Stadtmuseum Fembohaus

Besuche am 4.10.2014 und am 28.6.2015, Dauer je etwa 2,5 Std. Das Fembohaus gehört zu den ‚Museen der Stadt Nürnberg‘. Im Eintrittspreis ist ein Audio-Guide enthalten. Im Fembohaus geht’s mir wie früher manchmal in schönen, alten Hotels, in denen ich, auf dem Bett liegend, begann, ‚mein‘ Zimmer gedanklich umzustellen.

Zu Beginn geht’s mit dem Aufzug in die oberste Etage, fünf Ebenen hat das Haus. Dort soll sich der Besucher zunächst einmal hinsetzen und ein ca 15 Minuten dauerndes Programm zum sehr schönen Stadtmodell aus dem Jahr 1939 anschauen. Da wird der Besucher, der eigentlich noch Schwung hätte, hart abgebremst.

Der Tanzsaal Foto: Gerd Walther

Der Tanzsaal
Foto: Gerd Walther

Es ist immer schwierig, in einem dominanten Gebäude ein Museum unterzubringen. Denn es gilt ja, mit dem Haus so zu kommunizieren, dass sowohl das Gebäude als auch die Präsentation der Exponate optimiert werden. Das gelingt im Fembohaus nicht immer. Das Museum zeigt da seine Stärke, wo eine alte Einrichtung vorhanden ist. Hier Bezüge zwischen der Geschichte der Stadt und der der Hausbewohner nicht nur akustisch zu vertiefen, wäre reizvoll. Wo das Haus so dominant ist, dass einfach nichts anderes hineinpasst, wird die Ausstellung stimmig. Im Hof etwa mit seinen Galerien, das Schöne Zimmer, die Stuckdecke, die Wand- und Deckenverkleidungen.

Auch das wäre ein wichtiger Aspekt zur Geschichte Nürnbergs. Ich weiß nicht, ob man sich einen Gefallen damit getan hat, das Fembohaus ‚Stadtmuseum‘ zu nennen. Die Verbindung des Hauses zu den hausfremden Exponaten wirkt oft künstlich und unbeholfen. Irgendwie passt’s doch nicht zusammen, wirken die stadtgeschichtlichen Exponate hineingestellt.

So geht man farblich auf Distanz, statt voll in die Geschichte des Hauses und seiner Bewohner zu gehen: patrizisches Leben inkl. dem dazugehörigen Personal im Laufe der Jahrhunderte. Ansatzweise geschieht das immer wieder, wird mal hier, mal da erwähnt, doch eher halbherzig. Der Tanzsaal etwa. Graublau die Wände, 3 schwarze Lautsprecher mit der fiktiven Unterhaltung von Besitzern. Die Decke kommt dabei zu kurz, ebenso das Kabuff für die Musiker, die aufgeräumte Küche. Hat die Hausfrau gekocht oder getanzt?

Die Küche hinter dem Tanzsaal Foto: Gerd Walther

Die Küche hinter dem Tanzsaal
Foto: Gerd Walther

Oder die Präsentation einzelner Handwerke in modernen Stelen, interessant, schön gemacht mit den historischen Erläuterungen. In Venedig, im Museo Palazzo Fortuny, hat man die Exponate in Schränke der jeweiligen Zeit eingepasst. Schränke, deren Beleuchtung und Sicherung sensibel dem neuen Zweck angepasst wurden. Auch die Homann’sche Landkartenoffizin hätte sich hierfür angeboten.

Sehr gut fügen sich derzeit die Grafiken Delsenbachs in das Museum ein, endlich einmal ‚lebendige‘ Menschen aus dem Barock. Delsenbach zeigt man entweder ca. 2 x 3 m groß, damit das Auge des Betrachters herumspazieren kann. Oder man gibt den Besuchern Lupen zur Hand, um sie so zum genauen Hinschauen zu animieren, wie geschehen. Das ist gut gedacht, aber man hätte doch Lupen mit einer nennenswerten Vergrößerung nehmen sollen. Eine Ebene tiefer werden die Stadtansichten durch Fotos von Ferdinand Schmidt aus dem späten 19.Jh – leider meist ohne Menschen – wieder aufgenommen

Einen Durchhänger hat das Museum im 1.Obergeschoss bei den Musikern, Künstlern und Gelehrten. Könnte man nicht versuchen, das Stadtmodell von 1939 hier unterzubringen, selbst wenn’s enger wird, zumal dann das Stadtmodell des zerstörten Nürnberg in der Nähe wäre. Das Dachgeschoss könnte man als patrizische Rumpelkammer gestalten.

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