San Lazzaro dei Armeni – Venedig

Besuche der Insel mit Museum am Montag,17.9.2018 und am Samstag, 8.6.2019, je ca. 1,5 Std, davon je ca 1 Std. Führung durch das Museum. Man erreicht die Insel mit dem Vaporetto 20 von der Station San Marco/Zaccaria, Dock B, aus. Man muss das Schiff um 15:10 nehmen, denn nur so erreicht man als Tourist die Klosterinsel zur täglichen Führung um 15:30. Wer möchte kann ein früheres Schiff nehmen, um die vorgelagerte Insel San Servolo zu besuchen. Zurück fährt das Vaporetto um 17:00, was den Aufenthalt auf San Lazzaro begrenzt. Bis auf den hübschen Vorplatz mit Schiffsanlege und dem öffentlichen Klosterbereich bleibt die Insel den Besuchern verschlossen.

Blick in den Kreuzgang
Foto: Gerd Walther

Schon lange bevor 1717 die damals noch viel kleinere Insel armenischen Mönchen um Mechitar von Sebasteia geschenkt wurde, diente sie u.a. als Lazarett für Leprakranke und war von Mönchen bewohnt. Der Orden der Mechitaristen – ein Denkmal Mechitars steht im Vorplatz – hatte seit Anbeginn eine stark wissenschaftlich-philologische Ausrichtung, war personell nie umfangreich und gehört der armenisch-katholischen Glaubensrichtung an. Die überwiegende Mehrheit der Armenier, soweit sie gläubig sind, orientiert sich am armenisch-apostolischen Ritus. 1810 bewahrte die wissenschaftliche Orientierung des Ordens ihn vor der Säkularisierung durch Napoleon.

Das Innere des Klosters ist nur im Rahmen einer Führung – in italienisch, englisch oder armenisch – möglich. Inhaltlich teilt sich die Führung in das Kloster und die Bibliothek (fotografieren erlaubt) sowie das Museum (fotografieren nicht erlaubt). Zunächst erhält man im schönen Kreuzgang eine Einführung. Zudem hängen hier viele Infotafeln (auf italienisch), die aber doch über die Fotos und Grafiken einen guten Einblick in die Geschichte der Insel und seiner Bewohner ermöglichen. Zum Klosterbereich gehören die Kirche mit katholischem Ursprung, die dem armenischen Ritus angepasst wurde, und das Refektorium, also der Speisesaal der Mönche mitsamt einer Kanzel, von der aus beim Essen vorgelesen wird. Angenehm ist, dass zu den instruktiven, aber knappen Darlegungen immer auch noch etwas Zeit bleibt, sich eigenständig umzusehen.

Herzstück des Klosters ist die Bibliothek, eine der größten zur armenischen Sprache. Von 1811 bis 1998 gehörte auch eine Druckerei dazu, deren alte Linotype-Setzmaschinen von Mergenthaler sowie andere zum Druck benötigte Gerätschaften man am Schluss besichtigen kann, wenn noch Zeit bleibt. Natürlich ist es im Rahmen der Führung kaum ansatzweise möglich, einen Eindruck der vielen Bücher und über 4000 Handschriften zu vermitteln. Aber es sind immer wieder schöne Exemplare der häufig reich bebilderten Schriften ausgestellt. Berühmte Persönlichkeiten wie Lord Byron oder der Orientalist und Sinologe Carl Friedrich Neumann (1793 – 1870), der zeitweise in Fürth zur Schule ging, lernten hier armenisch.

Schiffsanlege auf San Lazzaro, im Hintergrund der Lido
Foto: Gerd Walther

Danach gelangt man in den als Museum bezeichneten Bereich. Er hat zwar Schwerpunkte zur Geschichte Armeniens und zum armenisch-katholischen Glauben, besteht aber v.a. aus Schenkungen von Armeniern aus aller Welt. Das reicht von einer altägyptischen Mumie über Exponate aus der griechischen und römischen Antike bis zu Artefakten aus dem 19. und 20.Jh. und hat seinen eigenen Reiz. Wer jedoch eine in sich geschlossene Ausstellung zur Geschichte Armeniens erwartet, wird eher enttäuscht sein. Das macht auch nicht das Besondere des Besuchs von San Lazzaro aus. Auch wenn die von den Mönchen bewohnten Trakte wie der Großteil der Insel verschlossen bleiben, betritt man nach der Hektik an der Anlege von San Marco/Zaccaria ein Refugium der Abgeschiedenheit, eine andere Welt, die die ganze Bandbreite Venedigs in dieser Hinsicht umfasst. Und es ist dieses Gesamtpaket aus Insel und Kloster, Museum und Bibliothek, Ruhe und Entschleunigung, Fahrt mit dem Vaporetto und Führung, die einen Besuch dieser hübschen Insel so angenehm werden lässt.

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