Iphofen – Knauf-Museum

Besuche am Donnerstag, 9.9., Samstag, 9.10. und Samstag 30.10.2021 insgesamt ca 6,5 Std. in der Dauerausstellung. Träger des 1983 von den Brüdern Alfons und Karl Knauf gegründeten privaten Museums ist die Familie Knauf. Die Eigentümer der Knauf Gips KG sind (nicht nur) im Iphofener Raum von großer Bedeutung. 2010 wurde das Museum um einen Erweiterungsbau für Sonderausstellungen ergänzt.

Innenhof mit Neubau und der Replik eines irischen Kreuzes aus dem 10.Jh.,
Foto: Gerd Walther

Wer in einem Museum möglichst viele Originalexponate sehen möchte, wird am Knauf-Museum keine Freude haben. Es gibt hier (fast) nur Abgüsse, Repliken von Exponaten anderer Museen oder von Kunstwerken am originalen Standort, also ‚in situ‘. Die Vorlagen kommen allerdings aus der Upperclass der Museen: dem Louvre, dem British Museum in London, ägyptischen Museen in Berlin, München, Kairo und Luxor etc. etc. Von diesen Museen erhält man selbst mit einem dicken Geldbeutel keine Genehmigung zum Abguss. Man muss schon etwas zu bieten haben, was die brauchen. Folgt man dem interessanten Video am Anfang der Ausstellung, so hat die Firma Knauf/das Museum ein Abgussverfahren entwickelt, das zum Schutz von Kunstwerken sei es vor Umwelteinflüssen, sei es vor Vandalismus sehr gefragt ist. So kommt ins kleine Iphofen große Weltkultur aus der 1.Reihe. Zudem hat das Museum keine Probleme mit der inzwischen zu Recht stark thematisierten Konvenienz, der Herkunft von Exponaten, bzw. ihrer oft sehr fragwürdigen Beschaffung.

Noch etwas kommt hinzu, was das Knauf-Museum herausragen lässt: Man erklärt sehr viele Exponate, erschließt sie und ihr zeitliches bzw. gesellschaftliches Umfeld für die Besucher v.a. mit Hilfe eines Audioguides. Das ist heute bei vielen Museen leider zur Ausnahme geworden, sieht man einmal von knappen Hinweisen mit der Bezeichnung und dem Entstehungsdatum oder/und von ellenlangen Texten zum Umfeld ab, die kaum jemand liest. Dabei ist es ganz einfach. Man schnappt sich eine der vielen Sitzgelegenheiten, setzt sich vor das Exponat und lässt es sich erklären – und über das Exponat Zeit, Land und Leute. Deshalb sollte man sich auch Zeit nehmen, sich auf einzelne Bereiche beschränken. Dann nimmt man auch Wissen mit nach Hause. Natürlich kann man auf einmal durchgehen, was ja gerade bei Gruppen häufig der Fall ist. Warum soll man sich nicht zunächst einen Überblick verschaffen?

Blick in einen Raum mit Kunstwerken aus Mesopotamien,
Foto: Gerd Walther

Die Dauerausstellung thematisiert insbesondere die frühen nahöstlichen bzw. abendländischen Kulturen, also Mesopotamien, Kleinasien, Ägypten, Griechenland, Rom. Hier besitzt das Museum Exponate von allererster Güte, großer historischer Bedeutung und außergewöhnlicher Schönheit. Etwa die schwarze Gesetzesstele von Hammurabi I. von Babylon (ca 1700 v.(Chr.)) oder ein Tempelrelief der Königin Hatschepsut aus Ägypten (ca 1475 v.) oder den Tributzug des Xerxes von Persepolis (um 485-465 v.), der auf der ganzen Länge eines Gangs die verschiedenen tributpflichtigen Völker in ihren Eigenheiten vorstellt, um nur 3 Beispiele herauszugreifen. Hier werden diese fremden Exponate mit großer Sachkunde ohne überflüssigen Ballast erschlossen, geöffnet. Zudem bleibt man Herr über das eigene Betrachtungstempo, kann unterbrechen, wiederholen, wird nicht durch ein Medium getaktet. Ergänzung findet der Audioguide dabei durch interaktive Stationen, in denen einzelne Exponate noch einmal vertieft werden.

Hinzu kommen altamerikanische Kulturen in Mexiko und Peru, die Osterinseln und asiatische Kulturen in Kambodscha und Indien. Da franst die Ausstellung etwas aus und wird auch dünner als bei den europazentrischen Kulturen. Vielleicht liegt’s auch daran, dass uns diese Kulturen fremder sind, so dass die immer noch sehr interessanten Erläuterungen, jetzt mehrfach auch mittels gut gemachter Videos, doch nur einen sehr kleinen Einblick in diese sehr alten und tief verwurzelten Kulturen bieten können.

Insgesamt ist das Knauf-Museum sehr interessant und spannend gemacht, ein Museum, wie es eigentlich sein soll. Da auch der hübsche Weinort Iphofen zu einem wiederholten Besuch einlädt, sollte man sich die Erschließung des Museums aufteilen, weniger ist hier mehr.