Museo Correr 1 – Königspalast und klassizistische Räume

Besuche des Museo Correr am Freitag, 12.5.2017 und Samstag. 13.5.2017, insgesamt ca 5 Std., und auch früher schon mehrfach. Das Museo Correr gilt als zentrales Stadtmuseum Venedigs unter den vielen Museen mit Teilaspekten zur Geschichte Venedigs. Es geht auf Sammlungen von Theodore Correr zurück, die er 1830 der Stadt zur öffentlichen Präsentation vermachte. Es wurde 1835 in seinem Palast eröffnet, weitere Sammlungen führten 1898 zu einem Umzug in den ‚Fondago dei Turchi‘ (heute Naturhistorisches Museum). 1922 wurde es in die Procuratie Nuove am Piazza San Marco verlegt. Es unterteilt sich heute in den Königspalast und die klassizistischen Räume, den Bereich zur Kultur und Geschichte Venedigs, die Gemäldesammlung und das Archäologische Museum mitsamt der Biblioteca Nazionale Marciana. Es ist noch unübersichtlicher, als es klingt. Man kann die knapp 80 Säle und Räume auch auf einmal besuchen, aber dann weiß man wohl am Ende nicht mehr, was man am Anfang gesehen hat. Deshalb habe ich die Beschreibung in drei Einheiten (ohne Gemäldesammlung) gegliedert. Trägerin des Museo Correr ist die Stadt Venedig.

Raum für das Mittagessen an Wochentagen
Foto: Gerd Walther

Ins Museum gelangt man über eine Treppe, die Napoleon für seine hier geplante Residenz bauen ließ. Im Museum kommt man zunächst in den wunderschönen, 1822 bis 1838 angelegten, klassizistischen Ballsaal, in dem bisweilen Statuen von Antonio Canova ausgestellt sind, einem Hauptvertreter des Klassizismus. Es schließt sich der Palazzo Reale (Königspalast) mit zunächst drei Räumen für offizielle Zwecke an, den Raum für das Mittagessen an Wochentagen, den Thronraum und das Audienzzimmer. Von 1815 – 1866 gab es das (habsburgisch regierte) Königreich Lombardo-Venetien, der Kaiser von Österreich war in Personalunion hier König. Eingerichtet wurden die Räume für den ab 1835 regierenden Ferdinand I., der 1838 kurz vorbeischaute. Berühmt sind die Räume aber durch die 1856/57 und 1861/62 insgesamt 10 Monate dauernden Aufenthalte der Kaiserin Sissi, Gemahlin von Ferdinands Nachfolger Franz-Joseph I. Wenn auch wenige Original-Möbel vorhanden sind, so geht die Raumgestaltung inkl. der Tapeten und Leuchter aus Murano auf authentische Vorbilder zurück. Die sensible Neugestaltung von 2012 wird in den einzelnen Räumen mit profunden, nicht allzu langen Texten auch in deutsch erläutert.

Es folgen sechs Privatgemächer Sissis: Badezimmer (ohne Bad), Studierzimmer, Boudoir (ein Toiletteraum), Schlafzimmer (mit einem Bett von Napoleons Stief- und Adoptivsohn Eugène de Beauharnais, kurzzeitig Vizekönig von Italien und Fürst von Venedig). Vom anschließenden Vorzimmer kann man in die Privaträume Franz-Josefs schauen, der seine Gattin mehrfach besuchte. Auch der ‚Ovale Raum‘ für’s Mittagessen ist wie alle Räume erlesen und sensibel im klassizistischen Stil eingerichtet.

Klassizistischer Raum mit ‚Dädalus und Ikarus‘ von Canova
Foto: Gerd Walther

Es schließen sich – jetzt zum Markusplatz gelegen, nicht zur Lagune bzw. den Königlichen Gärten – eindrucksvolle, erst 2015 nach einer Restaurierung wieder eröffnete fünf Räume mit klassizistischer Wand- und Deckengestaltung und Werken des Bildhauers Antonio Canova (1757 – 1822) an. Die Beschriftungen zu den einzelnen Räumen und Kunstwerken sind zwar immer noch ebenso informativ wie knapp, aber nur noch auf italienisch und englisch. Ein erster Raum nach dem Palazzo Reale beherbergt die Figurengruppe ‚Dädalus und Ikarus‘. Die Räume rechts davon (zum weiteren Museum hin) enthalten zunächst die Figuren von ‚Orpheus‘ und ‚Eurydike‘ sowie an den Wänden Basreliefs, also flache, erhabene Arbeiten. Ein kleiner Raum zur Arbeitsweise Canovas mit Zeichnungen und Modellen folgt. Die Räume nach links (zum Ausgang hin) beherbergen einen geflügelten ‚Amor‘, eine Statue von ‚Paris‘, einen schönen Schrank aus der Werkstatt Canovas sowie Basreliefs. Noch ein Raum weiter steht eine Venus-Statue. Leider befindet sich Canovas schöne Gruppe ‚Amor und Psyche‘ nicht mehr im Museum. Insgesamt geben die neu gestalteten Bereiche des Museo Correr einen sehr guten Einblick in die Formensprache des Klassizismus und in das Leben sowie den Wohnkomfort an der Spitze der Gesellschaft.

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