Jüdisches Museum Franken

Fürth – Jüdisches Museum Franken

Besuche am Sonntag, 15.6.2014, am 7.12. 2014 und auch sonst oft, je ca 1-2 Std. Das Museum war jeweils nicht sehr stark besucht, manchmal eine Gruppe. Träger ist ein Verein mit Vertretern des Bezirks Mittelfranken, der Stadt Fürth sowie der Orte Schnaittach und Schwabach, in denen sich Dependancen befinden. Es reden also viele Politiker mit.

Das jüdische Museum ist in Fürth in einem alten Gebäude mit Mikwe und Laubhütte untergebracht, das bis ins späte 19. Jh. im Besitz jüdischer Familien war. Mikwe und Laubhütte sind auch die Highlights des Museums. Das Gebäude ist recht verwinkelt, was man im Sinne eines Irrgartens auch als Chance wahrnehmen kann. Das wurde hier nicht getan. Die Ausstellung bildet mit ihren Präsentationsstelen einen Kontrapunkt zu den Räumlichkeiten. Die Wände sind weiß gehalten, nur der Seminarraum ist schwarz.

Man hat nicht den Eindruck, dass das Museum übermäßig viele Exponate besitzt, dennoch ist es bis auf wenige Installationen aus der Anfangszeit des Museums sehr stark auf Originale fixiert. Insofern ist der museumsdidaktische Ansatz sehr konventionell, brettlhart. Man könnte ja einige der vielen Graphiken, die es zur jüdischen Geschichte Fürths gibt, vergrößern, den Besucher zum Kennenlernen einladen. Das geschieht nicht. Die zweisprachigen Erläuterungen sind nicht besucherfreundlich, sondern nach den ästhetischen Kriterien der Ausstellungsmacher angebracht.

Die Schaustücke werden vereinzelt oder in Kleingruppen präsentiert. Das führt zu einer Starre, als ob die Juden keine Alltäglichkeit kannten. Zudem haben sich die Macher in dieser Grundstruktur selbst gefangen, können sich nicht daraus lösen und mit dem Haus und den Exponaten frei und spielerisch, spannungsaufbauend, abenteuerlich, kreativ umgehen. Das erklärt sich wohl teilweise aus den hohen Preisen für Judaika. Aber warum man eine Bierflasche, eine leere obendrein, und andere alltägliche Gegenstände, Badeschlappen etwa, vitriniert, wo’s wirklich nicht nötig ist, ist keine formale Frage, sondern die, wie viel Alltag man gestattet.

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Foto Gerd Walther

Der Besucher bleibt Betrachter, eine Spiegelwand zum Holocaust und eine weitere Wandinstallation einmal ausgenommen, beides aus der wagemutigeren Erstausstattung. Er steht davor, darf schauen, lesen, quasi auswendig lernen, es existiert immer eine deutliche Distanz. Nicht ‚delectare et prodesse‘, nur nutzen

Es gibt Besucher, denen das gefällt und genügt, und in diesem Rahmen wird die Geschichte der fürther/fränkischen Juden aus der Zeit seit ca 1500 knapp nachvollziehbar in 2-3 Stunden deutlich gemacht. Ob die Synagoge tatsächlich so ein mystischer Ort ist, wie es das auf einer unterleuchteten Milchglasscheibe stehende weiße Modell der Altschul suggeriert? Es wird nicht thematisiert, sondern ist vorgegeben. Das ist das Problem des jüdischen Museums.

Modell der Altschul Foto Gerd Walther

Modell oder Interpretation der Altschul?
Foto Gerd Walther

Es hängt wohl letztlich mit der ungelösten Frage zusammen, wie viel Holocaust-Museum das jüdische Museum in Fürth ist und wie viel alltägliches Zusammenleben gezeigt wird. Dabei war der Gründungsdirektor Purin viel experimentierfreudiger, etwa indem er den Holocaust durch eine Installation kommuniziert hat. Er legt das schwer Begreifliche in den Besucher, fordert ihn, nimmt das Museum scheinbar zurück, stellt Fragen, statt kurz greifende Antworten anzubieten. Purin hat man aus Fürth hinausgeekelt, München hat ihn dankbar genommen. „Erstickend in ihrer Engigkeit und Öde“, beschrieb der im Museum sehr stiefmütterlich behandelte Jakob Wassermann 1921 Fürth. Das wäre doch evtl ein Ansatz. Aber dafür sitzen wohl zu viele Politiker in den Aufsichtsgremien.

 

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