Museum Wolfram von Eschenbach

Besuch am Freitag, 13.7.2018, ca. 1,5 Std. Das ‚Museum Wolfram von Eschenbach‘ zu Leben, Werk und Zeit des mittelalterlichen Dichters wurde 1995 mit der wissenschaftlichen Betreuung durch ein Team um den renommierten, 2015 verstorbenen Mediävisten Karl Bertau eröffnet. Trägerin des Museums im ‚Alten Rathaus‘ gleich neben dem Münster ist die Stadt Wolframs-Eschenbach, die 1917 nach dem Dichter umbenannt wurde. Den Audio-Guide habe ich nicht genutzt.

Biografie, Vorraum, Spiegelungen
Foto: Gerd Walther

Das Museum ist mit seinen durchgehend sehr sensibel inszenierten 10 Räumchen nicht sehr groß. Aber hier zeigt sich, wie profunde Sachkenntnis, wenn sie zudem künstlerisch-kreativ umgesetzt wird, erstaunlich tiefe Einblicke in das jeweilige Thema ermöglicht. Dabei kann es auch kurzweilig und spannend für die sein, die mit mittelalterlicher Dichtung zunächst einmal wenig anzufangen wissen. ‚Parzival‘ ist wohl die bekannteste Dichtung Wolframs, über dessen Leben bis auf vereinzelte Hinweise in seinem Werk wenig bekannt ist. So widmet sich nach einer kurzen Einführung ein Raum zunächst der Biographie des zwischen 1200 und 1220 nachweisbaren Dichters. In einem dunkel gehaltenen Raum wird die Silhouette des Ritters Wolfram aus der Darstellung in der Manessischen Liederhandschrift, die um 1300 entstand, eindrucksvoll zur Präsentation herangezogen.

‚Parzival‘, die Dichtung und ihr Thema, bildet mit drei Räumen einen Schwerpunkt des Museums. Parzival, König Artus, die Tafelrunde, der Gral, mittelalterliche Wirklichkeit und Mythen, das sind Themen, die heute noch – allerdings oft allzu verwässert – die Phantasie vieler Menschen beschäftigen. So spricht man im Museum sehr gekonnt auch Träume an, Phantasien der Besucher, die in diesem Epos und dieser Epoche gründen, bleibt nicht in der Vergangenheit verhaftet.

‚Titurel‘ ist ein weiteres Werk Wolframs, das wie alles andere auch nur in Bruchstücken erhalten ist. Hier gibt es allerdings eine wahrscheinlich authentische Melodieführung der ursprünglich gesungenen Strophen aus der Zeit um 1300. Denn der Vortrag erfolgte mündlich. Man hatte sogar (zu Unrecht) vermutet, dass Wolfram wie der Großteil seines Publikums weder Lesen noch Schreiben konnte. Ein – veranschaulichter – Riss geht durch diese nach Ordnung strebende Welt, die von Liebe und Tod gekennzeichnet ist.

Es ist frappierend, wie die Ausstellung die jeweiligen Dichtungen Wolframs in eigene Raumgestaltungen umsetzt. So auch die wenigen ‚Tagelieder‘, einem im Mittelalter häufig verwendeten Typus. Am Ende der Nacht müssen sich die heimlich Liebenden trennen. Der Morgen graut, ein Wächter ruft, die Vögel erwachen, die Liebesnacht endet. Der letzte Raum zu den Dichtungen Wolframs thematisiert an seinem Epos ´Willehalm‘ noch einmal die ganze Härte und Grausamkeit des Rittertums. Rot ist seine Ausleuchtung, ein Rot, das durch wandhohe dunkle Metallschilde mit den (etwas schwer zu lesenden) Texten durchbrochen wird. Wenn man so will, findet hier die Inszenierung von Wolframs Leben, Werk und Zeit ihren optischen Höhepunkt.

Raum Willehalm
Foto: Gerd Walther

Es folgt noch der als Gruft eindrucksvoll gestaltete Raum zur umfangreichen Rezeption von Wolframs Werk, bei dem die Inschrift „Hie ligt der streng Ritter Herr Wolfram von Eschenbach“ seiner (vermutlichen) Grabplatte als wiederkehrendes Motiv dient. Ein kleiner Raum, eine Art Bibliothek mit Übersetzungen und einer kleinen Auswahl der umfangreichen Literatur zu Wolfram von Eschenbach beendet die Präsentation.

Wenn eine Ausstellung wie hier älter ist, wünscht man sich oft eine Überarbeitung. Hier hofft man, dass das 28 Jahre junge, anschaulich gestaltete, informative und spannende ‚Museum Wolfram von Eschenbach‘ noch lange so erhalten bleibt. Hier waren Macher am Werk, die auf sehr hohem Niveau Wolframs Werk in das Museum eines kleinen, hübschen, alten Städtchens in Mittelfranken auch für ein breites Publikum ohne Substanzverlust umsetzten. Ein Besuch auch der nicht so touristisch überlaufenen Stadt ist sehr zu empfehlen.

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