Limeseum im Römerpark Ruffenhofen

Besuch am Sonntag, 14.10.2018, ca 3 Std. Das ‚Limeseum im Römerpark Ruffenhofen‘ liegt bei einem ehem. Römerkastell etwa auf halber Strecke zwischen Dinkelsbühl und Wassertrüdingen beim Hesselberg inmitten schöner Landschaft. Träger des zum UNESCO-Weltkulturerbe Limes gehörenden 2012 eröffneten Limeseums ist wohl der ‚Zweckverband Römerkastell Ruffenhofen‘.

Modell des Kastells mit der Zivilsiedlung
Foto: Gerd Walther

Die Anlage besteht aus dem Römerpark als offener Freifläche und dem Limeseum, einem Rundbau von 2012, zu dem man Eintritt bezahlen muss. Wie man mit dem Römerkastell zeitlich zurückgeht, so wirkt das Limeseum als futuristischer Bau wie ein Ufo, in die Landschaft gesetzt, fremd zunächst, erst allmählich sich harmonisch einfügend. Der Bau umfasst, immer leicht ansteigend, die Besucherebene der Ausstellung in einem nahezu geschlossenen Ring. Einzelne bis auf ein Kino offene Raumeinheiten strukturieren die Ausstellung. Die Kühle des Neubaus wird durch die äußere Glasfront gemildert, die immer einen Blick auf die umgebende Landschaft frei gibt. Einer Kulturlandschaft allerdings, die vor ca 2000 Jahren doch anders ausgesehen haben mag, worauf man allerdings nur am Rande eingeht. Interessant dagegen, wie man dem Publikum in der Ausstellung zugleich Methoden moderner Archäologie und ihre Präsentation im Museum nahe bringt.

Sehr plastisch lernt man im Limeseum römisches (und auch germanisches) Leben an der Peripherie des Weltreichs kennen. Innerhalb der Grenze eine hochstehende Kultur bis in die Gestaltung des militärischen wie zivilen Alltags hinein. Jenseits des Walls, der irgendwann durch Palisaden ersetzt wurde, die dann einer Steinmauer mit Wachtürmen wichen, die germanischen ‚Barbaren‘. Unsere Vorfahren, wenn man so will. Rom steht am Anfang der Betrachtung, es folgen informative Einblicke in das hauptsächlich militärisch bestimmte Leben im Kastell, zusätzlich personalisiert durch einen hier nachweisbaren Soldaten namens ‚December‘. Dazu nutzt man durchgehend moderne Formen der Präsentation, ohne dass diese mit dem eigentlichen Inhalt der Ausstellung in Konkurrenz um die Aufmerksamkeit der Besucher treten. Die Betrachtung mündet in ein großes interaktives Modell des Kastells mitsamt umgebender Zivilsiedlung, Thermen, Marktplatz und was sonst noch dazu gehörte. Nach einem Film zum Leben vor Ort steht die Zivilsiedlung im Mittelpunkt, zumal deren Bewohner zum Teil ausgemusterte Soldaten waren, die nach 25 Dienstjahren mit der Entlassung das römische Bürgerrecht erhielten. Sonderausstellungen (etwa zur Herstellung und Art der Bekleidung in der Zeit) runden den Besuch ab. Man blickt dann durch eine große Glasfront auf den Bereich des ehemaligen Kastells, in dem zwischen ca 100 n.(Chr.) und ca 260 n. meist eine Reitereinheit mit etwa 500 Soldaten stationiert war.

Blick vom Aussichtshügel auf den Nachbau (1:10), dahinter das mit Pflanzungen gekennzeichnete Kastell
Foto: Gerd Walther

Über den Römerpark, einer bis 2003 landwirtschaftlich genutzten Fläche, hat man von einem Aussichtshügel den besten Überblick. Unterhalb des Hügels wurde das Kastell im Maßstab 1:10 nachgebaut. Darüber geht der Blick in Richtung ehemaliges Kastell, dessen Ummauerungen und Gebäude unterschiedliche Bepflanzungen deutlich machen, einer Hecke etwa für die Außenmauer. Das vermittelt eine anschauliche Vorstellung der römischen Anlage, ohne in den Untergrund eingreifen (und ihn dadurch verändern) zu müssen. Eine Tafel veranschaulicht, wo am Horizont der Limes mit den Wachtürmen verlief.

Man betritt das Römerlager teils auf den alten, teils auf farblich anders gestalteten neuen Wegen. Die Wälle, Gräben und Gebäude erkennt man anhand der Bepflanzungen bzw. gemähter Rasenflächen dazwischen, die man begehen kann. Immer wieder geben Tafeln mit Bildern, Texten und Plänen knappe, schlüssige Auskünfte über den jeweiligen Standort wie die Funktionen und Nutzungen der Gebäude, die sich hier befanden. Das gestaltet den Besuch angenehm abwechslungsreich und sehr informativ, so dass man fast nebenbei beim Gang durch die schöne Landschaft einen sehr guten Einblick in das Leben am Limes vor fast 2000 Jahren erhält. Schade nur, dass man mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur sehr schlecht zum ‚Limeseum im Römerpark Ruffenhofen‘ kommt.

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