Stadtmuseum Schwabach

Besuche am Samstag, 9.1. und Sonntag, 17.1.2016, je ca. 2,5 Std. Trägerin des großen Museums ist die Stadt Schwabach. Eigentlich wünscht man sich ein Stadtmuseum ins Stadtzentrum. In Schwabach befindet es sich seit 1994 in einem Gebäude der frei gewordenen US-Kaserne. 2009 wurde es umfangreich erweitert. So hat man zumindest viel Platz und keine Parkplatzprobleme. Zudem ist die Bezeichnung ‚Stadtmuseum‘ ungenau, denn zwei große Ausstellungsbereiche, die Eierausstellung und die Geschichte der Nürnberger Spielzeugfirma Fleischmann, haben nur am Rande mit Schwabach zu tun. Aber ich will nicht päpstlicher sein als der Papst, zumal genug Platz vorhanden ist.

Der erste Ausstellungsbereich ist in einer neuen Halle der ‚Metallerstadt Schwabach‘ gewidmet: Blattgold, Draht, Nadeln, Schrauben, Federn. Das ist im Grunde recht schön gemacht, anschaulich erklärt mit guten Exponaten, mit Stationen zum Mitmachen, Ausprobieren, genauen Hinschauen. Aber irgendwie bleibt es kalt, distanziert, kopflastig. Wer sich hier v.a. informieren will, kommt auf seine Kosten. Schön ist die in der sog. Goldbox nachgestellte Goldschläger-Werkstatt, die allerdings nicht immer zugänglich ist.

Carl Wenglein als Nadelfabrikant Foto: Gerd Walther

Carl Wenglein als Nadelfabrikant
Foto: Gerd Walther

Nach umfangreichen Räumlichkeiten für Sonderausstellungen schließt sich als weiterer Schwerpunkt die lt. Eigenwerbung größte Eiersammlung der Welt an. Da ist zunächst eine 1986 erworbene und inzwischen erweiterte völkerkundliche Eiersammlung. ‚Ach du dickes Ei‘, steht auch im Museum, man muss ja nicht jedes Ei betrachten. Wo sonst sollen solche Sammlungen gezeigt werden, wenn nicht in einem Museum? Stolz ist man auf ein teures Fabergé-Ei aus neuer Produktion, denn zwischen 1917 und 1991 pausierte das Fabergé-Huhn. Mitunter wünscht man sich aber einen Eierlikör. Um Ostern wird die Eiersammlung viele Besucher anlocken, wobei schlüpfende Kücken wohl die meiste Beachtung finden.

Eindeutig ein Highlight ist das nachgebaute Wenglein-Museum als ‚Museum im Museum‘, Keimzelle des Schwabacher Museums von 1932. Carl Wenglein, als Nadelfabikant v.a. mit seinen Grammophon-Nadeln ‚Herold‘ und ‚Norica‘ reich geworden, war einer dieser liebenswert-verrückten Sammler und Weltverbesserer. Mit dem Wegleinpark in der Hersbrucker Schweiz, seinen naturkundlichen Aktivitäten und dem Wenglein-Museum in Schwabach war er seiner Zeit weit voraus. Auch hier reiht sich Ei an Ei, Vogelnest an Vogelnest, jetzt aber in historisch dichter Atmosphäre.

Carl Wenglein als Vogelfreund Foto: Gerd Walther

Carl Wenglein als Vogelfreund
Foto: Gerd Walther

Im 2. Obergeschoss beginnt die Ausstellung zur Stadtgeschichte ab dem 20.Jh. Die Darstellung der älteren Schwabacher Geschichte ist noch in Arbeit. Auch ein Museum braucht Zeit, sich zu entwickeln. Die Ausstellung ist gut gemacht, manchmal etwas textlastig, aber es gelingt selten, allgemeine, lokale und Alltagsgeschichte so eng zu verzahnen wie hier. Mitunter wirkt die Ausstellung schon etwas angestaubt, aber man will so den Besuchern einen Einblick in das Wachstum des Museums geben. Ein Akt der Ehrlichkeit, der mit gut gefällt. Mit aussagekräftigen Exponaten, oft eingebettet in liebevoll gestalteten Raumensembles und Installationen, wird so die spannende Geschichte einer kleinen Stadt Frankens mit allen Höhen und Tiefen bis in die 1980er Jahre anschaulich erzählt.

In der obersten Etage wird auf 800 qm die Geschichte der Spielwarenfabrik Fleischmann seit dem späten 19.Jh. gezeigt. Zu schön, zu interessant, um mehr oder weniger erschöpft durchzuschlendern. Man sollte das Schwabacher (Stadt-)Museum mehrfach besuchen, die thematisch deutlich getrennten Ausstellungsbereiche Stadt- und Wirtschaftsgeschichte, Eierausstellung mit dem Wenglein-Museum, Fleischmann mit den Schiffen, Eisenbahnen, Dampfmaschinen, funktionierenden Modellen und vielen Spielgelegenheiten sowie der Bereich für Sonderausstellungen laden dazu ein. Schwabach hat viel Geld in die Hand genommen zur Pflege seiner Geschichte und darüber hinaus. Gut angelegtes Geld.

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