Naturhistorisches Museum

Nürnberg – Naturhistorisches Museum

Besuche am 1. 5. 2014 und am 25.1.2015, je ca 2 – 3 Std., und auch früher mehrfach. Es waren jeweils noch mehrere Besucher im Museum. Trägerin des Naturhistorischen Museums ist die Naturhistorische Gesellschaft Nürnberg. Gegründet wurde das Museum 1884, kann also auf eine lange Tradition des Forschens und Sammelns zurückblicken. Seit 2000 befindet es sich in den jetzigen Räumlichkeiten in der Norishalle. Das Naturhistorische Museum ist – verglichen mit vergleichbaren Museen – nicht sehr groß. Es ist zwei Bereiche im Erd- und Obergeschoß und leider auch qualitativ unterteilt.

Der Bereich zur Völkerkunde im Erdgeschoß ist übersichtlich und intensiv, aber nicht aufdringlich gestaltet. Es ist eines der wenigen Museen, in denen Installationen, Dokumentation und Information in einem ausgewogenen, sich ergänzenden Verhältnis stehen. Die Texte sind knapp und informativ auf das Wesentliche beschränkt. Fotos und Grafiken ergänzen abwechslungsreich die Texte. Sie lenken nicht von den Exponaten ab, so dass man nicht von Text zu Text durch das Museum geht, sondern von Exponat zu Exponat. Einzelstücke in Vitrinen ergänzen jeweils die Inszenierungen und Installationen. Großflächige Fotos und speziell für das Museum angefertigte Wandgemälde entführen in die betreffenden Landschaften. Man sollte aber nicht noch mehr hineinstopfen.

Foto: Gerd Walther

Foto: Gerd Walther

Zu den Gebrauchsgegenständen in Originalgröße kommen viele alte Modelle, gefertigt wohl zur Erziehung, Initiation, zu kultischen Zwecken. Die Modelle besitzen durchgehend einen hohen Anschauungswert. Hinzu kommen Figuren in jeweils typischer Kleidung, egal ob Südseebewohner, Araber, Bewohner des afrikanischen Regenwalds, von Costa Rica oder Ostsibirien. Und Masken, die einen ersten Einblick in die mythisch-mystische Welt dieser Völker gibt. Behausungen ergänzen die Darstellungen, besonders eindrucksvoll das Beduinenzelt, und Gewerbe sowie Arbeiten, die den Lebensunterhalt bzw. das Überleben sichern.

Ein Lehmgehöft zeigt Bau- und Lebensweise der Bewohner der Savanne Afrikas. Eine unauffällig an der Hofummauerung abgestellte Flasche Schnaps wirkt für den aufmerksamen Besucher intensiver als eine Hinweistafel über die Gefahren des Alkoholismus auch in Afrika und die Benutzung von Alkohol bei der Unterwerfung dieser Völker. Stanley lässt aus dem Kongo grüßen, schließlich ging’s angeblich um die Befreiung der Schwarzen von der Sklaverei.

Im Obergeschoß werden v.a. Geologie, Höhlenforschung und Vorgeschichte der Region ausgestellt. Hinzu kommt die Ausgrabungstätigkeit in Jordanien mit Schwerpunkt Petra. Was unten harmonisch gelingt, passt hier auf einmal nicht mehr zusammen. Man hat den Eindruck, die einzelnen durchaus hochwertigen Exponate und Modelle sind erst mal hingestellt und müssen noch zu einer Gesamtausstellung zusammenwachsen. Sicher waren hier unterschiedliche Abteilungen der Naturhistorischen Gesellschaft am Werk, aber warum hat man sich’s nicht von den Völkerkundlern abgeschaut, wie ein Ensemble auch eine Einheit bilden kann, nicht nur mehrere nebeneinander gestellte Einzelteile.

Foto: Gerd Walther

Foto: Gerd Walther

Dazu wird der Besucher bis zum Abwinken zugetextet. Steine haben sicher eine andere Strahlkraft als etwa ein Beduinenzelt. Aber es gibt einen Unterschied zwischen einem Museum und der Abhandlung in einer Zeitschrift. Lesen können die Besucher doch zu Hause, hier soll der Blick auf die Exponate gerichtet werden, auch wenn diese und jene Erklärung den Fachleuten noch so wichtig erscheinen mag. Da sind Museumsmacher gefragt, keine Buchgelehrten. Aber die völkerkundliche Abteilung lohnt den Besuch des Museums allemal.

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