Elfleinshäusla

Besuch am Sonntag, 10.5.2015, ca 45 min. Rödelsee liegt, umgeben von Weinbergen, zwischen Iphofen und Kitzingen. Das Elfleinshäusla ist benannt nach der letzten, 1981 gestorbenen Bewohnerin Anna Elflein. Trägerin ist wohl die Gemeinde Rödelsee. Das Museum ist vom Mai bis Oktober samstags, sonntags, feiertags von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

„Leben, Wohnen und Arbeiten im 19. und 20. Jahrhundert“ zeigt dieses ‚Dorf-Museum‘, das ganz unscheinbar in der Ortsmitte liegt. Aber beim Eintritt öffnen sich sofort eine andere Welt und Zeit mit ungeheurer Intensität, vertraut und fremd zugleich.

Blick von der Stube in die Schmiede Foto: Gerd Walther

Blick von der Stube in die Schmiede
Foto: Gerd Walther

Das Elfleinshäusla beherbergte eine Schmiede mit angekoppelter Wagnerei. Hinzu kam wie üblich ein wenig Vieh, der Flyer nennt für 1930 „2 Kühe, 2 Jungvieh, 1 Geiß, 2 Schweine, 10 Stück Federvieh“. Hinzu kam, ebenfalls wie üblich, ein bisschen Landwirtschaft. Zum Überleben hat’s gereicht, reich ist hier niemand geworden. Natürlich hat die Familie des Schmieds auch in dem Haus gelebt, der Schmied, seine Frau, einmal werden 4 Kinder genannt. Im engen Kinderzimmer im 1. Stock stehen 2 Betten, eines für die beiden Mädchen, eines für die zwei Jungs. Eine Schmiedeknechtskammer wird erwähnt, ein Alkoven für Alte, Kranke, Wöchnerinnen im Anschluss an die Wohnstube.

Alles schaut so aus, als ob die Bewohner nur mal kurz rausgegangen sind und gleich wiederkommen. Nichts wirkt inszeniert, nichts arrangiert, so authentisch und lebensecht ist Museum ganz selten. Keine Vitrine stellt sich zwischen Besucher und Vergangenheit. Wie auch, das ganze Anwesen mitsamt Hof, Schweinestall und Abtritt ist Vergangenheit. Kein Stellschild schiebt sich besserwisserisch vor den Betrachter und lenkt ihn ab vom Objekt der Begierde, keine Infotafel textet ihn zu. Das ist hohe Museumskunst.

Zwei Ehrenamtliche erklären kenntnisreich, unaufdringlich, lebendig und auf Nachfrage detailreich Leben, Wohnen und Arbeiten in Rödelsee früher. Aus eigenem und aus kollektivem Wissen des Ortes. Nicht angelesen, sondern anerlebt, aus der Seele.

Die Küche Foto: Gerd Walther

Die Küche
Foto: Gerd Walther

Wenn man in den Keller hinabgeht, ist da 100% alter Keller, ordentlich und zugleich verdreckt, aufgeräumt und reingestellt, feucht-muffig, wie Keller riechen, durch die keine Heizungsrohre laufen. Man kennt dieses Gefühl noch, als es im halbdunklen Keller der Großeltern immer auch etwas unheimlich war. Ein Gespenst? Ein Räuber? Ein Mörder gar?

Und auch der Dachboden ist so, nicht aufgeräumt, wie man sich Böden gerne vorstellt, sondern das Überflüssige mal kurz reingestellt, richtig aufgeräumt wird demnächst… Irgendwann kommt die nächste Schicht, eine archäologische Fundgrube der eigenen Geschichte. Das war früher nicht anders als heute, wüst, spannend, staubig.

Man hat’s wieder genauso hingekriegt. Denn es steckte viel Arbeit drin, dem heruntergekommenen Elfleinshäusla wieder ein Gesicht zu geben, ihm Leben einzuhauchen, echtes Leben, nicht hineingestelltes. Kurz vor dem Abriss hat man ein Schmuckstück der außergewöhnlichen Art geschaffen. Es waren Bürger von Rödelsee, die Erbarmen hatten, Erinnerung, Mut und Phantasie. Und die sich doch so weit zurücknehmen konnten, dass das Haus in alter Gestalt mit altem Geist fortleben kann.

Ein Raum wird ein wenig für Sonderausstellungen genutzt, an der Wand Bilder, Luftbilder vom Ort, ein Bilderhalter mit alten Geldscheinen, ein Wirtshausausleger. Man sollte es dabei belassen. Vor allem sollte man der Versuchung widerstehen, hier noch was hinzuzufügen, da noch etwas gefällig zu inszenieren. Das Elfleinshäusla ist sehr schön, so wie es ist.

Das Elfleinshäusla befand sich zeitweise in der Rubrik ‚Die schönsten 3‘.

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