Museo Palazzo Mocenigo Venedig

Besuch am Freitag, 19.9.2016, ca. 2,5 Std., und vor ca 6-7 Jahren schon einmal. Das Museum wurde 1985 im ursprünglich gotischen, im 17. Jh. umgestalteten Wohnsitz der mächtigen und reichen Patrizierfamilie Mocenigo eröffnet. Es ist Sitz eines Studienzentrums für historische Stoffe und Bekleidung, einem Schwerpunkt der Präsentation. Ende 2013 wurde es grundlegend erneuert wieder eröffnet. Das Museum Mocenigo gehört zu den Städtischen Museen Venedigs.

Foto: Gerd Walther

Foto: Gerd Walther

20 Räume inkl. der großartigen Eingangshalle, dem Portego, umfasst das Museum im 1. Obergeschoss des Palastes, dem Piano Nobile. Hinzu kommt auf der Fläche des Portego im Erdgeschoss ein Bereich für Sonderausstellungen, derzeit zur Geschichte des Parfüms und der Rolle Venedigs dabei. Die Sonderausstellung, die eine interessante Bereicherung des Museums durch die Erfahrung des Duftes der Upperclass der Stadt ist, setzt sich im Obergeschoss fort, da Parfüm auch als Teil der Bekleidung gesehen wird.

Wer im Palazzo Mocenigo Spitzenwerke herausragender venezianischer Künstler erwartet, wird enttäuscht sein. Das Museum ist vielmehr ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie Museumsmacher mit viel Einfühlungsvermögen, hochwertigen Exponaten und viel Original-Einrichtung – der Palast war bis kurz vor 1985 bewohnt – ein ebenso interessantes wie unterhaltsames Museum gestalten können. Ein gutes Team ist eben oft besser als eine hervorragende Einzelleistung.

Zu jedem Raum gibt ein Infoblatt auch auf englisch und französisch einen Überblick über die ausgestellten Exponate und ihre Herkunft, die entweder aus dem Haus stammen oder zumindest Venedig zum Bezug haben. Die vielen Portraits zeugen von der Macht der Familie, aus der 7 Dogen stammen. Wenn im Museum der Schwerpunkt auf dem 18. Jh. liegt, so umfasst die Ausstellung insgesamt die Zeit des 16. bis ins frühe 20. Jh. Die vielen aus dem Haus stammenden Möbel werden ergänzt durch Glaskunst aus Murano und buraneser Spitze und sind meist zu Ensembles arrangiert. Etwas vermisst habe ich auf den informativen Textblättern Hinweise auf die jeweilige frühere Nutzung der Räume. Dies ist beim Portego der Fall, der mittigen Eingangs-, Verbindungs- und Festhalle, die die ganze Breite des Palastes einnimmt mit den Zugängen zu den Räumen links und rechts.

Ich hatte das Museum als ein Textilmuseum in Erinnerung mit je etwa 1- 2 kostümierten Puppen pro Raum. Das hat man aufgegeben und diesen Aspekt der Ausstellung auf zwei Räume konzentriert. Damit erzielt man einen guten Eindruck von der oft großen Zahl der Besucher und Bewohner und ihrer Diener. In einem Raum stehen und sitzen 14 entsprechend bekleidete, maskierte Figuren in Bezug zueinander, nicht zum Besucher. Man kann die Kostüme gut von allen Seiten betrachten. In einer Art Ankleidezimmer befinden sich 4 Figuren sowie an den Wänden Fächer für etwa 50 Herrenwesten, die, unter dem Oberrock getragen, Ende des 17. Jhs modern wurden. Das ist gut gemacht, vermittelt einen lebendigen Eindruck früherer Mode und ist wohl noch ausbaufähig .

Foto: Gerd Walther

Foto: Gerd Walther

In fünf Räumen am Ende der Präsentation wird die Sonderausstellung zur Entwicklung des Parfüms in Venedig wieder aufgenommen. Gezeigt wird zunächst die Einrichtung einer Parfümiere-Werkstatt bzw. Alchemisten-Küche. Es folgen verschiedene Rohstoffe, die man sich auch erriechen kann. Dazu ein Überblick über die Handelsrouten nach Venedig. Ein weiterer Raum stellt Flacons und andere Riechutensilien aus der Sammlung Storp vor. Das ist zweifellos gut gemacht und hoch interessant. Aber so ganz klar wurde mir nicht, wie die venezianische Upperclass denn so gedüftelt hat, ebenso wenig, welchen ‚Normalgeruch‘ diese Stadt im 17./18./19. Jh. hatte. Aber vielleicht ist das auch besser so. Es ist jedenfalls zu hoffen, dass das Museum diesen Ansatz weiter verfolgt. Im Vergleich zum alten Konzept hat das interessante, gut gemachte Museum merklich gewonnen.

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