Freilandmuseum Bad Windsheim – Baugruppe Mainfranken-Frankenhöhe

Besuche am Montag, 2.9.2019 und am Samstag, 5.10.2019, insgesamt ca 6,5 Std, und auch früher schon öfters. Träger des 1979 eröffneten, seitdem wachsenden und großzügig angelegten ‚Fränkischen Freilandmuseums‘ ist der Bezirk Mittelfranken.

Blick auf die Schäferei
Foto: Gerd Walther

Die größte Baugruppe des Museums“ heißt es auf einer Hinweistafel „mit rund 45 Gebäuden bildet ein dichtes Dorf, in dem neben großen und kleinen Bauernhöfen, Häusern der dörflichen Oberschicht, Winzergehöften und Handwerkerhäusern auch frühere kommunale Einrichtungen wie Armen- und Hirtenhaus, Schafscheune, Brechhaus, Schule, Brauhaus, Dorfwirtshaus und Rat- bzw. Amtshaus aufgebaut sind – ja, selbst ein Schlösschen fehlt nicht. Zentrum des ‚Museumsdorfes‘ ist der Dorfplatz…“ Man muss hinzufügen, dass die Häuser häufig als Bauernhöfe nach altem Vorbild mit Wohn(stall)haus, einer Scheune, separatem Stall und/oder einer Werkstatt bzw. Schmiede einzelne Einheiten bilden. Und nicht zu vergessen die wunderschön vielfältigen Bauerngärten mit ihren Zäunen sowie Feld und Flur. Etwas abseits dieser Baugruppe zu ‚Mainfranken und Frankenhöhe‘ steht eine Ölmühle aus dem Spessart, an der man das ganze Elend der vorindustriellen Zeit gut nachvollziehen kann.

In aller Regel sprechen die Häuser für sich, nur versehen mit kurzen Einführungen mitsamt Gebäudeplan und knappen Erläuterungen zu den einzelnen Räumen. Sie geben Einblicke in dörfliche Unterschichten oberhalb des Gesindes, etwa wenn ein Webstuhl in der Stube steht oder der kleine Stall gerade einmal für ein paar Schafe, Ziegen oder eine Kuh Platz bot. Und sie zeigen das Leben der wenigen Vollbauern, die auch in ’normalen‘ Zeiten neben ihrer Landwirtschaft keine zusätzliche Arbeit zum Lebensunterhalt  ausführen mussten, von Krisenjahren durch Missernten oder Kriege gar nicht zu reden. Da ist beispielsweise die eindrucksvolle Hofanlage aus Herrnbrechtheim im fruchtbaren Uffenheimer Gau, die durch die Erinnerungen des letzten Besitzers mittels einer Audiostation noch eine zusätzliche Vertiefung zum Alltag wie zu besonderen Ereignissen erfährt.

Freilandmuseum
Foto: Gerd Walther

Breiten Raum nimmt das dörfliche Handwerk ein, das oft nicht nur im Winter ausgeübt wurde. Gleich zwei Schmieden geben Einblick in diese wichtige Tätigkeit, eine Büttnerei zur Fassherstellung ist vorhanden, eine Wagnerwerkstatt, die Herstellung von Holzschuhen und natürlich eine Dorfwirtschaft, in die man einkehren kann. Daneben noch zwei Brauereien, wobei ich das hinter dem Wirtshaus liegende private Kraisdorfer Brauhaus ursprünglicher und deshalb intensiver fand. Leider ist man jetzt von der angenehmen und sinnvollen Präsentation abgekommen, die Häuser weitgehend für sich selbst sprechen zu lassen, was diese mit ihrer wuchtigen Präsenz ohne weiteres können. Bei den Handwerken wird es recht textintensiv. Nicht nur, dass die 14 Schautafeln im Kommunbrauhaus eh‘ niemand liest (im Kraisdorfer Brauhaus erfüllen zwei Tafeln denselben Zweck), die 9 Tafeln zur Holzschuhfertigung, die 12 Tafeln in der Westheimer Schmiede oder die 25 Texteinheiten im hübschen Jagdschlösschen von Eyerlohe (die textintensive Sonderausstellung dort gar nicht gerechnet). Nicht, dass die Informationen uninteressant wären. Die vielen Tafeln verändern aber den Charakter der Räume und reduzieren diese auf eine Hintergrundillustration. Andere Formen der Informationsvermittlung wären sinnvoller, etwa als ausliegende Broschüren zur Mitnahme oder mittels interaktiver Infosysteme (wie in der Stadt-Kirche). Jetzt stehen die Räume mit ihren Maschinen, Werkzeugen und jeweiligen Erzeugnissen in Konkurrenz zur den vielen Infotafeln. Die Vorstellung, man müsse nur viel hinschreiben, dann werde auch viel gelesen, entspricht seitens der Besucher keiner Realität. Eher liest man gar nichts mehr, zumal wenn wie hier die Räume so reich an Anregungen sind.

Unabhängig davon gibt die Baugruppe West in ihrer Gesamtanlage, den Gebäuden und Tieren in ‚alter‘ Landschaft bis hin zum Weinbau einen ebenso intensiven wie anschaulichen und kurzweiligen Einblick in das dörfliche Leben Mainfrankens und der Frankenhöhe zwischen 1750 und 1950. Nicht nur wegen der Veränderung der Landschaft zu den verschiedenen Jahreszeiten lohnt sich ein wiederholter Besuch allemal. Es ist immer wieder anders schön und interessant.