Museo di Torcello

Besuch am Dienstag, 11.9.2018, ca 2 Std., davon 1 Std. im Museum, und eine in den Kirchen Santa Fosca und Santa Maria Assunta. Dort auch früher schon mehrfach. Das ‚Museo Provinciale di Torcello‘ liegt am zentralen Platz von Torcello in zwei Gebäuden: dem aus dem 11./12.Jh stammenden ‚Palast der Archive‘ mit der archäologischen Sammlung und dem ‚Palast des Rates‘ aus dem 14.Jh. mit der Mittelaltersammlung. Das Museum geht auf Anfänge um 1870 zurück, wurde seitdem mehrfach reorganisiert und klingt nach mehr, als es ist.

Plan von Torcello an der Schiffsanlege, diese mittig rechts
Foto: Gerd Walther

Torcello besucht man gewöhnlich wegen den beiden Kirchen Santa Maria Assunta (7.Jh. bzw. 1008), u.a. mit wunderschönen Mosaiken, die bis ins 7.Jh zurückreichen, und der Kirche Santa Fosca, einem Rundbau aus dem 11.Jh. gleich daneben. Die beiden Kirchen sind einen Besuch Torcellos allemal wert. Vom Vaporetto-Anleger (über Burano) führt der Weg vorbei an mehreren Lokalen und der ‚Teufelsbrücke‘ aus dem 15.Jh. Nach etwa 500m erreicht man die Piazza Torcello, an der alles konzentriert ist. Eigentlich ist es eher ein grasbewachsener Campo. Um die 20 Einwohner hat Torcello heute, im frühen Mittelalter lebten ca 20.000 im damaligen Hauptort Inselvenetiens. Man zählte etwa 20 Kirchen. Hierher flüchteten im 5./6.Jh. Bewohner aus Altino und anderen Orten des Festlands vor den Hunnen und germanischen ‚Barbaren‘, bevor sich wegen der in den umliegenden Sümpfen grassierenden Malaria und häufigen Überschwemmungen der Schwerpunkt der Besiedlung ab dem 10.Jh. nach Murano und Rialto/Venedig verlagerte.

Das nicht sehr große Museum ist in zwei Gebäuden in drei Räumen untergebracht, eine weitere Etage ist evtl im Ausbau, was wünschenswert wäre. Zunächst betritt man im ‚Palast des Rates‘ den Bereich zum Mittelalter und der frühen Neuzeit. Darunter befinden sich ausgesprochen sehenswerte Exponate, etwa 13 Reliefplatten aus dem 13.Jh., die zur ‚Pala d’Argento‘ der Kathedrale nebenan gehörten. Leider sind die Reliefplatten etwas niedrig angebracht. Auch bei den abgenommenen Mosaiken ist es interessant, die Kunstwerke einmal aus unmittelbarer Nähe betrachten zu können. Im Obergeschoss ist der Zyklus von Gemälden zur Leidensgeschichte der Hl. Caterina aus der Werkstatt Veroneses im späten 16.Jh. sehenswert. Münzen, Urkunden, Tonscherben, der schöne Gürtel eines kirchlichen Würdenträgers wohl aus dem späten 18.Jh. runden diesen Bereich ab.

Mit dem Rücken zum ‚Palast des Rates‘ von links der ‚Palast der Archive‘, Santa Maria Assunta mit dem Campanile, Santa Fosca.
Foto: Gerd Walther

Im ‚Palast des Archivs‘ konzentriert sich die Ausstellung um oft sehr kleine Fundstücke aus der Antike, ägyptische Figürchen von Metallspiegeln, hübsche Gemmen, Putti und anderes von griechischer und etruskischer Herkunft bis hin zu Funden aus römischen Grabmälern. An wichtigen Römerstraßen gelegen, war man an den antiken Warenverkehr angeschlossen. Leider ist die Beschriftung (auch auf englisch) durchwegs sehr minimalistisch. Ein Gesamttext mit einer schematisierten Karte gibt einen Überblick über neun inzwischen verschwundene mittelalterliche Kirchen und Klöster, schlüsselt aber die Geschichte der Insel kaum auf. Statt anhand der Fundstücke den Aufstieg Torcellos, seine Hochphase im 8.-10.Jh. und den anschließenden Niedergang zu dokumentieren – und damit auch die Exponate selbst stärker hervorzuheben – liegen sie in großer Anzahl mit knappen Angaben zu Zeit und Ort isoliert auf mehreren Ebenen in Glasvitrinen. Das ist verschenktes museales Kapital. Schade, sicher hätte Torcellos Geschichte viel zu bieten.

Vielleicht wird der historische Kontext in einer Videoinstallation gezeigt, aber die braucht sehr (zu) lange, um sich aufzubauen. Ein paar übersichtliche Karten zum jeweiligen Siedlungsbestand Torcellos und der Lagune, dazu jeweils kurze Texte zu Land und Leuten und deren Leben, Lieben und Leiden, dazu etwas umfangreichere Erläuterungen zu einzelnen Exponaten würden helfen, der Präsentation die sinnfällige Struktur zu geben, die sie verdient hätte und die Venedig vor Venedig anschaulich machen würde. Wieso man nicht fotografieren darf, habe ich nicht begriffen.

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