte Bausubstanz am ursprünglichen Ort, die den Reiz dieses Museumsdorfes im Dorf ausmacht. Und man hat es – hier liegt die besondere Stärke des Museums – weitgehend original aussehend belassen. Alles erstreckt sich um den alten Dorfplatz mit seinen schönen Linden: Rathaus, Schulhaus, Wirtshaus mit Gehöft, Krämerladen, Kleinbauernhof und natürlich die eigentliche Kirchenburg mit dem Mesnerhaus.

Da ist das alte Rathaus mitsamt der Dorfbäckerei und Bäckerwohnung, die zugleich Poststelle mit dem lange Zeit einzigen Telefon im Ort war. Denn der Ort war natürlich zu klein, dass Rathaus nur Rathaus sein konnte. Man zeigt hier wie in den anderen Häusern den Bestand so, wie er vor etwa 50 bis 100 Jahren war, zuletzt, soweit möglich.

Der Tanzsaal im Schwarzen Adler, daneben der Frisiersalon Foto: Gerd Walther

Der Tanzsaal im Schwarzen Adler, daneben der Frisiersalon
Foto: Gerd Walther

Gegenüber die Schule von 1927, das vorherige Schulgebäude war an der Kirchenburg. Das Klasszimmer im Erdgeschoss der einklassigen Zwergschule, die 1965 geschlossen wurde, macht den Eindruck, als ob gerade Ferien sind. Die Schulbänke kennen ältere Jahrgänge noch, ebenso die Jungstoilette: Eine teerschwarze Wand, unten die Rinne.

Schön auch das Dorfwirtshaus ‚Schwarzer Adler‘, das wohl bei Feiern heute noch genutzt wird, ein Bauernwirtshaus, wie es war, keines aus einem Einrichtungskatalog für Landgasthöfe. Leider liegt der alte Schankbereich verborgen. Man wird entschädigt durch den Tanzsaal im Obergeschoss: An einer Wand Bänke für die Männer, gegenüber für die Frauen, auf einer Seite ein Ausschank, auf der anderen der ‚Musikantenstand‘, in der Mitte die Tanzfläche. Gleich daneben beherbergt ein Zimmer einen alten Frisiersalon mitsamt Blaupunkt-Radio von 1954. Das Pissoir übrigens mit Dachrinne in passender Höhe.

Der Krämerladen Hassold gibt es seit 1852. Foto: Gerd Walther

Der Krämerladen Hassold gibt es seit 1852.
Foto: Gerd Walther

Es gibt viele schöne Plätze im Kirchenburgmuseum, etwa die alte Kegelbahn beim Kräutergarten. Oder die Ausstellung mit dem landwirtschaftlichen Gerät der Wirtshaus-Hofstelle, denn natürlich war auch der Wirt (kein armer) Bauer. Eindrucksvoll der akustisch übermittelte Umgang mit Wasser und Strom im Kleinbauernhof Hahn noch in den 1950ern. Oder der zeitweise verkaufsoffene Dorfkrämerladen, vollgestopft vom Boden bis zur Decke mit (fast) allem, was man braucht. Oder das Mesnerhaus, das jetzt eine Trachtenausstellung mitsamt dörflichem Textilhandwerk anschaulich präsentiert.

Neu aufgebaut wurde/wird die eigentliche Kirchenburg mit ihren Vorratshäusern. Sehr anschaulich gemacht ist die breit angelegte Darstellung des dörflichen Handwerks mit schönen Exponaten und großformatigen Abbildungen aus den Hausbüchern der Nürnberger Zwölfbrüderstiftungen des 16./17.Jhs. Auch die Geschichte des Weinbaus ist gut gemacht. Ob die großen neuen Gemälde zur Frühzeit von Mönchsondheim das Gelbe vom Ei sind, habe ich meine Zweifel. Dass ausgerechnet die Abteilung Kirchenburg noch unfertig ist, irritiert zunächst. Ein Schildchen „Wir bauen um“ wäre hilfreich.

Das Dorf- und Kirchenburgmuseum Mönchsondheim ist in seiner alten, gewachsenen Struktur breit angelegt. Das ist richtig und wichtig so, und natürlich gibt’s Höhen und weniger Hohes. Aber in dieser Dichte kommt einem Dorfgeschichte selten entgegen, lädt ein, nimmt auf. Das ist sehr gut gemacht.

Das Kirchenburgmuseum war zeitweise in der Rubrik „Die schönsten 3“ eingestellt.

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