Musée de Montmartre Jardins Renoir

Besuch am 22. Juli 2014, ca 1,5 Std, ermäßigt 7.- €, sonst 9.– €. Auf den im Preis enthaltenen Audio-Guide habe ich verzichtet. Das Museum war gut besucht.

Das Museum ist lt Eigendarstellung im ältesten Haus der Butte Montmartre untergebracht, in dem zeitweise auch Auguste Renoir, Dufy, Suzanne Valadon, Maurice Utrillo und andere gelebt und gearbeitet haben. Man betritt das Museum im Garten nicht von der Vorderseite, sondern muss ums Haus herumgehen und von der „Weinbergseite“ in das Museum. Diese Einbeziehung der Umgebung inkl. verschiedener Reproduktionen dort gemalter Bilder v.a. von Renoir geben eine schöne Einstimmung. Man verlässt das hektische Paris, die unruhigen Touristenschwärme, kann den Garten und die Weinberge mit ihrem Ausblick auf das nördliche Paris genießen, ehe man die Räume betritt.

Weinberg direkt beim Museum Foto: Gerd Walther

Weinberg direkt beim Museum
Foto: Gerd Walther

Diese Grundstimmung wird gehalten. Wie man räumlich aus der Montmartre-Hektik heraustritt, so gelangt man zeitlich in die Epoche zwischen 1850 und 1914.Von den Kalkbergwerken mit ihren vielen Mühlen hin zum Ausgangspunkt und Zentrum der Pariser Commune 1871 im Arbeiterstadtteil, weiter zur Ansiedlung vieler Künstler um die Jahrhundertwende hin zum beginnenden Rotlichtviertel um den 1. Weltkrieg.

Aussagekräftige Gemälde zeigen den jeweiligen Veränderungen, Plakate, oft von denselben Künstlern gestaltet, führen in das Leben der damaligen Boheme mit den vielen kleinen Künstlerkneipen und Cabarets, die ja – jetzt touristisch vermarktet – oft immer noch bestehen. Jetzt bunt und teuer und bis auf den letzten Platz ausgebucht wie die Rentnerbusse vor Moulin Rouge, vor 130 Jahren mit Holzbretttischen und -bänken, an die sich heute keiner mehr setzen würde – außer Künstler vielleicht. Schöne alte Postkartenwelt der Kneipen und Cabarets und überhaupt Montmartres.

Oft genügen nur Andeutungen: Ein alter Zinktresen, wie er auch Kommissar Maigret in späten Tagen mit Wehmut erfüllt hat, ein Tischchen, ein Klavier an der Wand, daneben ein Plakat mit der Einladung in ein Künstlercafé, fertig ist die Bistro-Kneipe von 1900. Der Rest ist (schöne) Phantasie, zu der man eingeladen ist, die man entwickeln soll und kann.

Foto: Gerd Walther

Foto: Gerd Walther

Vergrößerungen alter Fotografien zeigen die Wohnbedingungen, die teilweise eher an heutige Favelas südamerikanischer Großstädte erinnern. Erst zur Jahrhundertwende nähert sich großstädtisches Bauen auch der Butte, dem eigentlichen Hügel des Montmartre.

Es war nicht immer nur schön, dort zu leben. Massenerschießungen am Ende der Commune, ein einzigen (gutes) Plakat der Zeitung ‘La Laterne, Journal Republicain Anti-Clerical’ dokumentiert es: „Voila L’Ennemi!“ Hier ist der Feind, ein schwarzes Ungetüm, der Ur-Vampir, der Vater aller Blutsauger, der gerade die Kirche Sacre Coeur auf diesem Hügel errichtet, ein Monument der Demütigung der Bewohner Montmartres, Stein gewordene Gewalt der Sieger, weithin sichtbar über das revolutionäre und unruhige Paris.

Als um 1900 die Künstler allmählich ab- und nach Montparnasse ans andere Ende von Paris umzogen, rückten die Gangster und Zuhälter und ihre Mädchen nach. Sie machen Paris ebenso berühmt wie die Revoluzzer und dann die Künstler. Es wirkt immer noch

Ein sehr schönes, nicht übermäßig großes, aber eindrucksvoll, gut und liebevoll gemachtes Museum.

GW – 31.7.2014 Besuch 1x

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