Fränkische Schweiz Museum

Besuch am Mittwoch, 24.8.2016, ca 2 Std. 1985 wurde das ‚Fränkische Schweiz Museum‘ in Tüchersfeld mitten in der Fränkischen Schweiz eröffnet. Träger ist der ‚Zweckverband Fränkische Schweiz Museum‘, der beim Landratsamt Bayreuth angesiedelt ist.

Das Museum ist in 4 Gebäuden aus dem 18. Jh. untergebracht. Ursprünglich stand bei den beiden markanten Dolomitfelsen die Untere Burg, die im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde. Danach wurden hier Juden angesiedelt. Nach einem Großbrand 1758 entstand der jetzige Gebäudekomplex, der sog. ‚Judenhof‘. Etwa 100 Jahre später verließen die letzten Juden den Ort infolge einer allgemeinen Abwanderungsbewegung. Der Gebäudekomplex ist eingebettet in eine sehr reizvolle Landschaft, die Fränkische Schweiz vom Feinsten. Das Museum bemüht sich um einen breit angelegten Zugang, beleuchtet die Entstehung der heutigen Landschaft, ihre Besiedlung, den Broterwerb ihrer Bewohner, deren Kultur, Feste, Religiosität. Not und Elend haben hier im 19. Jh. ca. 10% der Bevölkerung zur Auswanderung bewogen. Aus einem Armenhaus wurde nach der Entdeckung der ‚Fränkischen Schweiz‘ in der Romantik ein Sehnsuchtsgebiet (für Touristen).

Modell der Burg Neideck bei Streitberg Foto: Gerd Walther

Modell der Burg Neideck bei Streitberg
Foto: Gerd Walther

Judenhof: 18 jüdische Familien bewohnten die 43 Räume. Erhalten geblieben ist die kleine Synagoge dieser Landjuden mit interessanten Exponaten aus ihrem Jahres- und Lebensablauf, etwa einem Trauhimmel, der Chuppa, unter dem bei Hochzeiten das Brautpaar stand. Leider gibt es wenig zum jüdischen Alltag, zum Lebenserhalt, zum Verhältnis zur übrigen Bevölkerung. Sind Juden ins Wirtshaus gegangen? Ein jüdisches?

Der Museumsrundgang beginnt mit einem Überblick über die erdgeschichtliche Entstehung der Gegend mitsamt den heutigen Felsen und Höhlen vor 200–140 Mio. Jahren. Dazu die Herausbildung der Pflanzen- und Tierwelt bis hin zu Krokodilen, Mammuts, Höhlenbären. Irgendwann suchten auch frühe Menschen Unterschlupf in den Höhlen. Später besiedelten Kelten z.B. das Walberla. Während der Völkerwanderung um 500 n.(Chr.) war der Reisberg bei Scheßlitz bewohnt und befestigt. Das ist informativ und anschaulich gemacht. Längere, aber nicht allzulange Texte geben jeweils einen Überblick zum dargestellten Thema. Auch die Vitrinen selbst sind durch Installationen gestaltet. Interaktive Stationen und Videos vertiefen die Themenbereiche. Ab und an wünscht man sich genauere Informationen zu einzelnen Exponaten. So schauen manche Gegenstände etwa zum Mittelalter aus wie neu gemacht. Das sollte man ggfls verdeutlichen.

Landwirtschaftliches Gerät mit Hakenpflug Foto: Gerd Walther

Landwirtschaftliches Gerät mit Hakenpflug
Foto: Gerd Walther

Den Schwerpunkt bildet die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg, v.a. des 19. und frühen 20. Jhs. Viele Handwerke werden in ihrer regionalen Ausprägung mit Gerätschaften und Produkten gut erläutert dargestellt. Es folgen verschiedene Wohnräume: Küche, Schlaf-, Wohn- und Rockenstube. Wer Einrichtungspracht erwartet, ist hier fehl am Platz. Das Land gab meist wenig her, Wassermangel herrschte oberhalb der Flusstäler. Die Realteilung des Bodens führte zu Flächen, deren Bewirtschaftung ökonomisch sinnlos war. Reine Handwerker gab’s ebenso selten wie Vollbauern. Bäuerliches Arbeitsgerät wird gezeigt, etwa ein Hakenpflug, der den Boden nur aufgeritzt, nicht wie später gewendet hat. Auch hier spielen die religiös geprägten Feste mitsamt der jeweils dazugehörigen Kleidung eine Rolle: Arbeits-, Alltags-, Sonntags-, Festtagstracht. Das klingt nach mehr als es tatsächlich war. Richtig Reiche gab’s wenige, meist im Umkreis von Städten an der Rändern der Fränkischen Schweiz. Irgendwann ab etwa 1800 entdeckten Romantiker die Landschaft. Aus einem kargen, fast vergessenen Landstrich wurde die ‚Fränkische Schweiz‘. Dichter kamen, Maler, von denen Bilder im Museum ausgestellt sind. Manchmal wünscht man sich eine Vergrößerung gerade der älteren Grafiken. Mit der Eisenbahn kamen ab 1891 mit frühen Touristen neue Lebensperspektiven.

Das alles ist sehr kurzweilig, abwechslungsreich und informativ dargestellt. Zur schönen Landschaft gesellt sich ein interessantes Museum.