Markgräfliches Opernhaus

Besuch am Samstag, 9.2.2019, 55 min, so lange dauert die (Vor-) Führung. Im Jahr 2012 wurde das 1744–48 errichtete Opernhaus ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen als „einzigartiges Monument der europäischen Fest- und Musikkultur des Barock“. Nach Jahren einer aufwändigen Restaurierung erfolgte 2018 die Eröffnung. Träger dieses Prunkstücks ist die ‚Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Seen und Gärten‘.

Blick auf’s Theater (mit den Säulen), links daneben das Redoutenhaus
Foto: Gerd Walther

In der Tat haben wir ein eindrucksvolles Beispiel barocker Theaterkultur vor uns. Wohl dank einer verhältnismäßig geringen Inanspruchname seit dem späten 18.Jh war es von tiefgreifenden Anpassungen an die sich wandelnden Bedürfnisse von Inszenierungen relativ verschont geblieben. In kurzer Zeit von namhaften italienischen Theaterarchitekten erbaut, sollte es zur Hochzeit von Elisabeth Friederike Sophie, der Tochter des Markgrafen Friedrich und seiner Frau Wilhelmine, mit Herzog Carl Eugen von Württemberg 1748 den würdigen und v.a. repräsentativen Rahmen geben. Gerade die Memoiren Wilhelmines, einer Schwester Friedrichs des Großen, geben einen interessanten Einblick in das höfische Leben der Zeit. Im Jahr 1742 enden die Memoiren mit dem Satz: „Ich will mich bei einer Schilderung dieses Hofes (der Herzöge von Württemberg – GW) nicht länger aufhalten; es war höchst unerfreulich, umständlich und steif.“

Wilhelmine ließ ein Theater von europäischem Rang dagegen setzen, mit dem sie das absolutistische Welt- und Menschenbild auf außergewöhnlichem Niveau zur Schau stellte. Natürlich diente auch die Kunst der Verherrlichung des ‚Herrschers von Gottes Gnaden‘ (z.B. ihrem Mann, mit dem sie nicht immer harmonierte). Es veranschaulicht die Struktur der Upperclass zwischen Fürstenloge und enorm großer Bühne, zwischen Parkett, den Logen auf unterschiedlichen Rängen, zugeteilt nach Vornehmheit oder Protektion, bis ins allegorische Deckengemälde. Bürgerliche hatten im Hoftheater – wenn überhaupt – ganz oben (versteckt) Platz. Das galt als ein Privileg. Der schnöde Untertan war eher als Diener anwesend. Das Theater war auch Tanzsaal, Raum für Bankette und Empfänge. Während der Aufführungen hat man diniert, parliert, intrigiert, manchmal auch gezockt.

Die Fürstenloge
Foto: Gerd Walther

Für dieses spannende Stück barocken höfischen Lebens lässt einem die Schlösserverwaltung eine knappe Stunde Zeit. Zunächst kann man sich im Parkett umsehen, es folgt ein kurzer Film zur Kunst im Barock am Beispiel Bayreuths. Lt nicht ganz billiger Eintrittskarte ist es eine ‚Multimediashow‘. Dann erklärt eine Frau kompetent dem sitzenden Publikum das Opernhaus. Immerhin wird jetzt die Leinwand hochgezogen und gibt den Blick auf die fulminante Bühne frei. Wäre es eine Schule, würde man das Frontalunterricht nennen. Man weiß, etwas angestaubt ist das schon. Es lag nicht an der Vortragenden, es ist die völlig inadäquate Präsentation eines hervorragenden Kunstwerks. Wieso lässt man einem interessierten Publikum – so etwas gibt es – nicht mehr als eine knappe Stunde, dieses komplexe Kunstwerk kennenzulernen? Da ist ein Ort, der bevorzugt Allegorien benutzt, um eine absolutistische, fremde Welt in vielen Details vorzustellen, die zu einem Gesamtkunstwerk zusammengeführt werden. Dazu braucht es mehr als es einen Vortrag vor sitzendem Publikum. Man könnte in das aus konservatorischen Gründen nicht oft bespielte Haus bei der Garderobe und im Treppenhaus eine mobile Präsentation aufbauen, so dass der Besucher vor und nach dem Vortrag seine Eindrücke selbständig vertiefen kann. So etwas muss nicht popelig aussehen. Dazu könnte man mit Modellen die alte Bühnentechnik demonstrieren, einer Windmaschine etwa. Der gut gemachte, aber naturgemäß sehr knappe Flyer ermuntert zum genauen Hinschauen. Zur Vertiefung verweist er auf einen 2018 erschienenen ‚Amtlichen (!) Führer‘. Irgendwie ist in der Schlösserverwaltung die Zeit stehengeblieben. Das ist wahrlich museal der schlechten, verstaubten Art. Im Gebäude nebenan, dem Redoutenhaus von 1722, verweist ein (schwer lesbarer) Hinweis auf ein hier entstehendes Welterbe-Dokumentationszentrum mit Museum. Die Wilhelmine hatte es  schon zu Lebzeiten nicht leicht. Und für den schnöden Bürger haben (vorerst) 55 Minuten zu genügen. So erzieht man Besucher, die möglichst viele Kunstwerke in möglichst kurzer Zeit als gesehen abhaken. Das nächste bitte, Nordbayern am Vormittag. Aber das Theater selbst ist toll.

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