Mittelalterliches Kriminalmuseum – ‚Luther und die Hexen‘

Besuch am Samstag, 5.8.2017, ca 2 Std. in der Sonderausstellung ‚Mit Schwert oder festem Glauben – Luther und die Hexen‘. Die Sonderausstellung in der aufwändig restaurierten Johanniter-Scheune des Museums, also in einem separaten Gebäude, geht noch bis Ende 2018. Trägerin des ‚Mittelalterlichen Kriminalmuseums‘ (siehe meinen Beitrag hierzu) ist die unabhängige gemeinnützige Stiftung ‚Mittelalterliches Kriminalmuseum – Sammlung Zeugnisse historischen Rechtswesens‘.

Hans Schäufelein, Hexeneigenschaften, Holzschnitt, 1511
Abfotografiert: Gerd Walther

Das Hauptproblem der Ausstellung benennen die Ausstellungsmacher selbst auf der Texttafel 26 unter der Überschrift „Martin Luther und die Hexen… Betrachtet man das Leben und Gesamtwerk des Reformators, kommt der Hexenfrage darin jedoch nur eine nachrangige Rolle zu.“ Ein Titel ‚Hexen und Hexerei in und nach der Lutherzeit‘ wäre richtiger gewesen. Davon unabhängig ist eine recht ansehnliche, interessante und differenzierte Präsentation gelungen, die sich v.a. in ihrer Übersichtlichkeit und Klarheit deutlich positiv von der (wohl in Überarbeitung befindlichen ) Dauerausstellung des Kriminalmuseums abhebt.

Auf 50 Text- und Thementafeln wird ein guter Einblick in den Umgang mit Hexen im 16. und 17. Jh. gegeben. Jedoch wird die Ausstellung zusammen mit weiteren Beschriftungen gegen Ende etwas textlastig. So schlendern die Besucher, die häufig schon die Dauerausstellung angeschaut haben, ab der zweiten Ausstellungshälfte nach der Hörstation zu ‚Martin Luthers Tischreden‘ eher durch. Für das Thema, das eigentlich jetzt mit den Auseinandersetzungen zwischen Befürwortern und Gegnern der Hexenverfolgungen richtig spannend wird, zeigen sie vornehmlich sporadisch und wohl auch zufällig Interesse. Das ist schade, denn die Ausstellung hat hier viel zu bieten. Vielleicht liegt’s ja auch an der mitunter ins Eintönige driftenden Art der Präsentation, zu der sich neben den Texten auch noch viele Bücher gesellen. Um keinen Zweifel aufkommen zu lassen: Die Breite des Bestands an alten Büchern gerade zur Hexenthematik wird nicht nur den Bücherfreund hoch erfreuen. Man muss sich auch die Zeit nehmen, die meist hochinteressanten Grafiken oder sonstigen Ausgestaltungen der Buchtitel in Ruhe zu betrachten. Zudem ist die Ausstellung im Detail sorgfältig und anschaulich gemacht, farbige Markierungen erleichtern das Nachlesen betreffender wichtiger Textstellen, so dass sich der Besucher selbst durch die frühneuhochdeutsche Sprache mit ihrem kräftigen Duktus bewegen kann. Aber ein bisschen mehr Abwechslung auch rein oberflächlich-optisch wäre nicht schlecht.

Blick in die Ausstellung
Foto: Gerd Walther

Moderne Museumsmedien begleiten die Präsentation, interaktive Vertiefungen, Audiopräsentationen. Mitunter sind sie etwas pompös aufbereitet. Aber sie unterstreichen die sehr interessanten Grafiken der Bücher bzw. von Flugblättern, aus denen hervorgeht, wie die Zeitgenossen Luthers und mitunter auch er selbst Hexen gesehen haben. Hier hätte ich mir ab und zu eine Vergrößerung mit vertiefenden Erläuterungen gewünscht, wie sie bei dem für die Ausstellung zentralen Holzschnitt ‚Hexeneigenschaften‘ von Hans Schäufelein aus dem Buch ‚Neuer Laienspiegel‘ von 1511 (interaktiv) gemacht wurde

Insgesamt haben wir eine recht interessante und angenehm gestaltete Ausstellung vor uns, die dem Thema durch eine informativ-sachliche Ausrichtung gerecht wird. Das lässt auf eine entsprechende Umgestaltung der Dauerausstellung hoffen, die deutlicher unterscheidet zwischen Folter- und Strafpraktiken im Mittelalter sowie der frühen Neuzeit und daraus resultierenden, oft sexuell verquasten Phantasien von Bestrafungen im 19. Jh. Auch dabei sollten schriftliche Quellen mitsamt darin enthaltenen Darstellungen nicht das Übergewicht bekommen. Das tut ja hoffentlich den Touristenströmen sei es aus der Umgebung, sei es aus Fernost keinen Abbruch. Rothenburg kann ja auch dann schön, spannend und interessant sein, wenn man es mit seinen Ecken und Kanten ohne öde Verklärungen vergangener Zeiten präsentiert.

Advertisements