Museum Schwarzes Ross Hilpoltstein

Besuch am Sonntag, 16.12.2018, ca 1,5 Std. Das ‚Museum Schwarzes Ross‘ ist im Rückgebäude der gleichnamigen (Brauerei-) Gaststätte unmittelbar an der Stadtmauer von Hilpoltstein untergebracht. Trägerin ist die Stadt Hilpoltstein mit Unterstützung des Museums- und Heimatvereins.

Ausgrabungen zum ‚Unteren Bräuhaus‘ im Keller
Foto: Gerd Walther

Das Museum im Hof der Gaststätte bietet neben einem Überblick zur Stadtgeschichte auf der Kassenebene und einer Abteilung zur Brauereigeschichte im Keller als Schwerpunkt die Entwicklung des Hausbaus auf den oberen Etagen. Begrüßt wird man von einem Modell der Stadt des bis ins 7./8.Jh. zurückgehenden Ortes, zu dem sich im 10.Jh. neben einer Ummauerung auch eine Burg gesellte. An der wichtigen Handelsstraße von Nürnberg nach Italien gelegen, expandierte der Ort. 1392 sind Stadtrechte erstmals urkundlich erwähnt. Es ist schade, dass man diesen interessanten und gut gemachten Bereich (sowie im geringeren Maß im Obergeschoss) verunziert, indem man umfangreiche Reste der Weihnachtsdeko hier abstellt. Es sollte hierfür in Hilpoltstein andernorts geeignetere Plätze geben.

Eine Etage tiefer wurden bei der Anlage des Museums die Reste des hier befindlichen ‚Unteren Bräuhauses‘ freigelegt, das bis ins 16./17.Jh. zurückreicht. Am authentischen Ort kann man die frühe Geschichte des Brauwesens in der Region mit Sud-, Malzhaus und Brunnen bis zum Brennen von Bierschnaps aus den Trebern nachvollziehen. Im Laufe der Zeit wurden hier je nach geschmacklicher Mode rote (untergärige) und weiße (obergärige) Biere gebraut. Werkzeuge sowie Gerätschaften zum Brauwesen und Reste einer alten Wasserleitung aus Holz ergänzen die Bodenfunde, die sich über ein begehbares Gitter gut erschließen lassen.

Im Zentrum des Museums steht die Ausstellung zur Geschichte des Bauwesens, wobei immer wieder die Brücke von Rauminstallationen, Werkzeugen und alten Abbildungen hinein in den hübschen Ort geschlagen wird, so dass sich Orts- und Baugeschichte eng verzahnen. Diesen Schwerpunkt ergänzen Auskragungen in andere Gegenden, Zeiten und (Bau-)Kulturen. So ist immer wieder bemerkenswert, wie viel Wissen und Können auch im Haus- und Straßenbau mit dem Ende des Römischen Reichs, das sich bis 25 km südlich von Hilpoltstein erstreckte, zeitweise verloren ging. Im 1.Obergeschoss dreht sich alles um ‚Felsen, Quader, Steingemäuer‘, also den Hausbau im Wandel von Holz-, Fachwerk- zu Steingebäuden. Zu den gut gemachten Installationen vom Arbeiten im Steinbruch bis hin zum Maurerhandwerk in seinen entstehenden Spezialisierungen werden die verschiedenen Berufe mit alten Grafiken vorgestellt. Hier wünscht man sich mitunter eine Übertragung der barocken Sinnsprüche in eine leichter lesbare Schrift. Zu den einladend großen Abbildungen kommen nicht allzu lange, profunde Texte über die Arbeiten und verwendeten Werkzeuge. Das ist sehr anschaulich gemacht. Durch das (hier durchaus positive) Fehlen moderner Museumsmedien und Videos gewinnt man einen eigenen Zeitrhythmus bei der Betrachtung der abwechslungsreichen Ausstellung. Gut integriert ist ein Stück der alten Stadtmauer mitsamt Wehrgang mit Exponaten zur Sozialstruktur des alten Hilpoltstein.

Holzbearbeitung bis ins 20. Jh.
Foto: Gerd Walther

Während im 1.Obergeschoss die Steinarbeiten bis hin zum (Straßen-) Pflasterer im Mittelpunkt stehen, folgen eine Etage darüber die Holzbearbeitung sowie die farbliche und anderweitige Ausschmückung der Häuser und Zimmer. Beginnend mit dem Fällen der Bäume (und den allmählich einsetzenden Wiederaufforstungen), zeigt sich eine zunehmende Differenzierung in einzelne Berufe (bzw. deren Aussterben infolge neuerer Techniken und Materialien). Wiederum erweist sich das Konzept mit gut gemachten Rauminstallationen, alten Darstellungen, aussagefähigen Texten sowie knapp erläuterten Werkzeugen als hilfreich. So entstand eine dichte, informative und abwechslungsreiche Ausstellung. Wer sich für den Hausbau (mit regionalem Schwerpunkt) in all‘ seiner Breite, Tiefe und Vielschichtigkeit im Laufe der Jahrhunderte interessiert, findet in Hilpoltstein ein sehr schönes und kurzweiliges Museum mit viel Information. (Und das Problem mit dem Verpackungsmüll ist wohl lösbar.)

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