Speicherstadtmuseum

Besuch am Donnerstag, 22.8.2019, ca 1,5 Std. Das Speicherstadtmuseum entstand sukzessive nach Ausstellungen 1988/89 ab 1995. Es befindet sich im Zuge der Neugestaltung der Speicherstadt seit 2011 im 1888 errichteten Block L Am Sandtorkai 36. 2015 wurde die Speicherstadt mit dem nahen Kontorhausviertel zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt. Das Speicherstadtmuseum ist eine privat betriebene Außenstelle des ‚Museums der Arbeit‘ und gehört zur ‚Stiftung Historische Museen Hamburg‘.

Alte Bebauung der Brookinseln nach einem Foto im Museum
Abfotografiert: Gerd Walther

Die Speicherstadt entstand ursprünglich zwischen 1885 und 1912/27 in drei Stufen. Wie der Name sagt, entstanden hier die Speicher des Hamburger Freihafens. Die Waren wurden im Hafen meist durch hochseetaugliche Schiffe (mit entsprechendem Tiefgang) angeliefert. Soweit sie in Hamburg blieben, mussten sie auf kleinere Schiffe, sog. Schuten, umgeladen und in die Speicherstadt verbracht werden, deren Lagerhäuser je eine Wasserseite für die Schuten und Landseite für die Pferdefuhrwerke bzw. später Lastwagen besaßen.

Das nicht sehr große Museum ist am historischen Ort im Speicherblock L von 1888 untergebracht. In den Räumen mit der originalen, genieteten Eisenskelett-Konstruktion sieht man, was hier passierte: die Einlagerung der Güter, ihre Kontrolle auf Quantität und Qualität und auch Veredelung durch die Quartiersleute, die für Handelshäuser oder verarbeitende Unternehmen in Eigenverantwortung arbeiteten. Dazu zeigt das Museum die Entstehung der Speicherstadt als Folge der Integration Hamburgs in das deutsche Zollgebiet durch Bismarck um 1885/88. Zum Ausgleich erhielt Hamburg einen (zollfreien) Freihafen. Die Waren mussten erst verzollt werden, wenn sie das Hafengebiet ins Inland verließen. Das erforderte eine Konzentration der Speicherkapazitäten innerhalb dieses Gebiets. Natürlich hatten da zuvor etwa 16.000 Menschen dicht an dicht im sog. Gängeviertel der Brookinseln gelebt. Um deren Verblieb kümmerte man sich nach dem Abriss ihrer Häuser kaum. Nicht wenige ließen sich im benachbarten Stadtteil Hammerbrook, genannt ‚Jammerbrook‘, nieder. Reste der alten Bebauung sieht man noch am Nikolaifleet gleich in der Nähe. Nicht zufällig entstand in geringer zeitlicher Abfolge jenseits des Zollkanals das Kontorviertel mit den stolzen Niederlassungen der großen Handelshäuser. Seit den 1970er Jahren brachte das Aufkommen von Containern in der Stückgutbeförderung das Ende der Speicherstadt mit ihrer überaus arbeitsintensiven Struktur und diffizilen Organisation für eine fast unendliche Menge verschiedener Güter als Stück- oder Schüttgut (z.B. Kohle oder Getreide).

Blick ins Museum
Foto: Gerd Walther

Einen exemplarischen Schwerpunkt der Ausstellung bildet der für Hamburg bedeutende Kaffeehandel von der Anlieferung zur Einlagerung der Säcke, deren Stapelung, ihrer Überprüfung auf Gewicht und v.a. auf die vereinbarte Qualität. Das brachte einen immensen Aufwand mit sich bis hin zum Aussortieren von Bohnen minderer Qualität durch Unmengen von (schlecht bezahlten) Frauen einerseits und einer Kaffeebörse, der Organisation in den Kontoren und großen Kaffeefirmen andererseits. Das wird sehr detailreich und anschaulich gezeigt. Viele Bilder ergänzen die Exponate, Videos runden die Präsentation ab. Hinzu kommen profunde, nicht immer kurze Texte, wobei beim Kaffee die Ausstellung leicht textlastig wird. Aber man hat den Vorteil, dass hier die ganze Differenziertheit vom Anbau der Bohnen bis hin zum Wandel im Genuss des Getränks nachvollziehbar wird.

Einen weiteren Schwerpunkt des Museums bildet die Entstehung der Speicherstadt im Gefolge der Eingliederung Hamburgs 1888 ins deutsche Zollgebiet. War es doch auch eine architektonische Großtat, diese riesigen Gebäudekomplexe mit ihrer abwechslungsreichen Einheitlichkeit zu schaffen, beginnend mit einer neogotischen, dann neoromantischen und noch später mit neoklassizistischer Formensprache. Man muss sich nur die Tristesse moderner Lagerkomplexe vor Augen halten. So ist es erfreulich, das die Baugeschichte der Speicherstadt mit ihren Architekten intensiv dargestellt wird. Dass dabei das Kontorviertel fast ganz außen vor bleibt, verwundert allerdings etwas. Aber insgesamt haben wir ein sehr schön gestaltetes Museum am historischen Ort vor uns. Beide sind allemal einen Besuch wert.

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