Museo Casa Goldoni

Besuch am Sonntag, 13.9.2015, ca 1 Std. Das Museo Casa Goldoni zählt zu den städtischen Museen Venedigs. 1707 wurde der Komödiendichter Carlo Goldoni in dem schönen spätgotischen Palazzo, der wie das Museum nicht sehr groß ist, geboren. Der neue Eingang führt an Kassa und kleinem Laden vorbei in die alte Eingangshalle mit ihren beiden Zugängen, einer zu einem Kanal, einer zu einer Gasse. Ein Brunnen, eine Freitreppe, die auch weitgehend unter freien Himmel liegt, führt ins Obergeschoss mit der eigentlichen Ausstellung. Für ein Theaterstück könnte man die Anlage 1:1 übernehmen.

Eingangshalle mit Bildern einer Sonderausstellung Foto: Gerd Walther

Eingangshalle mit Bildern einer Sonderausstellung
Foto: Gerd Walther

Carlo Goldoni, auch Jurist, v.a. aber Theaterautor wuchs hier auf. Er erneuerte die italienische Komödie, die Commedia dell’Arte mit ihren festen Typen: Das einfache Volk vertraten eine lebenslustige Magd und ein bauernschlauer Diener. Die Oberschicht erschien senil-verkalkt im geizigen Kaufmann und hohlen Dottore, dazu oft auch im prahlerischen, feigen Offizier. Alle trugen Masken. Nur die beiden Liebenden nicht. Eine Textvorgabe gab’s kaum, es wurde improvisiert, nur ein Happy End musste sein. Da ging’s oft heftig und derb zur Sache. Jetzt sollten die Stücke psychologischen Tiefgang mit einem festen Text bekommen, Humor sollte an die Stelle derber Späße treten.

Schade ist, dass die spärliche Beschriftung nur einsprachig italienisch ist, Textblätter auf englisch und französisch liegen im Obergeschoss. Es ist angenehm, in dieser hohen Halle zu stehen, die teilweise zum Himmel offen ist. Einige Tafeln geben knapp Auskunft über den Dichter und einige Stücke. Ein Stadtmodell zeigt, wo er gelebt hat, welche Theater es damals gab. Dazu das Portrait von Allesandro Longhi mit der Aufschrift (übersetzt) „…weil mein Leben wie eine Komödie ist“. Man kann die Atmosphäre dieses kleinen spätgotischen Palastes förmlich einatmen.

Die Treppe hinauf kommt man in die Wohnräume. Dort befinden sich drei Räume mit dem Kern der Ausstellung, sowie einer für eine Videovorführung. Auch diese Räume sind nicht überfrachtet. Ein paar Rokoko-Möbel, Tische, Stühle, Chaiselongue, Beistelltische, Schränke, die Wände passend tapeziert. Wenig, es wird mehr skizziert, angedeutet, es bleibt alles leicht, in der Schwebe. Oft hat man den Einruck, Goldoni sei mit seinen Kumpanen nur mal kurz raus, sie haben ihr Kartenspiel unterbrochen, um in der nächsten Kneipe schnell einen zu trinken. Man holt die Leichtigkeit von Komödie in das Museum herein, trifft Goldoni und die Zeit damit wohl viel besser als mit ellenlangen Erläuterungen.

Puppenspiel-Raum Foto: Gerd Walther

Puppenspiel-Raum
Foto: Gerd Walther

Ein Raum hat das Puppenspiel zum Schwerpunkt. Mit einer Originalbühne und Puppen aus dem 18. Jh bildet es eine Art Zentrum. Dazu zwei Spieltische, Kartenspiel um Geld war wohl der wichtigste Zeitvertreib. Dazu an den Wänden ca 30 – 40 alte Puppenspiel-Puppen. Da kann man in aller Ruhe in Kostümen, Charakteren, Masken schwelgen, erscheint das ganze Personal der italienischen Komödie des 18. Jhs. Im Grunde würden da lange Erläuterungen eher stören, alles, was nach 5 Minuten wieder aus dem Kopf ist, wenn es denn jemals hineingelangte. Hier wird eine Grundstimmung von Stadt und Zeit und Dichter aufgebaut. Wer mehr will, kann’s ja im Internet zu Hause vertiefen.

Der Dichter von „Der Diener zweier Herren“ und etwa 150 weiterer Stücke und vieler Libretti verließ Venedig 1762 nicht ganz freiwillig im Kollegenstreit ums richtige Theater. Er ging nach Paris, konnte sich letztlich auch dort nicht durchsetzen, wurde Lehrer bei Königs und trotzdem immer ärmer. Nach der Französischen Revolution waren seine Mittel aufgezehrt. Als er 1793 arm, alt und blind in Paris starb, wurde er wohl im Massengrab beerdigt. Venedig benannte 1875 das Theater Vendramin nach Goldoni und errichtet ihm 1883 in der Nähe der Rialto ein hübsches Denkmal auf einem quirligen Platz.

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