Dokumentationszentrum

Nürnberg – Dokumentationszentrum

Besuch am Donnerstag, 6.11.2014 und auch sonst oft. Besuchsdauer mit der Sonderausstellung „Sommer Vierzehn“ 2,5 Std. Der Besuch der Ausstellung war gut, wobei ein Gutteil Gruppen waren, Einzelbesucher v.a. in der Sonderausstellung eher wenige. Im Eintrittspreis inbegriffen ist ein Audioguide.

Nach etlichen kruden Ansätzen ist in Nürnberg ein eindrucksvoller Einblick hinter die Kulissen des ‚Dritten Reiches‘ geglückt, indem man das noch stehende Hauptgebäude aus dieser Zeit, die Kongresshalle, mit Mut und Ideenreichtum direkt einbezogen, den Stier also bei den Hörnern gepackt hat. Ein Durchstich durch die Fassade ins Innere des Gebäudes, das man mit seinen Backsteinmauern weitestgehend belassen hat, wobei die Brutalität dieses Gebäudes Sinnbild für die dargestellte Zeit wird.

Es ist eine selten geglückte Einbeziehung des Gebäudes in den Auftrag des Museums, die Zeit des Nationalsozialismus v.a. am Beispiel des Reichsparteitagsgeländes zu dokumentieren. Ohne Schnörkel, mit einfachen Mitteln, Großfotos, Dokumentationen zu den wesentlichen Strukturen von Organisation und Politik des Nationalsozialismus, Audio- und Videodokumenten, kurze prägnante Texte. Dem Besucher, bedrängt durch die Gewalt des Bauwerks, ist der Weg vorgegeben, es gibt keinen Ausweg zu Krieg und Untergang.

Der "Führer" über Deutschland Foto: Gerd Walther

Der „Führer“ über Deutschland
Foto: Gerd Walther

Dunkelheit prägt neben den nackten Backsteinmauern die Atmosphäre im Gebäude. Dabei gehen die Macher differenziert mit den einzelnen Strukturen und der Politik der Nazis um, von der man ja doch allerhand weiß. Fast täglich ‚beglückt‘ uns irgendein TV-Sender mit Filmen über ‚Hitler und die Generäle‘, ‚Hitler und die Frauen‘, ‚Hitler und die Schäferhunde‘ usw. Der Besucher kann sich in seiner zumindest diffusen Kenntnis der Zeit beim Durchgang Themen vertiefend hervorholen, muss nicht die gesamte Ausstellung von A-Z abhaken, um das Gezeigte zu verstehen.

Zudem ist der Durchgang abwechslungsreich gestaltet, man läuft auf Großfotos zu, fast in diese hinein, Ausstellungsstücke sind in den Boden eingelassen, man durchschreitet Mauerdurchbrüche, geht über neu angelegte Metallstege, hat dann wieder kleinteilige Dokumente. Etwas schade, dass man den Volksempfänger mit einem Redeausschnitt von Goebbels entfernt hat. Das war ein konkreter Gegenstand, der Stolz vieler Wohnzimmer. Jetzt spricht Goebbels aus einem schwarzen Loch, aber so anonym waren die doch nicht.

Ein Audioguide ist im Eintrittspreis inbegriffen, der v.a. für Besucher gut ist, die nicht deutsch sprechen. Im Wesentlichen wird das abgelesen, was auf den Tafeln steht, dazu noch Einleitungen zu den einzelnen Bereichen. Ob man dazu noch den Audioguide braucht, der, hier liegt das Problem, oft eher von den Bildern und Texten ablenkt? Zugleich hören und schauen, ich weiß nicht, ob das ganze Ausstellungen hindurch gut geht.

Foto: Gerd Walther

Foto: Gerd Walther

Unklar ist, welcher Teufel die Museumsmacher bei der Sonderausstellung geritten hat. Ich kann schon Freizeitverhalten evozieren, indem ich die Besucher in Liegestühle vor einer großen Leinwand in eine Sanddüne setze, wenn es das Thema hergibt. Wird aber nur ein Kürvchen zu den Eingangsbildern eines Films geschlagen, ist das zu wenig. Auch der mögliche kritische Vergleich zum Fernsehzuschauer, der vom Sofa aus das Unheil der Welt betrachtet, wird nicht fruchtbar genutzt. Warum ich den Betrachter zwingen muss, Schreckliches auf einer ca 40 m breiten Leinwand fast wie ein Tennismatch zu betrachten, erschließt sich mir auch nicht. So wie in der Dauerausstellung das Gebäude äußerst sinnvoll für den auszustellenden Inhalt genutzt wurde, so vergaloppieren sich hier die Museumsmacher mit einer sich verselbständigenden Aufbereitung auf Kosten des Inhalts.

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