Stadtmuseum Sulzbach-Rosenberg

Besuch am Samstag, 10.2.2018, ca 3 Std. Das Museum geht auf Anfänge 1907 zurück. Nach wechselnden Standorten und Einlagerungen wurde es 1986 in der Neustadt 13-15 in zwei Gebäuden mit spätmittelalterlichem Kern untergebracht. Seit 1996 firmiert es neu gestaltet als Stadtmuseum. Trägerin ist die Stadt Sulzbach-Rosenberg.

Schon in der Bronzezeit um 1400 v. (Chr.) war die Oberpfalz durch Erzabbau und -verarbeitung bedeutend. Bereits im 8. Jh. n. gab es eine Burg in Sulzbach, das später an der wichtigen Goldenen Straße von Prag nach Nürnberg lag. Da ist einerseits das hübsche mittelalterliche und früh-neuzeitliche Sulzbach, zeitweise unter Kaiser Karl IV.  Hauptstadt des Territoriums ‚Neuböhmen‘, später 1614 bis 1791 Residenz des Fürstentums Pfalz-Sulzbach, einer Wittelsbacher Linie. Und da ist der seit ca 1850 durch die Maxhütte geprägte Fabrikort Rosenberg nebenan. Der Zusammenschluss beider erfolgte 1934. Dieser Spannungsbogen von Residenz-, Ackerbürger- und Fabrikstadt verspricht eine interessante Gemengelage. Dank der langen Tradition des Sammelns verfügt das Museum über eine große Anzahl sehr interessanter Exponate, die Leben und Arbeiten in diesem Raum über mehrere Jahrhunderte anschaulich dokumentieren. Dazu geben die verwinkelten Häuser immer wieder überraschende Eckchen frei, sind aber für gehbehinderte Besucher mitunter schwer zugänglich.

Installation einer Wagnerei
Foto: Gerd Walther

Gleich zu Beginn liegt eine schöne (leicht angestaubte) Schmiede. Es folgt die seit dem 17. Jh. wichtige Buchherstellung jüdischer und nichtjüdischer Druckereien mitsamt Gerätschaften einer Buchbinderei und Druckwerken. Anschließend geht ein Raum auf unterschiedliche Arten von Keramik ein, ohne dass der Besucher durch eine Vielzahl von Töpfen, Krügen und Tellern ‚erschlagen‘ wird. Wagner, Gerber und Brauer stehen für Handwerke der alltäglichen Bedarfsdeckung. Die Organisation der Handwerke folgt. Eingeflochten ist die Stadtgeschichte mit dem Schwerpunkt des Strafwesens, von Post und Feuerwehr bis hin zur Garnison. Ab 1897 lag hier das 21.Inf.-Reg., dessen Hauptsitz in Fürth war. Hinzu kommen die Entwicklung der Waffentechnik sowie die Darstellung einzelner Gefechte in der Nähe. Interessant dann die Verteilung verschiedener Gewerbe und Berufe auf einzelne Gebäude und Stadtviertel.

Von da geht es zur Herrschaft über den Ort, das Schloss und darüber hinaus. Dessen Geschichte und der Ausbau der Stadt werden an einem interaktiven Modell gezeigt. Auch religionsgeschichtlich ist der Ort sehr interessant. 1542 wurde die Reformation eingeführt, 1652 erfolgte die Rekatholisierung, bis dann 1682 das ‚Simultaneum‘ die Gleichberechtigung beider Konfessionen bis hinein in die gemeinsam genutzten Kirchen brachte. Die religiöse Toleranz von Herzog Christian August, der selbst zum Katholizismus konvertierte, brachte auch die Wiederansiedlung von Juden ab 1666. Nach den wohl im Umbau befindlichen Abteilungen zur Küche und zum Frauenleben gelangt man in die Löwenapotheke mit ihrem Bestand aus den 1930ern. Der Vergleich von bürgerlichem und proletarischem Wohnen auch mittels einzelner Biografien gibt mit aussagekräftigen Exponaten einen intensiven, anschaulichen und lebendigen Einblick in die Ortsgeschichte.

Nachbau eines Stollens
Foto: Gerd Walther

Eher bekannt ist Sulzbach-Rosenberg heute für den Erzabbau sowie der Verarbeitung, zunächst seit 1341 in verschiedenen Zusammenschlüssen der Hammerherren, zuletzt in der von 1853 bis 2002 bestehenden Maxhütte in Rosenberg. Interessante Modelle werden durch Schaubilder ergänzt, hinzu kommen Exponate wie eine Grubenlokomotive von 1958 mit Mannschaftswagen, Schutzkleidung, Werkzeuge, die Kaue der Bergleute zum Umziehen und Waschen. Schön und fulminant klingt dann das Museum im Nachbau eines Erzstollens mit dazugehörigem Gerät aus. Das ist zumeist sehr gut gemacht

Leider ist die Ausstellung recht textlastig. Das mag für Besuche einzelner Abteilungen angehen. Aber das Gros schaut sich wohl das ganze Museum an – und irgendwann liest man bei zu viel Text gar nichts mehr. Man geht doch zum Schauen und nicht zum Lesen ins Museum. Hier könnte die sehenswerte Ausstellung durch einen knapp (!) gehaltenen Audio-Guide straff strukturiert werden. Außerdem könnte man viele der nicht uninteressanten Texte mit Bildern, Plänen, etc. als Broschüren ‚auslagern‘. Nichtsdestotrotz betritt man eine sehr interessante, gut gestaltete Ausstellung mit einer überraschenden Fülle an Exponaten von hoher Qualität.

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