Germanisches Nationalmuseum Nürnberg

20 Besuche zwischen Mittwoch, 11.11.2015 und Sonntag, 22.5.2016, alle Abteilungen, jeweils ca. 2 Std.. Und natürlich früher schon oft. Das Germanische Nationalmuseum wurde 1852 gegründet. Es ist somit auch das Kind einer gescheiterten Revolution, die eine nationale Einheit auf parlamentarischer Grundlage zum Ziel hatte. Trägerin des Museums ist eine Stiftung des öffentlichen Rechts der Bundesrepublik, Bayerns und der Stadt Nürnberg. Mittwochs ist ab 18 Uhr der Eintritt frei.

Brunnenfigur aus Nürnberg, um 1380 Foto: Gerd Walther

Brunnenfigur aus Nürnberg, um 1380
Foto: Gerd Walther

Mit lt Wikipedia 1,3 Mio. Objekten ist das Germanische das größte kulturgeschichtliche Museum im deutschsprachigen Raum. Darin liegen Stärke und Schwäche des Museums. Man besucht das Germanische wegen der hervorragenden Qualität seiner Exponate. Wer deren außergewöhnliche und möglichst raffinierte Präsentation sehen möchte, wird enttäuscht sein. Inszenierungen, museumsdidaktische Aufbereitungen über ein Podest hinaus sind nicht die Stärke des Museums. Bisweilen ist man eher überrascht von der vermeintlichen Lieblosigkeit der Präsentation bis hin zu Erläuterungen bei den Exponaten, deren meist durchsichtige Plexiglasoberfläche vornehmlich die Beleuchtungskörper in den Vitrinen widerspiegelt, nicht aber den mitunter in jeder Hinsicht dünnen Text.

Wenn man so will, ist das Germanische ein katholisches Museum. Zwischen die schnöden Besucher und die hehre Kunst schalten sich unmittelbar die Museumsmacher. So bilden deren Führungen das Rückgrat museumspädagogischen Wirkens. Viele Besucher in Kleingruppen oder zu zweit schlendern eher durch das Museum und blieben hie und da mal – wohl zufällig – vor einem Exponat stehen. Natürlich ist so ein Museum auch ein Kontakthof zum Kennenlernen auf gehobenem kulturellem Niveau. Aber so richtig sexy ist das Germanische nicht, es dominiert eher eine Art Jungseniorenerotik.

'Germania' aus dem Sitzungssaal der Frankfurter Paulskirche, 1848 Foto: Gerd Walther

‚Germania‘ aus dem Sitzungssaal der Frankfurter Paulskirche, 1848
Foto: Gerd Walther

Hervorzuheben ist der vorzüglich gemachte Audio-Guide. Dieses Angebot sollte man erweitern und v.a. viel stärker bewerben. Hier hat der Einzelbesucher die Möglichkeit zu einem intensiven Kontakt mit ausgewählten Exponaten, ohne dass einem das Ohr abgekaut wird. Zudem werden über das Display bzw. Audiovorführungen (etwa in der Instrumentensammlung) vorzügliche Vertiefungen angeboten.

Natürlich hat das Germanische viele Highlights, die häufig mit der historischen Bedeutung Nürnbergs in Spätmittelalter und Renaissance korrespondieren. Gut kommen auch die Vorzüge der alten Baukörper zum Tragen, die beiden Kreuzgänge, die Kartäuserkirche, die Mönchswohnungen. Zudem sind im schönen Bereich zum Spätmittelalter auch die Beschilderungen ungleich sorgfältiger und informativer. Das heißt nicht, dass die anderen Abteilungen uninteressant sind, zumal der oft spärliche Besuch dort ein angenehmes Verweilen ermöglicht. Manches wird geradezu versteckt, die beiden Räume etwa zur Wohnkultur der frühen Neuzeit, deren Abgeschiedenheit und Intimität zur Betrachtung der Exponate, Holzvertäfelungen, Glasscheiben, Gemälde öffnet.

Erfreulich ist auch, dass sich das Museum mit seiner eigenen Geschichte beschäftigt. Es ist ja nicht so, dass sich nichts tut. Aber bei einem so großen Dampfer dauert’s halt. Sicher hat es auch seine Vorteile, wenn man nicht jeder Neuheit auf dem Gebiet musealer Präsentation hinterherhecheln muss, sondern sich auf die Qualität seiner Exponate verlassen kann. Das Germanische hat seine eigene, spezifische historische Atmosphäre – wie aus einem Bilderbuch. Ein in die Jahre gekommenes schönes Museum. Das ist nicht negativ gemeint.

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