Pfalzmuseum Forchheim

Besuch am Sonntag, 11.10.2015, ca 2 Std. Das Pfalzmuseum beherbergt drei Museen, von denen das größte das Archäologische Museum Oberfrankens ist, ein Zweigmuseum der Archäologischen Staatssammlung. Der Größe und Ausstellungslogik nach schließt sich das Stadtmuseum Forchheim an. Dann gibt es auch noch ein Trachtenmuseum.

Die sog. Kaiserpfalz, eine spätmittelalterliche Burg der Bamberger Bischöfe, ist ein schönes Gebäude mit großen Sälen bzw. Räumen. Man erkennt es noch an den beiden Räumen für Events und Sonderausstellungen im Erdgeschoss. Leider hat man die Museen gegen das Haus, nicht mit ihm eingerichtet. So verlieren die Museen und das Haus gewinnt nicht. Wohl weil man einen behindertengerechten Zugang suchte, wurde ein Treppenturm mit Aufzug außerhalb der alten Gemäuer errichtet. Nun aber betritt man die Räumlichkeiten irgendwo über einen schmalen Zugang, nicht über das alte Treppenhaus.

Besiedlung des Walberlas in keltischer Zeit, ca. 500 v. Chr. Foto: Gerd Walther

Besiedlung des Walberlas in keltischer Zeit, ca. 500 v. Chr.
Foto: Gerd Walther

Das Archäologische Museum mit seinen interessanten, gut aufbereiteten und betexteten Exponaten zur Vor- und Frühgeschichte Oberfrankens bedient sich unnötig dominanter Vitrinenkörper, die nicht nur die Raumstruktur , sondern v.a. die spätmittelalterlichen Wandmalereien in den Hintergrund drängen. Mit einem Kultur-‚Denkmal von nationaler Bedeutung‘ sollte man anders umgehen. Das berührt nicht die Qualität der Exponate. Schön auch die Hinweise, die zu Ausflügen zu den gezeigten Höhlen und anderen Natur-Kultur-Denkmälern vor Ort animieren sollen. Eindrucksvoll zeigen Modelle die beiden Hauptorte der Besiedelung Oberfrankens in keltischer Zeit am Staffelberg und an der Ehrenbürg bei Forchheim und veranschaulichen ihre Besiedelung. Die erstaunlich vielfältigen Exponate werden durch prägnante Texte und Videos vertieft.

Man wird durch einen Schwenk ins Trachtenmuseum mit vier engen Räumen nebst Gang bei schwacher Ausleuchtung unterbrochen. Damit tut man weder dem Pfalzmuseum noch den Festtags-, Sonntags-, Werktags- und Trauertrachten einen Gefallen.

Eine Etage höher geht es mit der Frühgeschichte des Forchheimer Raums von der Römerzeit bis zum Ende des Mittelalters weiter. Naturgemäß spielt hier Forchheims große frühe Zeit als Kaiserpfalz eine wichtige Rolle, die mit Exponaten gut belegt und ebenso erläutert wird. Im Grunde beginnt Forchheims (Stadt-)Geschichte hier: diverse Hoftage, Königswahlen, ein Zentrum karolingischer Macht, das hat weit und breit kein Ort zu bieten.

Modell der Festungsstadt Forchheim Foto: Gerd Walther

Modell der Festungsstadt Forchheim
Foto: Gerd Walther

Das Stadtmuseum betritt man vom Treppenturm außerhalb. So schmal der Zugang, so eng ist auch das gesamte Museum in die 3. Etage hineingepfriemelt. Da kann sich kein Exponat richtig entfalten, hier macht auch die Besichtigung trotz aller Bemühungen der Macher keinen rechten Spaß. Der Schwerpunkt liegt zunächst auf der Festungsstadt der frühen Neuzeit. Darauf folgen das 19. und 20. Jahrhundert. Auch da hat Forchheim – in erstaunlicher Verbindung zu Fürth – viel zu bieten: Brillenherstellung, die Folienfabrik, Weberei und Spinnerei, die Papierfabrik. Hinzu kommen noch andere Handwerke, die Farbenherstellung, die ‚düftelnde‘ Knochenfabrik. Gut gemacht ist die Darstellung von Lebensumständen anhand einzelner Biographien, des jüdischen Lebens in Forchheim und dessen Ende. Warum man an die Ausstellung zu den 1950er Jahren mit Kino und Laden bei all der Enge noch so viel Platz für den Maler Mayer-Franken verwendet, weiß ich nicht.

Es ist mir nicht klar, warum man nicht mit der Kaiserpfalz arbeitet: Erdgeschoss, 1. und 2. Etage für die Vor-, Früh- und Stadtgeschichte nimmt, Sonderausstellungen in die 3. Etage unters Dach gibt, den Zugang prinzipiell über das alte Treppenhaus ermöglicht, das Trachtenmuseum an einem anderen, günstigeren Ort unterbringt. Sind’s die Events? Das ist v.a. schade für die vielen schönen, interessanten und meist gut erklärten Exponate.

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