Brüssel – Kongo Museum

bzw. Königliches Museum für Zentralafrika KMZA

Besuch am Samstag, 16.11.2013, Dauer ca 2 Stunden, Eintritt ermäßigt 3.- €, das Museum ist groß, es war gut besucht. Die Straßenbahnfahrt nach Tervuren ist sehr angenehm, irgendwann denkt man, man fahre direkt in den Kongo, so lange dauert’s im immer dichter werdenden Waldgestrüpp. Das Museum soll ab Ende November für mehrere Jahre geschlossen und grundlegend umgebaut werden. Häufig verheißt das nichts Gutes, so dass man sich das Alte noch einmal anschaut.

Das Königliche Museum von Zentral-Afrika, das auf alten Postkarten Kongo-Museum genannt wird, was exakter ist und eigentlich Belgisch-Kongo-Museum heißen müsste, befindet außerhalb von Brüssel in Tervuren in einem großen Schlosspark, in dem früher bisweilen auch Negerdörfer mitsamt Bewohnern aufgebaut waren, in einem extra errichteten großen Schloss. Denn Geld war da zur Glorifizierung König Leopolds II., einem Menschenschinder vor dem Herrn. Mit Hilfe einer eigens gegründeten Philanthropischen Gesellschaft zur Beseitigung der Sklaverei und des arabischen Sklavenhandels hat er sich einen Großteil Zentralafrikas als private Kolonie angeeignet und durch exzessive Grausamkeit und ebensolche Profitgier v.a. mit dem Anbau von Gummiplantagen die dortige Bevölkerung innerhalb von 23 Jahren auf ca. 10 Millionen halbiert, die Kolonie herabgewirtschaftet und dann 1908 profitabel an den belgischen Staat verkauft.

Über weite Strecken hat man den Eindruck, man gehe durch eine Menagerie, nur dass die Tiere ausgestopft sind und die Käfige kein Gitter brauchen, sondern eine Glaswand. Inszeniert wird wenig, etwa so wie vor 50 Jahren, zaghaft ein paar Sträucher oder eine gemalte Hintergrundlandschaft. Ursprünglich standen die Tiere offen auf Podesten: Elefanten, Giraffen, Büffel, Nashörner, Löwen, die zentralafrikanische Tierwelt eben. Eine Zusammenfassung nach Landschaften soll’s angeblich geben, auf akustische Merkmale, und seien es nur die Laute der ausgestellten Tiere, wird fast ganz verzichtet. Dabei ließe sich so hervorragend Spannung erzeugen: eine Nacht am Kongo…

Stattdessen hat man einem Nashorn aus Angst vor aktuellen Räubern prophylaktisch die Hörner abgeschraubt. Holz und Schrauben klaffen aus ovalen Öffnungen. Ein musealer Offenbarungseid. Kein Geld für eine Alarmanlage?

Ausstellungs-Barbarei Foto: Gerd Walther

Ausstellungs-Barbarei
Foto: Gerd Walther

Waffen und Gebrauchsgegenstände verschiedener Völker in alten Vitrinen, das schaut ganz schön aus. Trotzdem bleiben die schwarzen Menschen erstaunlich blass. Man hat wohl immer noch Probleme, die sog. Kongogreuel als solche zu thematisieren. Ein Korb mit abgehackten Händen – die übliche Bestrafung – würde da schon genügen.

Dafür steht die damals angefertigte Auftragskunst, die Befreiung der Schwarzen von der Sklaverei durch Leopold II. darstellend, ebenso herum wie mehrere Büsten von ihm. Das kann man schon machen, man sollte es ebenso hinterfragen wie die jüngere, bemalte Holzfigur eines Neger-Boy-Kellners in der Art des Sarotti-Mohren am Museumscafé.

Ironie oder Real-Satire? Foto: Gerd Walther

Ironie oder Real-Satire?
Foto: Gerd Walther

Interessant dann die verschiedenen Utensilien aus der Zeit der Eroberung und Verwaltung der noch jungen Kolonie, aber man lässt die Besucher die schwüle europäerfeindliche Hitze des Dschungels, des Regenwalds nicht spüren. So schwer dürfte das nicht sein.

Am Schluss dann ein neu gestalteter Raum, mit Exponaten, die bis unter die Decke reichen, didaktisch modern aufbereitet, rel. dunkel, mit Afrikaakustik zwar, aber wie aus dem Benutzerhandbuch zum Thema: Wie richte ich ein Afrika-Museum ein. Ohne Leben.
GW 13.7.2014 nach handschriftlichen Aufzeichnungen und Fotos

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