Bersaglieri-Museum

Besuche am 25. und 27.3.2015, je ca. 45 min. Ich war jeweils der einzige Besucher. Das Bersaglieri-Museum erinnert an die Geschichte dieser italienischen Militäreinheit, die wohl auch Trägerin des Museums ist. Es wurde 1904 eingeweiht und 1932 an diesen Ort verlegt. Seitdem wurde wohl nicht viel verändert, was gut so ist. Schöne alte Holzvitrinen mit Vorhängeschlössern ohne Museumspädagogik. Das hat seinen Reiz.

Man geht in so ein Museum, weil man an Militärgeschichte interessiert ist oder weil es regnet. Das Museum befindet sich in der Porta Pia, einer Wehranlage nach Vorgaben von Michelangelo, links ein Teil, in der Mitte die alte Durchfahrt, rechts ein Teil. Pazifist sollte man nicht sein. Auch einen kritischen Umgang mit der eigenen Geschichte sollte man nicht erwarten. Aber die Direktheit, wie man diese Geschichte darstellt, ist durchaus interessant. Kritisch sollte man jede Ausstellung betrachten. Bei mir hat’s geregnet.

Foto: Gerd Walther

Foto: Gerd Walther

Gleich zu Beginn meines Besuchs hatte sich eine Aufsicht hinzugesellt, freundlich, aber eigentlich überflüssig, das Museum ist überschaubar und gesichert. Wahrscheinlich hielt er mich für einen Pazifisten.

Der linke Teil des Museums enthält drei Abteilungen zur Gründung der Bersaglieri 1836 und ihrem Wirken im Risorgimento, der Einigung Italiens. Promotor der Bersaglieri, deren äußeres Kennzeichen ein Federwuschel auf der scheps getragenen Kopfbedeckung und Fanfaren im Dauerlauf bei Paraden in Städten ist, war Alessandro La Marmora, der wohl deshalb General wurde, weil er mit seinem riesen Zinken im Gesicht sonst nie eine Frau bekommen hätte.

Immerhin haben die Bersaglieri dem Papsttum 1870 den weltlichen Todesstoß versetzt, indem sie gleich neben der Porta Pia die Stadtmauer durchbrachen und die päpstlichen Truppen besiegten. Rom wurde Hauptstadt, der Papst erklärte sich für unfehlbar. Nach einem Modell des Gefechts an der Porta Pia bildet der 3.Raum ein Sacrario, eine Gedenkstätte in Marmor für die gefallenen Bersaglieri.

Die Aufsicht gab mir freundlich einen Flyer in Englisch mit, dem ich später entnahm, dass das Museum noch einen 2. Teil hat. Da hatte die Aufsicht wohl keine Lust mehr herumzustehen. Ich ging wieder hin (der Eintritt ist frei), freundlich zeigte mir die Aufsicht diesen Teil. Diesmal durfte ich alleine schauen. Irgendwie gehörte ich schon dazu.

In diesen drei Räumen wird die Geschichte der Besaglieri im 20.Jh gezeigt. Mussolini kam nicht vor. Heroisch wurde aber nach wie vor an deutscher Seite bei El Alamein oder in Russland gekämpft. Eigentlich hat Italien diesen Krieg auch nicht verloren.

Veranstaltungsplakat 2014 mit Enrico Toti Foto: Gerd Walther

Veranstaltungsplakat 2014 mit Enrico Toti
Foto: Gerd Walther

Vielleicht deshalb viele Bilder heroischer Krieger, mit Orden bedeckter Priester, Maschinen- und andere Gewehre, Bajonette, Säbel mit und ohne Blutrinnen, Dolche, stilisiert wie Kerzenständer zu Weihehandlungen, Fahrräder. Irgendwann haben sich die Infantristen auf den Fahrradsattel gesetzt. Ein Highlight ist das Fahrrad mit einem Pedal und Krückstock des einbeinigen Bersaglieri Enrico Toti in der ‚Halle der Helden‘. Sein Bein hatte er als Arbeiter bei einem Explosionsunglück verloren. Trotzdem war er ganz wild auf Krieg, wollte unbedingt zu den Bersaglieri, die ihn letztendlich auch nahmen, und starb prompt 1916, gefallen heißt dies bei Soldaten. Oder der Granatsplitter aus dem Kopf von Piola Caselli, montiert auf eine Marmorplatte mit Text, ebenfalls gefallen 1916.

In seiner Direktheit ist das Bersaglieri-Museum sehr interessant. Es erschließt sich vom Tod her, vom heroischen Sterben auf Schlachtfeldern für Italien.

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