Residenz

Besuch am Mittwoch, 18.3.2015, Dauer ca. 2 Std., davon 45 min. Führung. Die Residenz war am Nachmittag gut besucht, viele Schulklassen. Trägerin der Residenz ist die Bayerische Schlösserverwaltung.

Das Angebot obligatorischer Führungen macht man weniger, um ein Publikumsinteresse zu befriedigen, sondern um eine möglichst große Zahl an Besuchern möglichst reibungslos durch ein Museum zu führen. Der große Nachteil liegt für den Besucher darin, dass er an die zeitliche Taktung der Führung gebunden ist, ein Verweilen geht meist nicht.

Bei durchschnittlich 350000 Besuchern im Jahr ist das aus Betreibersicht durchaus nachvollziehbar. Das sind 1000 Besucher am Tag, bei ca 8 Std. Öffnung 125 pro Stunde. Immer, jeden Tag zwischen 2000 und 2010 (Wikipedia).

Foto: Gerd Walther

Foto: Gerd Walther

In Würzburg hat man sich für eine Mischform entschieden. Die Hauptsehenswürdigkeiten: Treppenhaus, Weißer Saal, Kaisersaal, Spiegelkabinett in den südlichen Kaiserzimmern werden in einer etwa 45-minütigen Führung gezeigt. Den Rest, und das ist nicht wenig und nicht uninteressant, kann man ohne Führung besuchen. Das ist angenehm so.

Schon 1981 wurde die Würzburger Residenz als „das einheitlichste und außergewöhnlichste aller Barockschlösser“ Unesco-Weltkulturerbe. Also zu einer Zeit, als diese Auszeichnung noch was galt, in der nicht jede Metzgerinnung ihr Würstchen, jeder Unterbürgermeister ein paar alte Steine aus vordergründiger Publicity zum Weltkulturerbe ernannt sehen wollte, ohne Rücksicht, dass dadurch diese Auszeichnung entwertet wird.

Der Museumsführer meiner Gruppe hat seine Sache ganz gut gemacht. Es war die übliche Mischung aus stabilen Grundlagen und vorgeblichen Geheimtipps. Wenn das ein Führer beherrscht und auch noch Fragen profund beantworten kann, ohne sein Wissen überheblich zu zelebrieren, geht das. Zudem bringt man’s auf die Reihe, 5 Gruppen gleichzeitig das Treppenhaus von Tiepolo zu zeigen, ohne dass man sich akustisch allzu sehr in die Quere kommt. Dahinter ging’s weiter im Raumtakt, zum genauen Hinsehen etwa im Spiegelkabinett oder bei den Tapisserien im Venezianischen Zimmer bleibt da wenig Zeit. Das ist zwar schade, aber man bekommt immerhin einen Raumeindruck, den man sich mit Literatur oder im Internet in Ruhe vertiefen kann.

Umso angenehmer dann der andere Teil der Residenz mit den nördlichen Kaiserzimmern, der zur individuellen Besichtigung offen ist. Die meisten Besuchergruppen sind dann weg. Auch die Struktur der höfischen Gesellschaft wird bei den Kaiserzimmern deutlich: Antichambre, Vorzimmer, Paradezimmer, Schlafzimmer, wo’s vielen besonders prickelt.

Machtausübung durchs Hintertürchen und eine allgegenwärtige Dienerschaft Foto: Gerd Walther

Machtausübung durchs Hintertürchen und eine allgegenwärtige Dienerschaft
Foto: Gerd Walther

Zu den überaus sehenswerten Räumen gesellen sich museale Aufbereitungen, etwa das Karussell oder diverse Teile aus zerstörten Raumpartien. Dazu auch ein Einblick in die Rekonstruktionen nach der Zerstörung durch den Bombenangriff am 16. März 1945. Das ist gut gemacht und gibt einen intensiven Blick auf die Schönheit der Residenz frei wie in die Fülle und die Qualität der Restaurierungsarbeiten.

Man kann an der Würzburger Residenz auch mitbekommen, wie effizient die Schließung einer solchen Einrichtung funktionieren kann. Die Hofkirche war deshalb nicht mehr zu besichtigen. Aber der Schlosspark mit den Brunnen und Figurenprogrammen hinauf in die alte Bastion hatte noch geöffnet, ein fester Bestandteil dieser barocken Schlossanlage und allein schon einen Besuch wert.

2 Gedanken zu “Residenz

  1. Übertrag aus Mail an Privatadresse:

    Sehr geehrter Herr Walther,

    haben Sie vielen Dank für die Information.

    Schön, dass es Ihnen in der Würzburger Residenz gefallen hat! Bestimmt kennen Sie auch das Museum im Kulturspeicher. Dort wird ab kommenden Sonntag die Sammlung Ruppert für Konkrete Kunst nach 1945 in einer neuen Präsentation gezeigt: http://www.kulturspeicher.de.
    Vielleicht ist das für Sie eine Anregung zu einem erneuten Besuch in Würzburg?

    Mit freundlichen Grüßen

    (Name bekannt)
    5.5.2015

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  2. Übertrag einer Mail an meine Privatadresse
    Sehr geehrter Herr Walter,

    vielen Dank für den Link zu Ihrem Blog.
    Sowohl als Pressesprecherin der Schlösserverwaltung als auch als Kuratorin (gemeinsam mit unserem zuständigen Referenten) der noch relativ neuen Dauerausstellung „So wohnte der Großherzog“ (Karussell, Zerstörung…) habe ich mich über Ihren Post sehr gefreut.
    Gerne begrüßen wir Sie auch in unseren anderen Häusern. Geben Sie Bescheid, wenn Sie mal ein Presseticket benötigen – oder selbstverständlich auch weitere Infos.
    Vielleicht kennen Sie bereits unseren, aktuell noch auf die Residenz München beschränkten Blog: http://www.residenz-muenchen-blog.de/
    Mit freundlichen Grüßen
    Cordula Mauß
    Dr. des. Cordula Mauß
    Pressesprecherin
    Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen
    Schloss Nymphenburg, Eingang 16
    80638 München
    Tel. : 089-17908-180
    Fax : 089-17908-190
    presse@bsv.bayern.de
    Besuchen Sie unsere Homepage: http://www.schloesser.bayern.de

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