Peggy Guggenheim Collection und Ca‘ Pesaro

Beide Häuser zeigen Kunst des 20. Jhs. Besuch der Sammlung Peggy Guggenheim am Donnerstag, 15.9.2016, ca. 1,5 Std., und im Mai 2014. 1949 erwarb die Amerikanerin Peggy Guggenheim den Palazzo Venier dei Leoni am Canal Grande. Eine Bauruine, wenn man so will, denn über das Erdgeschoss hinaus ist der Palazzo nicht fertig geworden. Sie erwarb das Gebäude, um darin mit ihrer Sammlung zeitgenössischer Kunst zu wohnen. Sukzessive wurde ab 1951 das Haus zunächst in den Sommermonaten für Ausstellungen geöffnet.Trägerin der Peggy Guggenheim Collection mitsamt Haus ist seit 1976 die Salomon R. Guggenheim Foundation, die auch in New York und Bilbao Museen betreibt. Seit 1980, einem Jahr nach ihrem Tod, ist das Museum durchgängig geöffnet.

Foto: Gerd Walther

Foto: Gerd Walther

Wenn man die Sammlung besucht, muss man sich vor Augen halten, dass es sich um eine Wohnung handelt, 5 Zimmer mit Gang, die durch nachträglich eingezogene Wände auf 9 Zimmer umgebaut wurde. Hinzu kommt ein Seitentrakt, in dem seit 2004/12 die ‚Schulhof Collection‘ ebenfalls mit klassisch zeitgenössischer Kunst untergebracht ist. Hinzu kommen eine kleine Freifläche zum Canal Grande und eine größere häuserseitig sowie seit einigen Jahren ein Bereich für Sonderausstellungen.

Der Schwerpunkt ihrer Sammlung liegt in der 1. Hälfte des letzten Jahrhunderts, der Begriff zeitgenössische Kunst hat insofern eine stark historische Komponente, zumindest was die Dauerausstellung anbelangt. Aber hier sind nun fast alle bekannten Künstler der Zeit mit hochrangigen Werken, Gemälden und Skulpturen, vertreten. Zu vielen Künstlern hatte Peggy Guggenheim eine enge Beziehung, mit Max Ernst war sie 5 Jahre verheiratet. Um den 2.Weltkrieg spielte sie mit ihren Galerien in London, später New York eine zentrale Rolle in der Vermittlung moderner Kunst zwischen den USA und Europa.

Das Problem liegt nun darin, dass hochwertige Kunst sehr bekannter Künstler in dem Museum mit dem großen Guggenheim-Namen auf wenig Raum trifft. Wenn man den Anspruch hat, sich in Ruhe mit einzelnen ausgestellten Werken auseinanderzusetzen, ist man im Peggy Guggenheim Museum fehl am Platze. Und ich hatte auch den Eindruck, dass es manchem Besucher weniger um die Kunstwerke ging als darum, in einem Guggenheim-Museum gewesen zu sein, was sich vortrefflich per Selfie mitteilen lässt: vor Max Ernst, vor Picasso, vor Duchamp, vor Giacometti, vor Pollock, vor Magritte, vor…

Foto: Gerd Walther

Foto: Gerd Walther

Hervorzuheben ist der gut gemachte Museumsführer, in dem an Hand einzelner ausgestellter Werke die Entwicklung der bildenden Kunst in der ersten Hälfte des 20. Jhs knapp, aber fundiert erläutert wird. Vermutlich bzw. hoffentlich bewegt sich auch der Audio-Guide des Museums, den ich nicht benutzte, auf diesem Niveau.

Will man die Kunst des 20. Jhs tatsächlich betrachten, geht man besser in den barocken Palazzo Ca‘ Pesaro. Dort entstand seit 1902 fast parallel zu den Biennalen (seit 1895) u.a. zur Unterbringung der Ankäufe von dort Venedigs ‚Museum für moderne Kunst‘. (Besuche am 11.9.2016, ca 1 Std., und im Sept. 2014, ca 3 Std.) Beide Ausstellungen sind fast gleich bzgl. der Zeitspanne der ausgestellten Werke. Vielleicht zeigt das Ca‘ Pesaro etwas mehr italienische und europäische, das Guggenheim mehr amerikanische Künstler. Darüber hinaus geht das Ca‘ Pesaro etwas näher an die Gegenwart heran. Auch hier sind hervorragende Werke zu sehen. Begrüßt wird man von der Gruppe ‚Die Bürger von Calais‘ von Auguste Rodin (erworben 1901). Der Bogen reicht bis Andy Warhol, Robert Rauschenberg und darüber hinaus. Doch hier sind die Kunstwerke in großen, thematisch strukturierten Sälen großzügig gehängt bzw. aufgestellt, der Andrang der Besucher ist geringer. Wenn’s also um die Kunst des frühen und mittleren 20. Jhs geht und nicht um den Namen des Museums, ist man im Ca‘ Pesaro besser aufgehoben. Man kann sich ja zum Einlesen den Museumsführer der Peggy Guggenheim Collection kaufen, den es auch auf Deutsch gibt.

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