Sigmund Freud Museum

Besuch am Mittwoch, 3.8.2016, ca. 2 Std. Das Wiener ‚Sigmund Freud Museum‘ ist in der Berggasse 19 in der Wohnung untergebracht, in der der Begründer der Psychoanalyse zwischen 1891 und 1938 lebte und praktizierte. Trägerin des Museums, das 1971 eröffnet wurde, ist die ‚Sigmund Freud Privatstiftung‘.

Berühmter Name und begrenztes Raumangebot, das sind die beiden Eckpfeiler, zwischen denen sich das Museum bewegt. Der Museumskern ist in der früheren Praxis Freuds untergebracht: Vor-, Warte-, Behandlungs- und Arbeitszimmer. Dazu noch ein Raum, in dem Videos gezeigt werden, die Kasse und ein Shop. In der ehemaligen Wohnung Freuds auf derselben Etage befinden sich eine – nicht allgemein zugängliche – Bibliothek und drei wohl umgebaute Räume für Sonderausstellungen.

Blick in das Arbeits- und das Behandlungszimmer Freuds Foto: Gerd Walther

Blick in das Arbeits- und das Behandlungszimmer Freuds
Foto: Gerd Walther

Sigmund Freud, der als Jude und Pyschoanalytiker aus Wien mit seiner Familie vor den Nazis fliehen musste, konnte seinen Besitz nach London mitnehmen. Er befindet sich jetzt großteils dort ebenfalls in einem Freud-Museum in dem Haus, in dem er noch ein Jahr lebte. 1971 schenkte seine Tochter Anna Freud Möbel aus dem ehemaligen Wartezimmer sowie einige andere Besitztümer des Vaters u.a. aus seiner Sammlung von Antiquitäten dem Wiener Museum zur Eröffnung.

Man musste sich also behelfen und hat v.a. im Behandlungs- und Arbeitszimmer die Wände umlaufend mit Fotos, Exponaten, Dokumenten bestückt. Unten befinden sich mittelformatige Fotos vom früheren Aussehen der Räume, darüber etwa in Brusthöhe eine umlaufende ca. 50 cm hohe Vitrine mit Fotos, Büchern, Accessoires aus dem Besitz Freuds, darunter Pinsel, Kleiderbürsten, andere Alltagsgegenstände. Oben einzelne Fotos und Dokumente aus seinen Leben, mitunter versehen mit einer kurzen Erläuterung. Ab und an steht ein Exponat wie der Überseekoffer Freuds mitten im Raum. Hinzu kommen viele Besucher. Fast alle informieren sich mittels eines Audioguides. Eine Kopfsache. Warum man Freud, der von seinen 83 Lebensjahren immerhin 37 Jahre in diesen Räumen verbrachte, nicht mehr Raum gönnt, beispielsweise unter Hinzuziehung der früheren Wohnung, in der jetzt Sonderausstellungen gezeigt werden, ist mir nicht nachvollziehbar. Denn die vorhandenen Exponate hätten wie sein Besitzer einen großzügigeren Umgang verdient, Wenn man denn schon die meisten früheren Möbel nicht hat, könnte man doch zumindest die Raumfotos wandgroß zeigen, so dass sich der Besucher in sein Arbeits- und Lebensumfeld hineinsehen, Person und Zeit erkunden kann. Davon ausgehend ließen sich ansprechend die Exponate integrieren und präsentieren.

Bereich der Sonderausstellung Foto: Gerd Walther

Bereich der Sonderausstellung
Foto: Gerd Walther

Der sich anbietende Bereich wird für Sonderausstellungen genutzt, derzeit eine über die Rolle von Frauen bei der Entstehung und Entwicklung der Psychoanalyse und der Kinderpsychoanalyse: Anna Freud, Helene Deutsch, Lou Andreas-Salomé, Emma Eckstein, Marie Bonaparte und Sabina Spielrein. Aber es ist keine Ausstellung, es ist eine Broschüre, die wir vor uns an den Wänden haben. Von Textlastigkeit will ich bei 95% Text gar nicht reden. Fast verschämt verstecken sich hie und da ein paar Exponate, Fotos, Bücher, Videos. Da hat es sich die Crew des Sigmund Freud Museums bei der Umsetzung des Themas zu einer Ausstellung doch leicht gemacht.

Platz wäre im ganzen Haus genug, verfügt man doch seit 2002 im Erdgeschoss über einen ‚Schauraum für zeitgenössische Kunst‘. (Der angesprochene Bereich war nicht einsehbar.) Um es ganz deutlich zu sagen: Nichts gegen zeitgenössische Kunst, aber solange die musealen Hausaufgaben nicht gemacht sind, sollte man die Finger davon lassen und lieber Platz für Sonderausstellungen schaffen und diese (wie das gesamte Museum) auch ansprechend gestalten. Das Versprechen, das der berühmte Name Sigmund Freud gibt, wird vom Museum leider nicht gehalten.

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