Museum Alte Mine

Besuch am Sonntag, 17.2.2019, ca. 1,5 Std. Das 2006 eröffnete ‚Museum Alte Mine‘ befindet sich in einem Teil des Mühlengebäudes von 1848 an der Rednitz in Stein bei Nürnberg. Im Zentrum dieses bis in die Gegenwart in Nürnberg (und früher auch in Fürth) bedeutenden Industriezweigs steht die Bleistift- und Bleiminenfertigung der Firma A.W. Faber-Castell im 19. und 20.Jh. Trägerin des Firmenmuseums ist die genannte Firma.

Blick in die Minenproduktion
Foto: Gerd Walther

Es ist natürlich von Vorteil, wenn ein Museum am hierfür authentischen Ort der alten Arbeitsstätte eingerichtet wird, zumal in den anderen Teilen des Gebäudes noch produziert wird. Auf zwei Etagen am Fluss wird die Bleistiftproduktion, die nichts mit Blei, sondern mit Graphit zu tun hat, augenscheinlich und auch für Laien gut nachvollziehbar dargestellt. Dabei wird immer über die reine Produktion hinaus auch auf die hier Tätigen geschaut. Man betritt, an einer Türe steht es mit Kreide, das „Reich der Schwarzen und der Rußkäfer“. Natürlich ist, was man an diesem alten Fabrikort sieht, museal in Szene gesetzt. Aber es ist sehr gut und senibel gemacht, so dass man durchwegs den Eindruck hat, die Arbeiter seien nur mal kurz zur Pause raus. Schwarzgrau ist es in den verwinkelten Räumen und Sälen längs der Rednitz. Überall verlaufen an den Wänden und der Decke Leitungen und Rohre. Durch die Fenster geht der Blick auf die in Betrieb befindliche Turbine, den Fluss, hinüber zum Fabrikherrenschloss und zu Teilen der neuen Fabrik (die ebenfalls zu besichtigen sind). Dazu pfeift und zischt es mitunter, dass man meint, das ganze Gebäude stürze bald ein.

Auf moderne Museumsmedien verzichtet man weitgehend. Zu Beginn wird auf Monitoren die derzeitige Bleistiftfabrikation dargestellt, daneben auf Tafeln, wie’s früher war. Und am Ende des Rundgangs geben wieder Monitore neben Blickfenstern in die modernen Fabrikanlagen Vertiefungen. Auch mit den Texten geht man eher zurückhaltend um, ein paar längere nur, nicht allzu lange. Dazu werden die einzelnen Maschinen in ihrer Funktion knapp erläutert. Das reicht, um die Herstellung von Bleistiften gut zu veranschaulichen. Man muss sich nur, wo jetzt einzelne Kneter, Schleudern, Walzen, Stampfer, Pressen, Brennöfen etc. stehen, ganze Fabrikhallen vorstellen. Einmal heißt es: „Hier im Museum wird der Prozess der Minenherstellung exemplarisch mit einzelnen Maschinen und Geräten dargestellt, was nicht der historischen Dimension entspricht: Über fünf Stockwerke waren die Säle verteilt, in denen die Bleimühlen und Pressen Tag und Nacht in Betrieb waren.“ Sicher war es hier nicht nur sehr schmutzig und heiß, sondern auch sehr laut. Obwohl in einem Firmenmuseum naturgemäß die Chefs an herausgehobener Stelle stehen, kommen immer auch die hier Beschäftigten mit Fotos und kurzen prägnanten Sätzen zu Wort.

Blick ins Labor
Foto: Gerd Walther

Nach einem historischen Teil zur Geschichte der Bleistifte, zur Familie Faber(-Castell), zum Ort Stein mit seiner Mühle und der Brücke folgt ein Blick auf die Energieversorgung, die Wasserkraft in ihrer nutzbringenden und mitunter auch zerstörerischen Form. Dampfmaschinen ergänzten sie bald. Die Hauptrohstoffe Graphit und Ton werden angeliefert, gemahlen, gemischt, aufbereitet, gesiebt und gespresst. Eine Etage höher zeigt man ebenfalls anhand der verschiedenen Maschinen die Herstellung der vielen Arten von Bleistiftminen bis zur Einlagerung zum Trocknen. Ein Einblick in den Vertrieb der bekannten Firma mit Werbematerialien bis ins 19.Jh. schließt sich an. Schon sehr früh hat man aus einem schnöden Bleistift (Entschuldigung) ein Markenprodukt gemacht. Dann geht es in die Büros der Verwaltung und in die Labors. Auch hier wechseln sich immer die hier vor Ort benutzten originalen Utensilien, Schränke und Tische bis zur Schreibmaschine, zu Schaufel und Besen mit historischen Fotos und knappen Texten ab. Mit einem Blick in Wasch- und Sozialräume mit aushängenden Fabrikordnungen und Infos zu frühen sozialen Einrichtungen bis hin zum Wohnungsbau verlässt man das Museum.

Das ist alles sehr schön, intensiv und sensibel am historischen Ort eingebracht, indem die Geschichte eines Schreibgeräts mit der Firmengeschichte anschaulich und eng verzahnt wird. Bedauerlich eigentlich nur, dass das ‚Museum Alte Mine‘ nur einmal im Monat für einen allgemeinen Besuch ohne Führung geöffnet hat.

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