Mittelalterliches Kriminalmusem

Mittelalterliches Kriminalmuseum

Besuch am Sonntag, 7.3.2015, ca 2,5 Std. Das Museum war gut besucht. Trägerin des Mittelalterlichen Kriminalmuseums, das lange Zeit privat betrieben worden war, ist eine Stiftung des öffentlichen Rechts. Man lebt, zumindest zum guten Teil, von den Einnahmen. Das, nicht primär der behördliche Tropf, sollte das ökonomische Ziel für Museen sein.

Das Kriminalmuseum ist auf vier Ebenen in der ehemaligen Johanniterkomturei untergebracht. Nun hat das stark touristisierte Rothenburg eigene Bedingungen, was auch auf Besucheraufkommen und Besucherstruktur rückwirkt. Deshalb wohl auch der adjektivische Gebrauch von ‚mittelalterlich‘, was zwar grammatikalisch und auch inhaltlich schräg ist, aber die knappste Möglichkeit, den Begriff Mittelalter unterzubringen.

Foto: Gerd Walther

Foto: Gerd Walther

Schwerpunkt ist die Rechtsprechung aus den drei Jahrhunderten nach 1500. Das große Problem liegt in der Frage, was ist echt, was Nachbau, was entspringt Mittelalter- und Folterphantasien des 19.Jahrhunderts. Mit ausstellungsdidaktischer Beliebigkeit wird irgendwo alles angesprochen, auch das Mittelalter. Das ist ein Manko in einem Museum, das Deutschlands bedeutendstes Rechtskundemuseum nicht nur der Größe nach sein will. Man hat den Eindruck, dass nach dem Umzug des Museums in das jetzige Gebäude 1977 mal hie, mal da etwas hinzugefügt wurde, oft nicht, wo’s Sinn macht, sondern da, wo noch Platz war, so dass die ursprüngliche Struktur allmählich verwässert wurde.

Zudem hat man mehr schlecht als recht zur Zweisprachigkeit deutsch/englisch noch japanisch und später wohl chinesisch hinzugepfriemelt. Auch diesbezüglich wäre eine Neugestaltung wünschenswert. Gute Ansätze dazu gibt es im Keller. Am Beginn des Rundgangs, der durch Pfeilmarkierungen im Boden lobenswert deutlich ist, dominieren aussagekräftige, übersichtlich angeordnete Exponate und knappe dreisprachige Texte in gut lesbarer Größe.

Es ist nicht so, dass das Museum keine eindrucksvollen Exponate hätte, schließlich geht die private Sammlungs- und Ausstellungstätigkeit auf das späte 19.Jh. zurück. Aber oft bleiben die Exponate in ihrer lokalen Herkunft und Authentizität nebulös. Oft drängt der Guseleffekt eine wissenschaftlich fundierte Aufbereitung an den Rand, um den einheimischen wie fernöstlichen Besuchern einen Eindruck mittelalterlichen Lebens (und Sterbens) vorzugeben. Wie Rothenburg im Großen Mittelalterlichkeit zelebriert und vermarktet, so das Kriminalmuseum im Kleinen. So steht’s auch im aktuellen Flyer des Museums, so fast identisch im ca 15 Jahre alten Flyer.

Zwar Mittelalter, aber wem nutzt es? Foto: Gerd Walther

Zwar Mittelalter, aber wem nutzt es?
Foto: Gerd Walther

Dabei wird schon kurz angesprochen, was Sache ist. Etwa bei der Eisernen Jungfau, auf deren Entstehungsgeschichte aus dem 19. Jh. hingewiesen wird. Das gilt ähnlich bei den vielen Grafiken aus dem 19. Jh., die als Kriminalphantasie historische Dokumente zu ihrer Zeit sind, nicht des Mittelalters. Wo man sich profunde Texte wünscht, herrscht oft eine Zettelwirtschaft im Kleinstformat vor, ohne Chance gegen die vielen ’schröcklichen‘ Scharfrichterutensilien, Schwerter, Beile, Schandmasken, Keuschheitsgürtel, Halsgeigen, Pranger etc etc. Dazu alle möglichen Randbereiche, Urkunden, Dokumente, Siegel seit der Antike, Polizeiverodrdnungen, Waagen, Karikaturen, Sprichwörter. Irgendwann einmal hinzugefügt, in der Ausstellungsgestaltung aber dürftig.

Das Museum hat seit Mitte 2013 einen neuen Leiter, einen Juristen, der sich lt Lokalpresse „immer wieder mit Rechtsgeschichte befasst hat“ und v.a. betriebswirtschaftlich versiert sein soll. Mir schiene ein Historiker/Volkskundler, der als Museumsleiter auch solche Qualitäten haben sollte, sinnvoller. Einen Anwalt nimmt man, wenn man einen braucht.

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