Frauenmuseum Fürth

Besuch am Sonntag, 14.8.2016, ca. 1 Std. Das ‚Museum Frauenkultur Regional – International‘ wurde 2006 in den früheren Räumen des Rundfunkmuseums im Marstall des Schlosses Burgfarrnbach eröffnet. Es zeigt jeweils im Sommerhalbjahr eine wechselnde Ausstellung. Träger des Museums ist der Verein ‚Frauen in der Einen Welt – Zentrum für interkulturelle Frauenalltagsforschung und internationalen Austausch‘. Bis zum 31.10.2016 wird die Ausstellung ‚ausgekocht‘ gezeigt, die „die Leistungen der Frauen in den Mittelpunkt“ stellt. Ein Frauenmuseum eben.

Installation Gemeinsam kochen - gemeinsam essen Foto: Gerd Walther

Installation gemeinsam kochen – gemeinsam essen
Foto: Gerd Walther

Die Ausstellung, die durch ein umfangreiches Begleitprogramm ergänzt wird, gibt interkulturelle, historische und aktuelle Einblicke in das sehr umfängliche Thema. Aspekte der modernen Nahrungsmittelindustrie werden angesprochen, der fragwürdige Umgang mit Tieren, der zunehmende Einsatz von Zucker und Ersatzstoffen sowie die strukturelle Benachteiligung im (Lebensmittel-)Handel zwischen reichen und armen Ländern bis hin zu daraus resultierenden Flüchtlingsbewegungen. Am Beispiel der Kartoffel werden Herkunft und allmähliche Verbreitung eines zentralen Lebensmittels von den Ursprüngen bis in die Gegenwart aufgezeigt. Dies wird verbunden mit dem Lebensbereich Küche, der trotz einzelner Wandlungen immer noch primär Frauen zuzuordnen ist. Dazu sind Küchengeräte zu sehen, das Werkzeug, wenn man so will, mitsamt verbundener Emotionen. Eine Sterneköchin aus Nürnberg wird vorgestellt mit ihrem zwischen „Mamas Küche“ (ist das Hausmannskost?) und Spitzengastronomie angesiedelten Konzept. Neben Lebensmitteln und der Küche wird das Essen selbst und der jeweilige Ort des Essens beleuchtet: Kochen und Essen daheim, unterwegs, auf der Straße, bei uns und in anderen Kulturen, unterschiedliche Essgewohnheiten von Mann und Frau, Essen alleine und in ganz verschiedenen Gemeinschaften, was man/frau als Anregung mitnehmen kann. Dabei wird immer wieder auf die jeweiligen Auswirkungen auf das Leben der Frauen verwiesen.

Es ist eine abwechslungsreiche Ausstellung entstanden, die leicht und ohne erhobenen Zeigefinger durch einen wichtigen Teil unseres Lebens führt. Skizzenhaft zwar angesichts des umfangreichen Themas, aber fast nie oberflächlich, dabei abwechslungsreich mit interessanten und fundierten Texten und Bildern sowie vielen Installationen. Die lassen die Ausstellung nicht zu einer reinen Kopfsache werden. Manchmal ist die Präsentation etwas textlastig, aber das Museum ist nicht groß, so dass das nicht weiter ins Gewicht fällt.

Zwischen Hexenküche und Sterneköchin Foto: Gerd Walther

Zwischen Hexenküche und Sterneköchin
Foto: Gerd Walther

Die Konzentration auf eine weibliche Sicht der Dinge birgt die Gefahr der Einseitigkeit in sich. Davor ist die Ausstellung nicht immer gefeit. Natürlich waren Frauen auch in der Kenntnis von Wildgemüsen, Kräutern, Heilpflanzen bewandert. Schnell kommt man/frau über ein vorgeblich ‚exklusives Frauenwissen‘ (z.B. viele Klostergärten kamen ganz ohne Frauen aus) zu ‚weisen Frauen‘, Heilerinnen (bei Männern hießen die je nach Blickwinkel und Zeit Quacksalber). Diese erlitten dann prompt „im Mittelalter als Hexen geschmäht … oft einen qualvollen Tod“. Aber ca. 25% der wegen Hexerei Hingerichteten waren Männer. Im Bamberg nutzt der Bischof die Hexenverfolgung zur Ausrottung einer um Macht konkurrierenden städtischen Oberschicht. Warum kann man/frau es nicht einfach beim hervorragenden Wissen belassen, ohne dieses ideologisch mit dem Mäntelchen der ‚weisen Frau‘ aufzuhexen? Zudem ist der Hexenwahn eine Erscheinung der Neuzeit nach 1500, gerade auch bedingt durch das Ende mittelalterlicher Strukturen. Reformation und Gegenreformation bilden eine Grundlage, viele tiefe Krisen, Seuchen und Kriege kommen hinzu. Auch der Rückgriff auf die Antike oder was man in der Renaissance dafür hielt, z.B. mit dem Römischen Recht, das 1532 bei Schadenszauber ein (meist unter der Folter erpresstes) Geständnis zum wichtigsten Beweis erhob. Und nicht zuletzt die verstärkte Zuordnung ärztlicher Ausbildung an die Universitäten. Letztlich ist ein Museum eine wissenschaftliche Einrichtung, kein Gemischtwarenladen, in dem man sich seine Ideologie zusammensammelt. Gott-sei-Dank kann diese missliche Prise aus der „Hexenküche“ den Genuss der insgesamt interessanten und gut gemachten Ausstellung nicht vermiesen.

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