Musée de Cluny

Besuch am Mittwoch, 9.8.2017, ca 2,5 Std. Das ‚Musée de Cluny – Musée national du Moyen Age‘ gibt im ehemaligen Pariser Stadtpalais der mächtigen burgundischen Abtei Cluny einen Einblick in mittelalterliches Leben. Das Gebäude, das sich an die Mauern der römischen Thermen des 2. Jhs n. (Chr.) im heutigen Quartier Latin anfügt, entstand um 1500. 1833 erwarb es nach mehreren Besitzerwechseln ein Sammler mittelalterlicher Kunst, 1842 der Staat. 1844 wurde daraus unter Einbeziehung der Thermen ein Museum. Das staatliche Museum steht unter der Trägerschaft des Kultusministeriums.

Deckengewölbe der Kapelle, mittig rechts die Säule
Foto: Gerd Walther

Es ist überhaupt erstaunlich, dass so ein weltliches mittelalterliches Gemäuer in Paris noch steht. Noch erstaunlicher sind die vorzüglichen Exponate, wobei man sich natürlich guter Quellen aus Paris und ganz Frankreich bedienen konnte. Was die Qualität der Ausstellungsstücke anbelangt, kann das Museum durchaus mit vergleichbaren Museen anderer Metropolen mithalten. Da (wie in anderen Pariser Museen auch) deutsch bei Erläuterungen nicht vorkommt, empfiehlt sich der Audio-Guide. Er formuliert zwar mitunter etwas umständlich, gewährt aber letztendlich einen guten Einblick zu einzelnen Exponaten bzw. Raumeinheiten auch auf deutsch.

Bei den 12 Räumen im Erdgeschoss mit ihren Skulpturen aus Sandstein, Alabaster, Elfenbein dominieren helle Wände, mitunter auch die unverputzte Thermenwand. Einen Höhepunkt in dieser an Highlights reichen Ausstellung bilden die Statuen und Köpfe judäischer Könige von ca 1220. Bei der Revolution von 1789 wurden die Statuen für Darstellungen französcher Könige gehalten, 1793 aus den Kirchen Notre Dame und Saint-Denis entfernt, ‚geköpft‘ – und erst 1977 wieder gefunden. Die Skulpturen korrespondieren nun mit Kirchenfenstern des 12. und 13. Jhs u.a. aus der Sainte-Chapelle in Paris. Sie geben jetzt ihre Nuancen den Besuchern preis, die diese unmittelbar meist auf Augenhöhe betrachten können.

Einen weiteren Schwerpunkt der Ausstellung bilden im Obergeschoss die vielen großflächigen Wandteppiche mit Darstellungen aus dem religiösen Leben vor weltlichem Hintergrund. Hier sind die 11 Räume meist weinrot gehalten bei dunklen Holzdecken und -Fußböden, so dass die unaufdringlich positionierten Exponate in ruhiger Atmosphäre gut zur Geltung kommen. Unter den sehr schönen Teppichen ragt neben Werken zur Legende des heiligen Stephanus (St. Etienne) der sechsteilige Wandbehang der ‚Dame à la Licorne‘ (Dame mit dem Einhorn) aus dem späten 15. Jh. heraus. Fünf Teppiche versinnbildlichen bei ähnlichem Bildaufbau mit der Dame, dem Einhorn, allerlei Getier und Pflanzen die fünf Sinne Schmecken, Hören, Riechen, Fühlen und Sehen. Ein sechster zeigt wohl den Verzicht auf all die Sinnesfreuden des Lebens.

Foto: Gerd Walther

Unter Einbeziehung des Gebäudes gehört auch die alte Abts-Kapelle im spätmittelalterlichen ‚Stil Flamboyante‘ zu den Schmuckstücken des Hauses, ein fast quadratischer Raum mit einer mittigen Säule. Die folgenden Räume mit großflächigen Wandteppichen beherbergen viele kleinere Arbeiten zu religiösem wie auch profanem Gebrauch, Goldschmiedearbeiten, Truhen und Schränke, andere Gegenstände des (gehobenen) Lebens, vieles aus Elfenbein bis hin zu einem Einhorn und 2 Oliphanten aus dem 11.Jh wohl italienischen Ursprungs (einer davon allerdings unvollständig), sagenumwobenen Hörnern aus Elfenbein. Auch ein goldener Altarvorsatz, das sog. ‚Baseler Antependium‘ aus dem frühen 11. Jh., soll unter den sehr vielen hervorragenden Stücken erwähnt werden, wurde es doch wohl ursprünglich von Kaiser Heinrich II. evtl. dem Bamberger Benediktinerkloster St. Michael gestiftet. Den Abschluss bilden nochmals Exponate aus dem Alltagsleben des weltlichen wie kirchlichen Adels, religiös genutzte Gegenstände und solche zur Jagd, beim Turnier und dem Krieg.

Das ist alles sehr schön, stimmig und ruhig gemacht, so dass man einen guten Einblick in das (Luxus-) Leben der zumeist hochadeligen französischen Gesellschaft im Spätmittelalter und in der Frührenaissance erhält.

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