Schatzkammer der Peterskirche

Besuch am 26. März 2015, ca. 1,5 Std. Die Schatzkammer befindet sich in einem Seitentrakt der Peterskirche und ist auch von da aus erreichbar. Träger des lt Museumsführer kunstgeschichtlichen Museums ist die Peterskirche oder der Vatikan oder der Papst oder wer immer da was zu sagen hat. Das Museum war im Unterschied zum stark frequentierten Petersdom spärlich besucht, über weite Strecken war ich alleine.

Foto: Gerd Walther

Foto: Gerd Walther

Kirchenmuseen, Museen mit Kirchenschätzen interessieren mich wegen ihres Alters schon lange. In Venedig kam ich einmal in eine Art Sakristei mit ausgestellten Reliquien und sonst für die Kirche wertvollen Dingen und war begeistert. Dabei sind Museen mit Kirchenschätzen brettlhart, aber die Vitrinen, Truhen und Schränke mit Glastüren alt und gediegen, Möbel, denen man 500 Jahre ansieht und doch auch nicht. Keine Ikea.

Kirchenschatzmuseen sind wohl der älteste Museumstyp bei uns, haben die Kleriker doch, was ihnen wertvoll erschien, geschenkt genommen, gekauft oder geklaut. Das waren zunächst Reliquien, also häufig Knochen von Heiligen oder ganze Heilige oder etwas, womit diese Kontakt hatten oder Blut oder sonstwas. In Rom sind es u.a. Splitter vom Kreuz, an das Jesus geschlagen wurde, und Teile der Lanze. Auch diesbezüglich versetzt der Glaube wohl Berge. Hinzu kamen im Laufe der Zeit Schätze aus der Geschichte der Kirche, Möbel, Gräber, Leuchter etc., Ritualgegenstände vergangener Zeiten, liturgische Gewänder und Geräte, Erinnerungen an berühmte Geistliche, hier Päpste.

Es ist für mich nicht die Frage, ob es das ist, was es zu sein vorgibt. Sammeln, bewahren, pflegen, ausstellen, wenn auch manchmal nur ab und zu, ist Museumstätigkeit. Die Frage nach Wissenschaftlichkeit ist sekundär, haben die Kleriker doch (zumindest meist) geglaubt, es sei authentisch, also wahr. Man wundert sich ja heute, welch krude Formen wissenschaftlichen Umgangs mit Exponaten noch vor 100 Jahren oder weniger geherrscht haben, etwa bei Restaurierungen.

Fluch und Segen, dass der Vatikan so reich war (und ist). Das schuf Begehrlichkeiten, so dass bei den jeweiligen Plünderungen Roms – es gab seit der durch die Westgoten im Jahr 410 noch sechs weitere größere Plünderungen – auch jeweils der Kirchenschatz mitgenommen wurde. Die Schatzkammer führt ihre Anfänge auf Konstantin den Großen um 319 zurück, das ist – auch für ein Museum – ein sattes Alter. Modernere Museumsgestalt nahm sie 1909 an. Abermals hielt 1974 neue Museumsdidaktik in neu gestalteten Räumen Einzug.

Zu sehen ist viel Gold und Silber, wegen den Plünderungen meist aus den letzten Jahrhunderten. Alt und erstaunlich in ihrer Qualität sind die sog. Heilige Säule aus der alten vatikanischen Basilika des 4. Jhs, der antike Marmorsarkophag des bekehrten Präfekten Junius Bassus um 359 mit unwahrscheinlich feiner Bildhauerarbeit. Desgleichen die Grabplatte von Papst Sixtus IV. von 1493 mit dem Bildungskanon der Renaissance in Gestalt leichtbekleideter Frauen. Oder der Nachbau (von 1968) des Stuhls Petri, dessen Original im Dom nur selten gezeigt wird. Petrus saß nicht auf ihm, aber wohl der Franke Karl der Kahle bei seiner Kaiserkrönung 875 durch den Papst.

In der Peterskirche Foto: Gerd Walther

In der Peterskirche
Foto: Gerd Walther

Sagt zumindest der solide gemachte Museumsführer. In ihm ist das meiste gut erklärt, so dass man die jeweilige Ikonographie nachvollziehen kann. Das alles ist wie gesagt brettlhart ausgestellt. Wer Inszenierungen will, kommt in der Kirche nebenan auf seine Kosten. Katholiken können sowas. Aber man hat wegen des geringen Besuchs viel Zeit und durch die Art des Arrangements der Exponate viel Platz zum genauen Betrachten.

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