Historisches Museum Regensburg

Besuch am Donnerstag, 11.1.2018, ca. 4 Std. Das Historische Museum Regensburg zeigt die Geschichte Regensburgs und Ostbayerns seit der Steinzeit. Den Schwerpunkt bilden das römische und mittelalterliche Regensburg. Das 1949 eröffnete große Museum befindet sich im ehemaligen Minoritenkloster St. Salvator. Träger des Museums ist die Stadt Regensburg.

Teppich ‚Kampf der Tugenden (rechts) und Laster‘ (links), Detail
Regensburg um 1400, Altes Rathaus
Foto: Gerd Walther

Der im Museum ausgestellte Schlussstein eines Lagertores ermöglicht eine genaue Datierung der Gründung Regensburgs. Nach der Zerstörung eines um 80 n. (Chr.) errichteten Militärlagers im nahen Kumpfmühl wurde 179 n. zum Schutz des Donaubogens mit den Zuflüssen Regen und Naab, die Germanen bei ihren Überfällen nutzten, die 3. Italische Legion hierher verlegt, 6000 schwer bewaffnete Elitesoldaten. Interessante Exponate erklären den militärischen wie zivilen Alltag im Castra Regina und in den umgebenden zivilen Siedlungen anschaulich. Moderne Museumsmedien sind dezent, aber sinnvoll eingesetzt, einzelne Installationen und Modelle ergänzen die Präsentation, mittels Inschriften wird das Leben vertiefend plastisch erläutert. Der nicht im Eintritt enthaltene Audio-Guide ist (meist) hilfreich.

Eingeschoben in die Darstellung der römischen Frühzeit Regensburgs sind zwei Räume zur Ur- und Frühgeschichte des ostbayerischen Raums, insbesondere der Oberpfalz. Es geht um die Spanne von der Herstellung erster Werkzeuge in der Steinzeit bis zum Beginn einer schriftlichen Überlieferung nach der Eroberung des Alpenvorlandes durch die Römer ab 15 n. Leider wird hier, stärker als in den anderen Abteilungen, die Ausstellung etwas textlastig. Viele lange Texte führen eher dazu, dass bald gar nichts mehr gelesen wird. Dabei ergäben die gehaltvollen, aber ausufernden Texte mit ihren Grafiken eine gute Broschüre. Zudem wäre hilfreich, wenn in diesem Bereich der Audio-Guide Infos beisteuern würde. Wie im gesamten Museum hat es auch hier keinen Mangel an sehr interessanten Exponaten, selbst wenn sie meist rel. konventionell in Vitrinen präsentiert werden.

Wieder zurück gelangt man durch die Römerzeit zum Früh- und beginnenden Hochmittelalter im räumlich schönsten Bereich des Museums beim gotischen Kreuzgang und den anschließenden Räumen. Sehr anschaulich ist das Modell der zwischen 1135 und 1146 erbauten Steinernen Brücke. Sie allein schon hebt die Bedeutung der damaligen Stadt hervor. Auch die angrenzende Große Sakristei und die Paulsdorfer Kapelle mit dem gotischen Gewölbe und den Skulpturen beeindrucken. Leider müsste hier wohl wie zu den oberen Stockwerken der Audio-Guide an der (weit entfernten) Kasse händisch umgestellt werden. Auch die Minoriten-(Franziskaner-)Kirche war jahreszeitlich geschlossen, so dass ein Blick durch eine Glastüre genügen musste. Schön dann wieder das interaktive Modell der Stadt Regensburg.

Kreuzgang mit Modell der Steinernen Brücke
Foto: Gerd Walther

Die beiden Obergeschosse thematisieren das Leben im Hoch- und Spätmittelalter. In harten Auseinandersetzungen zwischen dem Kaiser, den bayerischen Herzögen, dem Regensburger Bischof und der Bürgerschaft wurde Regensburg Mitte des 13. Jhs zur Reichsstadt. Noch heute bezeugen zahlreiche Patrizierburgen die Macht der neuen städtischen Schicht. Anschaulich wird das Alltagsleben bis hin zur Abwasserentsorgung erläutert. Die Verteilung wichtiger Berufe über die Stadt zeigt ein interaktives Modell. Wichtig für die Handelsstadt war ihre Stellung im Netz des Fernhandels, v.a. nach Venedig. Wunderschön sind die Bildteppiche des 14./15. Jhs. aus dem Alten Rathaus, sehr eindrucksvoll ist die astronomische Säule des Wilhelm von Hirsau von etwa 1069. Der erstmals 981 erwähnten jüdischen Gemeinde ist ein Bereich gewidmet. An ihrem Auf und Ab lässt sich auch das Wohlergehen der Stadt ablesen. Nicht zufällig fällt das Pogrom von 1519 in eine Wirtschaftskrise bei gleichzeitigem Niedergang der Eigenständigkeit.

Das Museum klingt angenehm aus in einer Gemäldegalerie mit Exponaten aus dem späten Mittelalter und der frühen Neuzeit. Wenige, nicht allzu lange Texte fassen hier Sinn- und Zeiteinheiten zusammen, knappe Beitrage erschließen sinnvoll einzelne Kunstwerke. Das Historische Museum in Regensburg verfügt über sehr viele interessante Exponate, die meist auch für die Besucher anschaulich erläutert werden. Ein Besuch im Historischen Museum Regensburgs, dessen Altstadt seit 2006 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, lohnt sich allemal.

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