Kunstgewerbemuseum Schloss Köpenick

Besuch am Donnerstag, 9.11.2017, ca. 2 Std. Ein Kunstgewerbemuseum befindet sich seit 1963 im Schloss Köpenick aus dem spätem 17.Jh. Das diente im Laufe der Zeit als Kronprinzensitz, Witwensitz, Jagdschloss, Gefängnis für sog. ‚Demagogen‘ in der Restaurationszeit, Schule etc. etc. Das Kunstgewerbemuseum, von dem es wie oft auch eines in Berlin-West (am Kulturforum) gibt, gehört zu den Staatlichen Museen Berlins.

Foto: Gerd Walther

Zweifellos ist das Schloss Köpenick nicht nur eine Anlage mit interessanter Geschichte, sondern auch mit sehr schönen Räumlichkeiten aus dem Barock. Und es liegt sehr schön mitsamt anschließendem Schlosspark auf einer Insel beim Müggelsee, wo die Dahme in die Spree mündet. Und zweifellos besitzt das Kunstgewerbemuseum über sehr viele hervorragende Exponate. Eine so gute Ausgangsposition findet man selten.

Raumkunst,“ heißt es gleich zu Beginn „umfasst all jene Teile, die wesentlich an der Ausstattung eines Innenraums beteiligt sind und somit seine Atmosphäre prägen. In dieser Wirkung äußert sich die Doppelnatur von Raumkunst, die neben der Ausstattung selbst auch deren Verhältnis zum Raum bezeichnet. Die museale Präsentation von Werken der Raumkunst ist das Besondere am Gewerbemuseum im Schloss Köpenick. Im Unterschied zu einem Museumsschloss, das eine kulturhistorisch gewachsene Einheit von Gebäude und Innenausstattung bildet, wird hier im barocken Schlossraum das einzelne Kunstwerk herausgestellt.“ Also doch nur eine halbe Raumkunst ohne „Verhältnis zum Raum“.

Nun gehört diese Verwendung des Begriffs ‚museale Präsentation‘ – ich würde ihn gerne ‚altehrwürdig‘ nennen – zwar selbst eher ins Museum. Aber was heißt das in der Praxis? Zum wesentlichen Element musealer Gestaltung wird das Podest. Sehr anspruchsvoll ist das nicht. Und es mag ja noch in modernen Räumen angehen, die wenig eigenen Charakter haben. Aber doch nicht in so einem ausdrucksstarken Barockgebäude wie dem Schloss Köpenick. Diese Art einer ‚musealen Präsentation‘ gab es hier schon zu DDR-Zeiten, aber damals war das noch Usus. Und es war, wie Fotos in der gelungenen Ausstellung zur Geschichte des Schlosses im Untergeschoss zeigen – dezent angelegt. Gelungen weil eindimensional, ähnlich wie das Schaudepot unterm Dach. Sonst aber klotzt man mit wahren Podest-Monstern, die das Umfeld zu verdrängen suchen statt es für die Ausstellung nutzbar zu machen. Zudem hat man ein Beleuchtungssystem installiert, das kaum Rücksicht auf die meist wunderschönen barocken Decken nimmt, die immer wieder das Thema Jagd mythologisch ausgestalten.

Wappensaal
Foto: Gerd Walther

Diese Negation des konkreten Barockschlosses erfährt man gleich zu Beginn des Rundgangs. Hier liegen Prunkstuben aus Schloss Haldenstein (in Chur in der Schweiz) und von Schloss Höllrich (in Unterfranken). Sind diese Einbauten ganzer Räume wirklich an der Spree gut aufgehoben, selbst wenn man sich auf europäisches Kunstgewerbe aus Renaissance, Barock und Rokoko konzentriert? Zumal man den Begriff Kunstgewerbe hier weit auslegt. Oder nehmen wir als Beispiel den interessanten Wappensaal, in dem 1730 das Kriegsgericht im Auftrag des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. gegen den Sohn und Kronprinzen Friedrich (später der Große) tagte. Mitangeklagt wegen misslungener Flucht war sein Freund Katte, der dann vor den Augen des begnadigten Prinzen hingerichtet wurde. Ganze fünf Zeilen ist das den Museumsmachern wert, ergänzt durch Infos aus dem Audio-Guide, der auch sonst hilfreich ist. Im Raum ist neben dem Wand- und Deckenschmuck das Tafelservice des Breslauer Schlosses eindrucksvoll auf einem Lichtkubus ausgestellt. Aber beides fügt sich nicht zu einer Einheit zusammen, stiehlt sich gegenseitig die Schau, statt sich sinnvoll steigernd zu ergänzen.

Wie gesagt, wir haben ein sehr schönes Schloss in ebensolcher Umgebung mit ebensolchen Exponaten vor uns, aber mit einer museumsdidaktischen Präsentation ohne Sensibilität. Man sollte kein Museum gegen ein Gebäude gestalten. Und gegen ein so starkes wie Schloss Köpenick schon gar nicht.

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