Musée des Arts et Métiers

Besuch am Samstag, 12.8.2017, ca 5 Std., und auch vor ca 30 Jahren schon einmal. Das ‚Museum für Kunst und Gewerbe‘ wurde 1794 im Zusammenhang mit einer Kunst- und Gewerbeschule mit dem Ziel gegründet, eine zentrale Anlauf- und Sammelstelle für neue Erfindungen und technische Errungenschaften zu haben, also eine Art technisches Gewerbemuseum. Das 2000 renovierte Museum untersteht als Teil der Elitehochschule Conservatoire National Arts et Métiers, CNAM, dem Erziehungsministerium.

Frühe Tonfilmeinheit mit sog. ‚Nadeltontechnik‘
Foto: Gerd Walther

Bekannt ist das in der Abtei von St-Martin-des-Champs untergebrachte Museum durch das hier befindliche ‚Foucaultsche Pendel‘, mit dem 1851 augenfällig die Eigenrotation der Erde gezeigt wurde, sowie durch das gleichnamige Buch von Umberto Eco, das teilweise im Museum spielt. Das Pendel befindet sich mit Flugzeugen und alten Autos am Ende des Rundgangs in der ehemaligen Kirche. Das Museum ist auf drei Etagen in die sieben Abteilungen Wissenschaftliche Instrumente, Materialien, Energie, Mechanik, Baukunst, Kommunikation und Transport unterteilt, diese jeweils wieder in die Zeit vor 1750, bis 1850, bis 1950 und (ein bisschen) danach.

Man hat zumeist die schönen alten Holzvitrinen mit ihrem leicht gewellten Glas belassen, bzw. entsprechende nachgebaut. Das verleiht dem Museum zwar eine gewisse Gediegenheit, kann aber leicht in Gleichförmigkeit umschlagen. Problematisch wird’s da, wo die Vitrinen mit ihren holzgerahmten, nicht sehr großen Glasscheiben den Blick auf die Exponate behindern. Gut sind die unaufdringlichen interaktiven Installationen unmittelbar an den jeweiligen Vitrinen, die die Exponate – häufig alte Modelle – erläutern bzw. in ihrer ursprünglichen Umgebung bzw. in Bewegung zeigen. Ein Fingertipp genügt. Der Audioguide zu den Raumeinheiten und zu einzelnen Exponaten auch auf deutsch erleichtert das Verständnis. Erstaunlich sind die nicht selten ungenauen Datierungen. Man muss nicht „circa“ schreiben, wenn etwa bei einem Radio mit der (angegebenen) Typenbezeichnung das genaue Baujahr leicht feststellbar ist.

Blick in den Saal zur Mechanik
Foto: Gerd Walther

Durchaus sinnvoll ist es, den Rundgang wie vorgeschlagen bei der Entwicklung von wissenschaftlichen Instrumenten zu beginnen. Es erstaunt, mit wie viel Erfindergeist möglichst exakte Messgeräte geschaffen wurden, und auch, was man alles messen kann mitunter auch mal falsch: Uhren mit Dezimaleinteilung während der Revolution 1792 – 1805. Sehr spannend ist auch, wie einzelnen Erfindungen und Techniken in bestimmten Zeiten eine Schlüsselstellung zukam. Bekannt ist die Weiterentwicklung der Textilverarbeitung im 18. und 19. Jh., die an verschiedenen Modellen und großen Geräten detailliert nachvollzogen werden kann. Interessant aber ist auch die Entwicklung des Pressewesens durch die Erfindung der Schnellpresse 1812, der Rotationspresse 1845 und der Linotype-Setzmaschine 1886 mit einer immensen Steigerung der Druckleistung, was den Zeitungen ab 1850 völlig neue Verbreitungsmöglichkeiten gab. Über 130 Zeitungen gab es um 1880 in Paris.

Das Museum gibt viele Impulse, wie technische Erfindungen die Welt veränderten. Auch der kurz vor 1900 erfundene Film hatte ja mit den Brüdern Lumière ein Zentrum in Paris. Schön hier der ausgestellte Nadeltonapparat für den frühen Tonfilm, bei dem parallel zum Film über Schallplatten der Ton abgespielt wurde. Er hat sich gegen den Lichtton nicht durchgesetzt, weil man das Problem der Synchronisierung nicht gelöst hat. Aber oft ist ja gerade (geniales) Scheitern und die Ablösung durch (vermeintlich) Besseres das Interessante. Man kann das im Museum gut nachvollziehen. So werden viele Einrichtungen, mit denen wir täglich umgehen, Fernsehen, Radio, Verkehrsmittel bis hin zu Urvätern des Fahrrads mit Hilfsmotor anschaulich gezeigt. Das ist insgesamt schön gemacht, ruhig, interessant, unaufdringlich. Man muss ja nicht alles bei einem Besuch anschauen.

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