Phonomuseum Paris

Besuch am Freitag, 15.11.2019, etwas über 1 Std. Das ‚Phonomuseum Paris‘ liegt am Boulevard de Rochechouart 53 zwischen den Metrostationen Pigalle und Anvers, Linie 2. Um 1900 befanden sich in der Gegend viele Concertcafés, Cabarets und ähnliche Etablissements. Das private Museum des Sammlers Jalal Aro wird unterstützt vom ‚Verein Phonoplanète‘.

Blick in die Ausstellung
Foto: Gerd Walther

Das Phonomuseum ist nicht sehr groß, erscheint aber umfänglicher, da die umliegenden Schaufenster ebenfalls Phonogeräte und Musikboxen beherbergen, die allerdings meist eher wie in einem Lager plaziert sind. Im Grunde genommen haben wir einen großen Raum mit drei Ausbuchtungen vor uns. In der 1. Ausbuchtung befindet sich der Eingang mit der Kasse. Sie ist vom Hauptraum durch ein Sperrband getrennt, eine eigentlich überflüssige Einrichtung, denn der Besuch hält sich mit zwei Personen (mit mir) in Grenzen. Aber die Betreiber des Museums, wohl der Sammler und seine (Lebens-?) Gefährtin öffnen und schließen quasi als offizielle Handlung das Band und damit den Zugang zum Museum.

Es handelt sich um ein Sammlermuseum. Irgendwann beschließen die Eigentümer, häufig wenn zu Hause der Platz knapp wird, dass sie ihre Geräte öffentlich in einem ‚Museum‘ ausstellen könnten. In aller Regel, so auch hier, sind die Sammlungen hochwertig. Dabei liegt die Wertigkeit oft auch im Alter der Exponate, die tendenziell überrestauriert sind, also oft neuer als neu aussehen. Vielen gefällt es, wenn man den Exponaten nicht (an Gebrauchsspuren) ihr Alter ansieht. Natürlich bestimmt das Interesse des Sammlers die Gestaltung des Museums. In Sammlermuseen unterbleibt oft die museumsspezifische Präsentation. Es werden möglichst viele Geräte meist auf kleinem Raum eng ausgestellt. Der Sammler selbst oder eine Person aus seinem Umfeld übernimmt als Museumsführer den Gang durch das Museum. Deshalb sind meist Beschriftungen sehr reduziert. Der ideale Besucher eines solchen Museums ist selbst Sammler. Da findet man schnell eine gemeinsame Ebene. Mitunter wird einem das Ohr abgekaut, wenn der Sammler loslegt. Das war hier nicht der Fall. Die Frau zeigte bereitwillig und gerne die Schätze des Museums, wozu bei dem Phonomuseum auch die Vorführungen vieler Geräte gehören. Sie zog sich aber zurück, wenn man sich entsprechend verhielt.

Die Schallaufzeichnung entstand 1877 mit der Erfindung des Walzen-‚Phonographen‘ durch Th. A. Edison. 1887 folgte die leichter handhabbare ‚Grammophon‘-Platte durch Emil Berliner. Im Grunde arbeiteten in mehreren Ländern Erfinder an der Schallaufzeichnung, die Zeit war reif dafür. Aber es dauerte meist mehrere Jahre von der Erfindung zur massentauglichen Umsetzung. Schon 1857 hatte der Franzose Scott de Martinville seinen ersten ‚Phonautomaten‘ vorgestellt, der Schallschwingungen auf gerußtes Papier aufzeichnete. Aber leider waren diese nicht hörbar. Das Museum besitzt eine Replik des Geräts sowie mehrere Geräte aus der Frühzeit der Schallaufzeichnung. In wenigen Jahre entstanden auch in Frankreich, dem Schwerpunkt des Museums, viele Firmen, die Phonographen und Grammophone bauten: Pathé oder Fantonophon, letztere mit mächtigen Grammophonen für Tanzhallen mit 2 hintereinander aufzusetzenden Tonabnehmern und 2 Trichtern für Pseudo-Stereo. Auch Künstler nutzten schnell dieses neue Medium, Enrico Caruso etwa oder der Pariser Chansonnier Aristide Bruant.

Regina Walzenspielgerät Hexaphon, um 1908, mit 6 Walzen zum Auswählen und Münzeinwurf, eine frühe Musikbox
Foto: Gerd Walther

Der Schwerpunkt des Museums liegt in der Zeit bis zum 1. Weltkrieg mit einer großen Anzahl oft ähnlicher Geräte. Viele davon sind spielbereit und werden auch vorgeführt. Ab den 1920ern werden die Exponate zunehmend rarer. Die Umstellung von der mechanischen auf die elektrische Aufnahme mittels Mikrofon und entsprechenden Tonabnehmern in den späten 1920ern wird eher gestreift. Einige Plattenspieler aus den 1950ern oder auch für Kinder, etwa von Bing aus Nürnberg, ein paar Radios und Lautsprecher, ein Musikschrank aus dem Besitz von Maurice Chevalier runden die Ausstellung eher zufällig erworben als gezielt gesammelt ab. Dazu sehr schöne Plakate. Man sollte diese Art von Museum mit einer unmittelbaren Betreuung mögen und zumindest Grundkenntnisse zur Schallaufzeichnung mitbringen. Dann wird man am ‚Phonomuseum Paris‘, das freitags und samstags geöffnet hat, seine Freude haben.