Bode-Museum

Besuch am Freitag, 17.3.2017, ca. 3,5 Std. Das neobarocke Museumsgebäude an der Spitze der Berliner Museumsinsel entstand unter dem Direktor Wilhelm von Bode 1904 als Kaiser-Friedrich-Museum. Im 2. Weltkrieg schwer beschädigt, wurde es in Teilbereichen 1956 als Bode-Museum wieder eröffnet. 1998 bis 2005 erfolgte nach Plänen des Architekten Heinz Tesar eine Grundsanierung. Das Museum beherbergt heute die Skulpturensammlung, das Museum für Byzantinische Kunst und Teile des Münzkabinetts. Wie die anderen Museen auf der Museumsinsel gehört es zu den Staatlichen Museen in Berlin.

Große Kuppel
Foto: Gerd Walther

Kommt man ins Bode-Museum, so ist es, als betrete man die Museumsinsel durch den Hintereingang. Von den anderen Museen ist es durch S-Bahn-Geleise getrennt. Das mag seltsam anmuten. Man steht aber in der ‚Großen Kuppel‘ mit einer Replik von Andreas Schlüters ‚Reiterstandbild des Großen Kurfürsten‘ gleich in einem der Highlights des Museums. Durch das im Dreieck zwischen Spree und Kupfergraben angelegte Museum gelangt man mittig über die Kamecke-Halle und die Basilika zur ‚Kleinen Kuppel‘. Links und rechts dieser Achse liegen auf 2 Ebenen die Ausstellungsräume. Sehr übersichtlich ist das Gebäude nicht, aber der Museumsplan hilft.

Den Hauptteil des Museums nimmt die Skulpturensammlung mit Exponaten vom 13. bis ins 18. Jh aus Zentraleuropa ein. Man sollte schon eine Liebe für Skulpturen mitbringen, denn die Konzentration darauf mit nur sporadisch gehängten Bildern oder anderen Exponaten birgt die Gefahr einer gewissen Monotonie in sich. Ich hätte mir öfters ein zeitlich und regional zugehöriges Gemälde oder Ähnliches gewünscht, und sei es nur, dass sich Auge und Hirn auch einmal entspannen können. Oft verhilft gerade eine größere Abwechslung zum intensiveren Blick auf Exponate.

Natürlich verfügt auch die Skulpturensammlung über hervorragende Werke etwa von Tilman Riemenschneider, Ignatz Günther, spätmittelalterliche Skulpturen aus dem Augsburger und Nürnberger Umfeld, darunter – mal zur Abwechslung – einen schönen Kleopatra-Brunnen aus dem 16. Jh. Aus Italien sind u.a. Werke von Canova, Andrea della Robbia oder Giandomenico Tiepolo ausgestellt, der frecher und frischer wirkt als sein berühmter Vater. Meist erschließen sich die Skulpturen gut mit Hilfe des im Eintritt enthaltenen Audioguides. Texte zu den einzelnen Räumen bzw. Epochen sind rar, die Beschriftungen zu den Exponaten oft minimalistisch, Infoblätter zum Mitnehmen gibt’s nur im Münzkabinett. Hier wünscht man sich eine größere Bandbreite der Information.

Man sollte beim Rundgang gerade auch auf Räume am Rande achten. Im Erdgeschoss ist dies der Bereich des Museums für Byzantinische Kunst, in dem die Exponate nach viel europäischer Gotik gerade durch ihre Fremdheit bestechen, das schöne Apsismosaik von 545 n. (Chr.) aus Ravenna etwa oder auch ein ganz weltliches Kugelspiel mit Szenen von Wagenrennen. Insgesamt erhält man hier einen schönen Einblick in diese nach Byzanz orientierte frühchristliche Kunst der Spätantike und des frühen Mittelalters.

Am 27.3.2017 geklaut: Goldmünze ‚Big Maple Leaf‘ für 3,7 Mio € Goldwert
Foto: Gerd Walther

Im Obergeschoss ist auf der anderen Gebäudeseite ein Zimmerflucht mit schönen italienischen Kleinbronzen von der Renaissance bis zum Barock etwas an den Rand gedrängt. Auch hier gewinnt die Präsentation durch die Mischung von Gemälden und Plastiken bis hin zu Alltagsgeräten, etwa Türklopfern. Fast versteckt liegt hier am Ende das Merseburger Spiegelkabinett, dem man einige Porzellanfiguren (wie ursprünglich gehabt) wünscht. In anderer Richtung befinden sich die ebenfalls angenehm kleinen Räume des Münzkabinetts, das nicht nur im Bode-Museum eine Welt für sich bildet. Man sollte sich Zeit lassen, die kleinen Kunstwerke ausgiebig zu betrachten. Auch hier droht man als Laie immer wieder in der Masse der interessanten Münzen und Medaillen zu versinken. Doch bieten Vergrößerungen und Lupen die Möglichkeit, einzelne Kleinode herauszupicken. Die Erläuterungen auf den vielen Beiblättern helfen dabei.

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