Deutsches Freimaurer-Museum

Besuch am Sonntag, 6.8.2017, ca. 1,5 Std. Das ‚Deutsche Freimaurer-Museum‘ befindet sich in einer 1881 errichteten Villa in prominenter Lage am Schloßpark in Bayreuth gleich neben dem ‚Haus Wahnfried‘ Richard Wagners. Träger des 1902 gegründeten Museums, dessen Sammlung im ‚Dritten Reich‘ zerstört wurde, ist der ‚Verein Deutsches Freimaurermuseum e.V.‘ In den letzten Jahren erfuhr das Museum eine grundlegende Umgestaltung.

Audio-Installation zum Sinnbild des Rauhen Steins für Lehrlinge (mit dem Autor)
Foto: Gerd Walther

In dem Gebäude ist die Bayreuther Loge „Eleusis zur Verschwiegenheit“ beheimatet, die 1811 aus den 1741 von Markgraf Friedrich gegründeten Bayreuther Logen – Schlossloge und Stadtloge genannt – hervorging. Schon 1753 hatten sich beide zur Loge ‚Zur Sonne‘ vereinigt. Neben einem freimaurerisch eingerichteten Saal der Loge liegt das räumlich nicht sehr große Museum, das umfangreich über Grundlagen, Wesen und Geschichte der Freimaurerei informiert. Nach ihrer Gründung vor 300 Jahren in London breitete sich die Freimaurerei mit der Aufklärung schnell aus, sind es doch deren Ideale Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität, denen die Freimaurer bis heute verpflichtet sind. „Habe Mut, dich deines Verstandes zu bedienen“, hat Immanuel Kant das Einfache benannt, das so schwer zu machen ist. Das galt auch dann noch als subversiv, als sich aufklärerisch gesinnte Fürsten den Freimaurern anschlossen. Das Nebulöse eines Geheimbundes von Mitgliedern der Upperclass, also von einflussreichen Personen, hängt bis heute den Freimaurern an. Verschwörungstheorien waren und sind da alle Tore geöffnet, zumal der Grundsatz der Tolerenz früh zur Einbeziehung von Juden in die Logen führte. Und ein Blick auf die wechselnden Ritualsysteme zumindest in der frühen Zeit lässt vermuten, dass es hinter den Kulissen nicht nur um hehre Ideale ging, sondern um Netzwerke schwer durchschaubarer Wirkungskraft.

Die blaue Ausleuchtung, in die das Museum getaucht ist, schafft gleich beim Eintritt optisch einen eigenen Raum, entfaltet (wie die Rituale) eine eigene Dynamik, die vertraut-fremdartige Welt der Freimaurerei. Das Museum lässt sich in drei Bereiche unterteilen. Da sind zunächst die Ursprünge und Geschichte der Freimaurerei hin zur Gründung der Bayreuther Logen, wobei nach der Bennung freimaurerischer Größen der Frühzeit wie Lessing, Goethe oder dem ‚Alten Fritz‘ die Darstellung ab der Mitte des 19. Jhs dünn wird. Das Verbot im Nationalsozialismus wird knapp erwähnt. Nun zielt die Freimaurerei weniger auf die Außenwirkung der Loge als auf die sittliche Vervollkommnung der Mitglieder mit dem gewünschten Ziel humanitären Handelns. Parallel wird deshalb deren Entwicklung nach der Aufnahme als Lehrling, Geselle und Meister mit der jeweiligen Bedeutung vorgestellt. Das geschieht eindrucksvoll in drei Kabinen mit Audio-Installationen in einer mystische Atmosphäre, die wohl der freimaurerischen Wirklichkeit nahe kommt. Denn über Rituale sollen die Teilnehmer aus dem Alltag herausgenommen, soll Aufmerksamkeit verstärkt werden. Ein dritter Bereich vertieft die einzelnen Ritual- und sonstigen Gegenstände sowie Kleidungstücke, erklärt ihren Symbolwert und den Umgang mit ihnen. Das wird durch knappe, profunde Texte im Zusammenwirken mit moderer Museumsdidaktik erreicht, etwa bei der interaktiven Erläuterung der Symbolik des zentralen Arbeitsteppichs im Logenraum und geht bis hin zu Freimaurernippes, den es Gott-sei-Dank auch gibt.

Die Symbolik des Logenteppichs wird interaktiv gut erläutert
Foto: Gerd Walther

Das ist alles recht interessant und informativ gemacht, aber auch blaue Theorie, die gelungene Selbstdarstellung einer Gruppe, in die viel hineingeheimst wird. Ich hätte mir noch einen Praxistest gewünscht, etwa am Beispiel Richard Wagners, der nicht nur äußerlich sondern auch gesellschaftlich nahe war. Sein Schwiegervater Franz Liszt war ja auch Freimaurer. Wie ging man um mit diesem Titan zwischen künstlerischer Schöpferkraft und Antisemitismus. Etwa am Beispiel von Friedrich Feustel, dem langjährigen Großmeister der Großloge ‚Zur Sonne‘. Als Freimaurer der Humanität verpflichtet, war er als Bankier ein energischer Förderer Wagners und der Festspiele auch aus wirtschaftlichen Gründen. Und sicher enthalten Wagners Stücke auch freimaurerisches Gedankengut, die ‚Meistersinger‘ werden da genannt oder Teile aus ‚Parzival‘. Und doch bestand nach Wagners Tod nicht zufällig um Cosima Wagner, dem Schwiegersohn Chamberlain, dem ‚Wagner-Kreis‘ ein ideologisches Umfeld, in dem Freimaurer mit ihrem Streben nach Humanität keinen Platz hatten. Und das ist nicht nur graue Theorie, das Museum selbst war Opfer.

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