Germanisches Nationalmuseum Nürnberg – Spielzeugsammlung

Besuch am Mittwoch, 25.11.2015, ca 2 Std. während der kostenfreien Abendöffnung. Die Spielzeugsammlung ist seit 2002 in einem eigenen Gebäude von 1910 schräg gegenüber dem Haupteingang auf 3 Etagen untergebracht.

Im Erdgeschoss sind v.a. Puppenhäuser und -stuben ausgestellt. Die Miniaturhäuser dienten seit dem 17.Jh der Erziehung der Kinder von Nürnberger Patriziern zur Führung eines patrizischen Haushalts. Sie waren nur bedingt Spielzeug im heutigen Sinne. Ab etwa 1800 wurden sie durch überschaubarere und auch bespielbarere Puppenstuben abgelöst. Die hervorragenden Exponate hätten allerdings eine bessere Präsentation verdient.

Puppenhaus Kress v. Kressenstein, Nürnberg, 2. Hälfte 17. Jh Foto: Gerd Walther

Puppenhaus Kress v. Kressenstein, Nürnberg,
2. Hälfte 17. Jh
Foto: Gerd Walther

Man hat den Eindruck, dass sich seit der (Wieder-)Eröffnung der Sammlung 2002 ausstellungsdidaktisch nicht viel getan hat. So sind neuere Beleuchtungstechniken an der Ausleuchtung der einzelnen Räume in den Puppenhäusern nahezu spurlos vorübergegangen. Man bekommt Taschenlampen ausgehändigt, die eher aus einem Aufruf an die Mitarbeiter zu stammen scheinen, sie möchten doch mal zu Hause nachschauen… So bleibt ein Gutteil der Exponate leider im Dunkeln, wo man mit Miniaturspots und LEDs interaktiv Details hervorheben, den Blick lenken könnte.

Auch die Beschriftung führt nicht weiter, meist sind es knappe Vierzeiler von der Art: „Puppenstube mit zwei Zimmern“ (sieht man), „Nürnberg, um 1900“ (erfährt man), „Holz, bemalt“ (sieht man) sowie einer Inventar-Nummer (ist für den Betrachter unwichtig). Nicht einmal beim Ort wird deutlich, ist es Produktionsort, Firmensitz etc. Da fällt den Machern zu ihren wunderschönen Exponaten (zu) wenig ein.

Die nächste Etage hat Mädchen-, Jungen- und Reformspielzeug zum Schwerpunkt, genauer die geschlechtsspezifische Entwicklung von Spiel und Spielzeug für Kinder der Oberschicht seit dem 18.Jh. Aber man geht nicht hinein in die Exponate, z.B. bei den ‚Lebenstreppen‘ von Mann und Frau. Man könnte doch die Texte ‚von der Wiege bis zur Bahre‘ in einer Vergrößerung gut lesbar machen, um so Altersszenarien des Barock zu verdeutlichen. So muss man sich mit dem interessanten, aber schlecht lesbaren Original abmühen, statt es geniessen zu können. Und man kann doch auch zeigen, wie etwa eine Laterna Magica ohne Strom funktionierte, wie hell sie war, usw. Man muss ja kein Original zum Ausprobieren hinstellen. Mehr als in der Vitrine hinter Glas gewinnen ein Exponat und seine Zeit doch durch Handhabung an Anschaulichkeit. Zumal die Bildergeschichten auch hier oft weniger Spielzeug waren als Familienunterhaltung und -belehrung, vortouristische Weltreise, Geschichten- und Märchenerzählung, Kriegsberichte.

Papiertheater Foto: Gerd Walther

Papiertheater
Foto: Gerd Walther

Dies setzt sich eine Ebene höher mit den Papiertheatern und Gesellschaftsspielen v.a. des 19. Jhs fort. Auch hier wunderschöne Exponate, auch hier ist alles hinter Glas, auch hier minimalistische Beitexte (mit Ausnahme zur Geräuscherzeugung). Warum geht man nicht her und lässt Besucher (Papier-)Theater spielen, auch hier muss es kein Original sein. Ein einfaches Märchen, das man ohne Textvorlage kennt, Schneewittchen etwa. Besucher können eine Bühne aufbauen, man verteilt Rollen. Ist eine Regie nötig? Wer macht die Geräusche? Es geht um eine Annäherung an die Exponate, an ‚ihre‘ Zeit und an die Menschen, die damit umgegangen sind. So könnte man die Exponate ansatzweise vertiefend mit Leben erfüllen, statt sie wie Schneewittchen in einen Glassarg zu legen.

Ein Museumsbesuch kann doch auch Spass machen ohne niveaulos zu werden. Man bezeugt als Museumsmacher seine Wertschätzung eines Exponats, Spielzeug zumal, nicht dadurch, dass man formal Distanz durch Glas aufbaut, es auf ein Podest stellt, auf einen Thron setzt, sondern indem man inhaltlich Exponat und Besucher möglichst eng zusammenführt, Kommunikation, Intensität ermöglicht, seine innere Schönheit öffnet.

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